Wohnungsneubau, Deutschland

Wohnungsneubau in Deutschland: Nur 2,48 Wohnungen je 1.000 Einwohner

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutschland verbindet geringe Neubauzahlen mit hohen Kaufpreisen; steigende Baukosten und wenige Genehmigungen verschärfen den Angebotsengpass.
Eine stillgelegte Großbaustelle mit einem einsamen Baukran und unfertigen Betonbauten bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Der Wohnungsneubau in Deutschland ist drastisch eingebrochen und rangiert im europäischen Vergleich mittlerweile auf einem der hinteren Plätze. Im Jahr 2025 wurden bundesweit fast 207.000 Wohnungen fertiggestellt. Dies entspricht einem Rückgang von 17,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert den tiefsten Wert seit dem Jahr 2012. Umgerechnet entstanden damit lediglich 2,48 neue Wohnungen je 1.000 Einwohner.

Große Kluft im europäischen Vergleich

Im europäischen Feld verzeichneten lediglich wenige Staaten noch niedrigere Fertigstellungsraten als Deutschland. Nur in Ungarn mit 1,26, in Spanien mit 1,64 und in Großbritannien mit 2,08 Einheiten je 1.000 Einwohner fiel der Wert noch geringer aus.

Demgegenüber meldeten andere Staaten deutlich höhere Quoten: Frankreich kam auf 5,48 und Polen auf 5,59 Wohnungen je 1.000 Einwohner. Die Türkei erreichte 7,82 Einheiten, während Albanien mit 9,22 Fertigstellungen je 1.000 Einwohner die Spitze im Vergleich einnahm.

Gleichzeitig bleibt das Preisniveau hierzulande außergewöhnlich hoch. Wie aus der 15. Erhebung des Deloitte Property Index 2026 hervorgeht, der Daten aus 25 Ländern für das Jahr 2025 auswertet, lag Deutschland mit einem durchschnittlichen Neubaupreis von 5.200 Euro pro Quadratmeter auf Platz drei. Dies entsprach einem Zuwachs von gut 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem zuvor 4.800 beziehungsweise 4.700 Euro verzeichnet worden waren. Spitzenreiter bei den Quadratmeterpreisen war Luxemburg mit 9.160 Euro, gefolgt von Tschechien mit 5.412 Euro.

Auf Stadtebene belegte München unter 71 untersuchten europäischen Metropolen den Spitzenplatz bei Neubau-Eigentumswohnungen. Mit 11.200 Euro pro Quadratmeter platzierte sich die bayerische Landeshauptstadt erstmals vor Paris.

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In Luxemburg-Stadt lag das Niveau bei 10.567 Euro, in Amsterdam bei 8.650 Euro und in Barcelona bei 8.037 Euro. In Deutschland folgten Hamburg und Frankfurt mit jeweils 7.700 Euro sowie Berlin mit 7.500 Euro pro Quadratmeter.

Anhaltender Druck auf den Mietmarkt

Die geringe Bautätigkeit treibt den Druck auf die Mietmärkte an. In Hamburg stiegen die Mieten 2025 um 23,6 Prozent im Jahresvergleich, was dem höchsten Zuwachs unter 69 untersuchten europäischen Städten entsprach. Frankfurt registrierte ein Plus von 14,6 Prozent, München von 11,5 Prozent.

Mit durchschnittlich 21,9 Euro pro Quadratmeter und Monat wies München 2025 den höchsten Mietwert in Deutschland auf und belegte europaweit Rang 13. Laut Prognosen für 2026 wird in 19 von 24 untersuchten Staaten mit weiteren Mietanstiegen gerechnet, darunter auch in Deutschland. Ein Rückgang wird in keinem Land erwartet, während die Mieten in Dänemark, Ungarn, Polen, Rumänien und Serbien stabil bleiben dürften.

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Deutsche Immobilienverbände führen die anhaltende Schwächephase vor allem auf hohe Baukosten und strenge Energieauflagen zurück. Diese Faktoren bremsen Investitionen spürbar und verschärfen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungsräumen trotz zeitweise gesunkener Zinsen weiter.

Joanna Tanno von Columbia Threadneedle hob laut einem Bericht vom 22. Oktober 2026 hervor, dass vor allem gestiegene Bau-, Arbeits-, Finanzierungs- und Regulierungskosten sowie ein geringes Niveau an Baugenehmigungen den Angebotsengpass verursachten. Nicht eine Nachfrageschwäche, sondern eine anhaltende Knappheit werde den kommenden Marktzyklus prägen und das Mietwachstum stützen.

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