Deutschland, Bayern

Wirecard: BGH prĂŒft AnsprĂŒche von AktionĂ€ren nach Insolvenz

16.10.2025 - 14:06:31 | dpa.de

Zehntausende AktionĂ€re fordern im Insolvenzverfahren von Wirecard Schadenersatz. Nach einem Zwischenurteil aus MĂŒnchen dĂŒrfen sie auf ein wenig Geld hoffen. Nun schaut Karlsruhe sich die Sache an.

Zehntausende AktionÀre fordern von Wirecard Schadenersatz. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Zehntausende AktionÀre fordern von Wirecard Schadenersatz. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

Können Wirecard-AktionĂ€re im Insolvenzverfahren als einfache GlĂ€ubiger Schadenersatz aus der Insolvenzmasse fordern? Mit dieser Frage beschĂ€ftigt sich der Bundesgerichtshof (BGH). Am Donnerstag hat das oberste deutsche Zivilgericht ĂŒber eine Klage der Vermögensverwaltung Union Investment verhandelt. Eine Entscheidung wollen die Karlsruher Richter am 13. November bekanntgeben. (Az. IX ZR 127/24)

Union Investment hat Schadenersatz in Höhe von knapp 10 Millionen Euro zur Wirecard-Insolvenztabelle angemeldet. Sie wirft dem einstigen Dax-Konzern vor, ĂŒber Jahre ein nicht existentes GeschĂ€ftsmodell vorgetĂ€uscht und seine finanzielle Lage falsch dargestellt zu haben. HĂ€tten Anleger die Wahrheit gewusst, hĂ€tten sie keine Aktien gekauft, so das Argument.

Zwischenurteil aus MĂŒnchen

Doch der Insolvenzverwalter bestreitet die Forderungen. Er hĂ€lt die Forderungen von GlĂ€ubigern wie kreditgebenden Banken oder ehemaligen Angestellten fĂŒr vorrangig. Die AktionĂ€re seien nur zu berĂŒcksichtigen, falls am Ende des Insolvenzverfahrens Geld ĂŒbrig bliebe - wonach es nicht aussieht.

Das Oberlandesgericht (OLG) MĂŒnchen sah das in dem Verfahren zuletzt anders und entschied im September 2024 in einem Zwischenurteil, dass AktionĂ€re ihre AnsprĂŒche auf Schadenersatz als einfache Insolvenzforderungen geltend machen können. Eine höchstrichterliche Entscheidung gibt es zu dem Thema bisher aber noch nicht. Daher soll nun der BGH entscheiden. 

Bewusstes Risiko oder verfÀlschter Wille?

Eine klare Tendenz des neunten Zivilsenats wurde in der Verhandlung nicht deutlich. Auf der Seite des Insolvenzverwalters betonten die AnwÀlte, dass den Anlegern beim Kauf der Aktien das damit verbundene unternehmerische Risiko bewusst gewesen sei. Der Anwalt der Gegenseite hielt dagegen, der freie Wille der AktionÀre beim Aktienkauf sei aufgrund der TÀuschung durch Wirecard verfÀlscht worden und die Investitionsentscheidung daher nicht belastbar.

In Summe geht es in Karlsruhe um viel Geld: Etwa 50.000 Wirecard-AktionÀre haben laut Gericht Schadenersatzforderungen in Höhe von rund 8,5 Milliarden Euro zur Insolvenztabelle angemeldet. Insgesamt fordern die Wirecard-GlÀubiger 15,4 Milliarden Euro. Die Insolvenzmasse betrÀgt aber nur rund 650 Millionen Euro. Voraussichtlich werden die GlÀubiger also in jedem Fall nur einen sehr kleinen Teil ihrer Forderungen bekommen.

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