Wohnraummangel bremst laut Reiche-Beratern Wirtschaftswachstum
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBeirat fordert mehr Wohnraum
- Der Wissenschaftliche Beirat berÀt das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche.
- Felix Bierbrauer warnt vor verlorenen Chancen fĂŒr die gesamte Volkswirtschaft.
- Vorgeschlagen werden mehr Bauland, höhere GeschossflÀchen und steuerliche Umzugshilfen.
Wohnraummangel erschwert berufliche Wechsel
Der Mangel an Wohnraum bremst nach EinschĂ€tzung des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Hohe Wohnkosten erschwerten den Wechsel an einen produktiveren Arbeitsplatz, heiĂt es in einem Gutachten der Ăkonomen.
Wenn BeschĂ€ftigte wegen fehlender bezahlbarer Wohnungen einen besser bezahlten Job nicht annĂ€hmen, gingen Chancen fĂŒr die gesamte Volkswirtschaft verloren, sagte der Vorsitzende des Beirats, Felix Bierbrauer.
Höhere Löhne werden durch Mieten aufgezehrt
Die Wanderung von Menschen orientiere sich in Deutschland immer weniger an regionalen Lohnvorteilen, heiĂt es in dem Gutachten. LohnzuwĂ€chse wĂŒrden sich zunehmend in höheren Wohnungspreisen niederschlagen.
Wer von einer Niedrig- in eine Hochlohnregion umziehe, habe dadurch kaum mehr Geld zur VerfĂŒgung, sagte Bierbrauer mit Blick auf steigende Neuvertragsmieten. Der Umzug verliere damit an AttraktivitĂ€t.
Beirat will Kommunen zum Bauen bewegen
Der Beirat schlĂ€gt vor, Kommunen stĂ€rker zur Ausweisung von Bauland zu bewegen. Bislang entstĂŒnden ihnen dabei erhebliche Folgekosten fĂŒr Schulen, Kitas, Sporteinrichtungen und Verkehrsverbindungen, wĂ€hrend Bodenwertgewinne oft privaten EigentĂŒmern zugutekĂ€men.
EigentĂŒmer und Bauherren sollen deshalb stĂ€rker an den Infrastrukturkosten beteiligt werden. Genannt werden eine erweiterte Infrastrukturkostenumlage und ein Planungswertausgleich.
Mehr GeschossflÀche und Umzugshilfen
Ăltere BebauungsplĂ€ne sollen pauschal mehr GeschossflĂ€che zulassen. Auch maĂvolle Erweiterungen innerhalb bestehender Siedlungen sollen leichter möglich werden, damit zusĂ€tzlicher Wohnraum nicht jedes Mal gegen lokale WiderstĂ€nde durchgesetzt werden muss.
AuĂerdem bringt der Beirat steuerliche Erleichterungen bei beruflich veranlassten UmzĂŒgen ins Spiel.
Das Gutachten verknĂŒpft die Wohnungsfrage mit einem zentralen Mechanismus des Arbeitsmarkts: BeschĂ€ftigte können regionale Lohnunterschiede nur nutzen, wenn sie ihren Wohnort tatsĂ€chlich wechseln können. Hohe Neuvertragsmieten und knappes Angebot erhöhen dabei die Kosten eines Umzugs und schmĂ€lern den finanziellen Vorteil eines besser bezahlten Jobs.
Besonders relevant ist der Zusammenhang fĂŒr Wachstumsregionen, in denen zusĂ€tzliche ArbeitsplĂ€tze entstehen, aber Wohnungen nur langsam nachkommen. Unternehmen können offene Stellen dann schwerer besetzen, wĂ€hrend BeschĂ€ftigte in Regionen mit niedrigeren Mieten bleiben. Dadurch werden ProduktivitĂ€t und wirtschaftliche Dynamik nicht nur durch fehlende ArbeitskrĂ€fte, sondern auch durch rĂ€umliche ImmobilitĂ€t begrenzt.
Wohnungsbau als Infrastrukturaufgabe
Die VorschlĂ€ge des Beirats zielen deshalb nicht allein auf MietzuschĂŒsse, sondern auf die Ursachen des knappen Angebots. Kommunen sollen stĂ€rker dazu bewegt werden, Bauland auszuweisen; zugleich sollen EigentĂŒmer und Bauherren an den Folgekosten fĂŒr Schulen, Kitas, Verkehr und andere Infrastruktur beteiligt werden. Der vorgeschlagene Planungswertausgleich soll dabei einen Teil der WertzuwĂ€chse abschöpfen, die durch neues Baurecht entstehen.
FĂŒr Mieter und Arbeitgeber dĂŒrfte die Umsetzung entscheidend sein: Mehr Baurecht wirkt erst mit Verzögerung, steuerliche Erleichterungen fĂŒr berufliche UmzĂŒge könnten dagegen kurzfristiger greifen. Der Konflikt zwischen zusĂ€tzlicher Verdichtung, kommunalen Kosten und lokalen WiderstĂ€nden bleibt jedoch bestehen. Das Gutachten macht daraus eine wirtschaftspolitische Aufgabe, die ĂŒber klassische Wohnungs- und Sozialpolitik hinausreicht.
