Institut der deutschen Wirtschaft sieht Trendwende bei prekÀrer BeschÀftigung
Veröffentlicht am: 04.02.2020 um 10:30 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller, Chefredakteur AD HOC NEWS
In den Jahren zwischen 2012 bis 2017 hat in Deutschland die Anzahl der unbefristeten Stellen erheblich zugenommen. Im Untersuchungszeitraum haben 42 Prozent der Betriebe in Deutschland mehr unbefristete ArbeitsverhĂ€ltnisse abgeschlossen. Nur in 11 Prozent der Unternehmen hat sich der prekĂ€re BeschĂ€ftigungssektor ausgeweitet. Das Institut der deutschen Wirtschaft widersprach anhand der Untersuchungsergebnisse der allgemein verbreiteten Ăberzeugung, dass unbefristete ArbeitsverhĂ€ltnisse zunehmend in zeitlich begrenzte VertrĂ€ge umgewandelt wĂŒrden. Ein derartiger Trend ist laut IW nicht feststellbar, das Gegenteil sei vielmehr der Fall. In absoluten Zahlen registrierte das IW einen RĂŒckgang befristeter Stellen von 2,64 Millionen auf 2,55 Millionen. In die Analyse dieser absoluten Zahlen mĂŒssten dabei auch noch einflieĂen, dass im Zeitraum die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten deutlich angestiegen sei.
Die befristete BeschĂ€ftigung wird von den Arbeitsmarktexperten zu den âatypischen Erwerbsformenâ gezĂ€hlt. Neben der zeitlichen Befristung gehören auch Zeitarbeit und WerkvertrĂ€ge in diese Kategorie, die vor allem bei Arbeitnehmervertretern skeptisch beurteilt werden. Zu Unrecht, wie das Institut festhĂ€lt. Nur bei 9 Prozent der Unternehmen wurden diese atypischen BeschĂ€ftigungsmodelle ausgeweitet, ohne gleichzeitig auch die Zahl der unbefristet BeschĂ€ftigten auszubauen. Bei 36 Prozent der Unternehmen wurde dagegen nur die unbefristete BeschĂ€ftigung gesteigert. Die prekĂ€re BeschĂ€ftigung wird von den Betrieben nicht als Kostensenkungsfaktor genutzt, sondern ist ein Reflex auf die VerĂ€nderungen der wirtschaftlichen Bedingungen. Die Unternehmen versuchen, mit befristeten Stellen die Unsicherheit gegenĂŒber der kurzfristigen wirtschaftlichen Entwicklung abzufedern. Dementsprechend steige die Zahl von befristet BeschĂ€ftigten vor allem in Zeiten mit einer negativen Zukunftserwartung auf Seiten der Betriebe. Die Ergebnisse der IW-Studie spiegeln daher die stabile Zukunftserwartung der Unternehmen zwischen 2012 und 2017. Der Autor der Studie, Holger SchĂ€fer, widersprach aufgrund der Ergebnisse auch der These, wonach die Unternehmen das Instrument der Befristung willkĂŒrlich einsetzen wĂŒrden. Wenn die Betriebe auf die Befristung zurĂŒckgreifen, dann aus guten GrĂŒnden, so die IW-Studie. Aus diesem Grund sei von einer staatlichen Regulierung, wie sie derzeit von Arbeitsmarktexperten diskutiert wird, entschieden abzuraten. Das schadet beiden Seiten, so der Autor der Studie, Arbeitgebern wie Arbeitnehmern.
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