Witwenrente: Wirtschaftsweise fordern Abschaffung – 50 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 03:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung steht unter Druck: Wirtschaftsweisen fordern die Abschaffung der Witwenrente, Verbände kritisieren die Energiepolitik und die Pflegereform sorgt für Empörung. Ein Überblick über die drängendsten Baustellen.
Streit um die Witwenrente
Ein Ratsmitglied der Wirtschaftsweisen sorgt für Aufsehen. Martin Werding sprach sich am 7. August für die Abschaffung der Witwenrente aus. Seine Begründung: Die Leistung koste die Rentenkasse jährlich fast 50 Milliarden Euro – etwa ein Achtel der Gesamtausgaben. Als Alternative schlägt Werding ein Rentensplitting vor und verweist auf Schweden als Vorbild. Dort wurde die Witwenrente bereits 1990 für neu geschlossene Ehen abgeschafft.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei macht derweil Druck auf Arbeitsministerin Bas. Er fordert eine soziale Schutzrente und einen Referentenentwurf für eine umfassende Rentenreform bis zum Herbst. Die Reform müsse den Vorschlägen der Expertenkommission entsprechen, so Frei.
Kampf um die „Rente mit 63“
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt: Ohne diesen Baustein könnte das gesamte Rentenpaket scheitern. Seine Analyse zeigt: Ein Wegfall der Frühverrentungsoption würde rund 125.000 zusätzliche Beschäftigte pro Rentnerjahrgang mobilisieren und knapp 10 Milliarden Euro einsparen.
Doch der Widerstand ist groß. Acht Ministerpräsidenten sprechen sich gegen die Abschaffung aus. Die Demografie verschärft den Druck zusätzlich: Der Sachverständigenrat warnt, der Beitragssatz könnte bis 2040 auf 50 Prozent steigen. Zum Vergleich: Aktuell liegt er bei 18,6 Prozent, in Österreich bei 22,8 Prozent.
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Mittelstand fordert schnelle Entlastung
Beim Thema Energiekosten läuft den Unternehmen die Zeit davon. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BKM) fordert eine sofortige Senkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß. Verbandspräsident Althaus kritisiert Wirtschaftsministerin Reiche scharf: Sie hatte niedrigere Preise erst für die 2030er-Jahre in Aussicht gestellt. Der Mittelstand könne so lange nicht warten.
Auch die Bauwirtschaft schlägt Alarm. Die BAUVERBÄNDE.NRW lehnen die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro ab. Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Baumann warnt vor Erwartungsdruck, dem kleine und mittlere Unternehmen kaum standhalten könnten. ZDB und HDB fordern zudem rückwirkende Preisgleitklauseln für Diesel und Bitumen zum 1. März 2026.
Pflegereform: Kritik von allen Seiten
Die AWO bezeichnet den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) als Belastungspaket. Der Entwurf sehe höhere Hürden für die Einstufung in Pflegegrade und eine vierjährige Aussetzung der tariflichen Bezahlung vor. AWO-Präsidentin Sonnenholzner kritisiert: „Damit werden die falschen Personengruppen belastet.“
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Der Deutsche Juristinnenbund (djb) meldet derweil Versäumnisse bei der Lohngerechtigkeit. Die Bundesregierung habe die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verstreichen lassen – djb-Präsidentin Baer nennt das „skandalös“. Die Richtlinie gelte nun unmittelbar, Beschäftigte könnten sich vor Gericht direkt auf europäisches Recht berufen.
Während Deutschland über Strukturreformen debattiert, blickt auch Österreich skeptisch in die Zukunft. Für 2026 erwartet der Fiskalrat ein Budgetdefizit von 4,1 Prozent des BIP. Um bis 2029 unter die Maastricht-Grenze von 3 Prozent zu kommen, seien Konsolidierungsmaßnahmen in Milliardenhöhe nötig.
