Wohnungsbau: 59% der Vermieter bremsen bei Sanierungen
31.05.2026 - 10:48:48 | boerse-global.deTrotz dringendem Handlungsbedarf im Gebäudesektor plant eine Mehrheit der privaten Vermieter keine energetischen Modernisierungen. Schuld sind unklare politische Rahmenbedingungen und drohende Kürzungen bei Fördergeldern.
Der Gebäudesektor ist für rund ein Drittel der deutschen CO?-Emissionen verantwortlich. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie: Die große Mehrheit privater Eigentümer hält sich bei klimafreundlichen Sanierungen zurück. Das könnte die Energiewende im Wohnungsbau massiv ausbremsen.
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Investitionsstau wächst – 59 Prozent der Vermieter zögern
Eine Untersuchung der DI Deutschland.Immobilien AG und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Februar 2026 offenbart ein düsteres Bild: 59 Prozent der privaten Vermieter planen keine energetischen Sanierungen. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr, als noch 48 Prozent ähnliche Absichten äußerten. Die Befragung von 1.000 Teilnehmern zeigt: Private Eigentümer – sie verwalten über 60 Prozent der 44 Millionen deutschen Wohnungen – schrecken vor allem vor unklaren politischen Vorgaben zurück.
IW-Experte Michael Voigtländer warnt: „Die Transformation des Wohnungssektors wird ohne klarere Orientierung, realistische Anforderungen und praktikablere Förderstrukturen kaum gelingen." Dabei gibt es durchaus Motivation: 53 Prozent der Sanierer nennen Energieeinsparungen als Grund, 41 Prozent die Zufriedenheit ihrer Mieter. Doch die Mehrheit der Zögernden sieht schlicht keine Dringlichkeit (64 Prozent) oder scheut die hohen Kosten (17 Prozent). Bei jüngsten Modernisierungen tauschten nur 34 Prozent der Vermieter Heizungen aus, 25 Prozent erneuerten Fenster und lediglich 18 Prozent investierten in Dämmung.
Spahn fordert Kürzungen – neues Gesetz sorgt für Unruhe
Die finanzielle Perspektive für Sanierungen könnte sich weiter eintrüben. Jens Spahn, stellvertretender Fraktionschef der CDU/CSU, schlägt eine pauschale Kürzung aller Subventionen und Steuervergünstigungen um fünf Prozent vor – zur Finanzierung einer umfassenden Steuerreform. Laut IW-Berechnungen würde das die maximale Förderung für eine Wärmepumpe von 21.000 auf 19.950 Euro drücken. Bei einer Komplettsanierung für 100.000 Euro schrumpfte der Zuschuss von 20.000 auf 15.000 Euro.
Neben energetischen Sanierungen stellt auch das überarbeitete Wohnungseigentumsgesetz Vermieter vor neue Herausforderungen, etwa bei der Installation von Balkonkraftwerken. Erfahren Sie in diesem kompakten Guide alles über die 19 wichtigsten Neuregelungen, um rechtlich stets auf der sicheren Seite zu bleiben. Gratis WEG-Report: Die 19 wichtigsten Änderungen sichern
Gleichzeitig sorgt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche für zusätzliche Verunsicherung. Ab dem 1. Januar 2029 müssen neue Öl- und Gasheizungen schrittweise CO?-neutrale Brennstoffe beimischen – beginnend mit einer Quote von zehn Prozent.
Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund, schlägt Alarm: Die Kostenverteilungsregeln des Gesetzes machten Risiken für Vermieter unkalkulierbar. „Das könnte bis zu drei Millionen Mietwohnungen vom Markt nehmen", warnt er. Auch Sozialverbände wie der SoVD befürchten, dass die Maßnahmen die ohnehin angespannte Wohnungssuche weiter verschärfen.
Großkonzerne und Kommunen machen Tempo
Während private Vermieter bremsen, gehen große Wohnungsunternehmen und kommunale Gesellschaften voran:
- Vonovia investiert 3,1 Millionen Euro in die energetische Sanierung von 72 Wohnungen in Schopfheim. Fassade, Dach und Keller werden gedämmt, die Heizung optimiert. Ziel: 50 Prozent weniger Energieverbrauch bis zum Abschluss der Arbeiten im Laufe des Jahres 2026.
- Jenawohnen installiert im Stadtteil Lobeda 300 Balkon-Solarmodule auf 150 Wohnungen. Die Initiative ist Teil des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Labors „JenErgieReal" und eingebettet in ein 50-Millionen-Euro-Investitionspaket, das bis Anfang 2028 umgesetzt sein soll.
- DOGEWO21 hat in Dortmund eine leistungsstarke Wärmepumpen-Kaskade in zwei Mehrfamilienhäusern aus dem Jahr 1967 in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Energieeffizienz von Klasse F auf B heben und jährlich rund 20,5 Tonnen CO? einsparen.
Kommunen suchen nach Lösungen
Auch die Städte loten aus, wie Denkmalschutz und Modernisierung vereinbar sind. Frankfurt lässt derzeit seine Milieuschutzgebiete durch ein externes Beratungsunternehmen evaluieren. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen werden frühestens im dritten Quartal 2026 erwartet. Seit Juni 2025 wurden in diesen Zonen zehn Projekte mit einem Kostenzuschuss von 35 Prozent gefördert – unter der Auflage, die Mieten für 30 Jahre an die Förderung zu koppeln.
Derweil hat das Bundeskabinett zwar einen neuen Entwurf des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) verabschiedet. Kritiker bemängeln jedoch, dass die kommunalen Belange weiterhin zu kurz kommen und Städten sogar Fördergelder gekürzt werden könnten. Diese anhaltenden gesetzlichen Verschiebungen tragen maßgeblich zur Verunsicherung bei – und damit zur Zurückhaltung der privaten Vermieter, die das Rückgrat des deutschen Wohnungsmarktes bilden.
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