Zeitarbeit, Beschäftigte

Zeitarbeit: 537.200 Beschäftigte im Juni – Trend zur Festanstellung

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr Zeitarbeit und ein höheres Beschäftigungsbarometer treffen auf steigende Arbeitslosigkeit, weniger Ausbildungsplätze und wachsenden Fachkräftebedarf.

Arbeitsmarkt 2026: Zeitarbeit wächst, Fachkräftelücke verschärft sich
Eine leere, moderne Industriehalle mit hochwertigen Maschinen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Branche der Personaldienstleister verzeichnete im Juni 2026 einen Zuwachs bei den Beschäftigtenzahlen in der Zeitarbeit. Wie der Branchenverband Ende August mitteilte, waren in diesem Monat 537.200 Menschen in der Arbeitnehmerüberlassung tätig. Dies entspricht einem Plus von 13.100 Personen gegenüber dem Vormonat, wenngleich im Vergleich zum Vorjahr noch ein Rückgang von 22.300 Beschäftigten zu konstatieren ist.

Trend zur Übernahme von Fachkräften in Festanstellung

Ein deutlicher Trend zeigt sich laut Verbandsangaben bei der Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse. Das Modell der Arbeitnehmerüberlassung mit einer gezielten Übernahmeoption in die Festanstellung werde verstärkt eingesetzt, insbesondere um den Bedarf an Fachkräften im gewerblich-technischen Bereich zu decken. Parallel dazu stieg die Zahl der insgesamt gemeldeten Stellen auf 656.000, was einem Zuwachs von 25.000 im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Trotz der positiven Entwicklung in der Zeitarbeit zeigt der breitere Arbeitsmarkt im August 2026 Anzeichen einer Eintrübung. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 3,061 Millionen Menschen. Dies sind 54.000 mehr als im Vormonat und 36.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich damit um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent.

Demgegenüber steht ein Rückgang bei der Kurzarbeit: Im Juni 2026 befanden sich 140.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, was 55.000 weniger waren als ein Jahr zuvor. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen blieben mit einem BIP-Wachstum von 0,3 Prozent im zweiten Quartal und einer Inflationsrate von 2,8 Prozent stabil.

ifo-Beschäftigungsbarometer erreicht Mehrmonatshoch

Optimistischere Signale kommen vom ifo-Institut. Das ifo-Beschäftigungsbarometer kletterte im August 2026 auf 94,8 Punkte, nach 93,0 Punkten im Juli. Dies stellt den höchsten Wert seit Mai 2025 dar, auch wenn der Index weiterhin unter der Marke von 100 Punkten liegt.

Laut den Marktforschern planen insbesondere der öffentliche Bereich, der Finanzsektor, die Energie- und Wasserwirtschaft sowie das verarbeitende Gewerbe einen Stellenzuwachs. Rückläufige Tendenzen werden hingegen in der Gastronomie sowie im Sektor Information und Kommunikation beobachtet.

Besonders hoher Bedarf besteht weiterhin im Handwerk, am Bau sowie im Bereich Pflege, Gesundheit und Erziehung, wo der ungedeckte Bedarf am höchsten eingestuft wird. Die demografische Entwicklung verschärft die Lage: Bis zum Jahr 2036 werden jährlich rund 1,3 Millionen Angehörige der Babyboomer-Generation das Rentenalter erreichen.

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Dramatischer Rückgang bei technischen Ausbildungsverhältnissen

Die langfristige Sicherung von Fachkräften bereitet der Wirtschaft zunehmend Sorgen. Die IHK Baden-Württemberg meldete zum Ausbildungsstart 2026 einen Rückgang der neu abgeschlossenen Verträge um 9 Prozent auf 31.413. In technischen Berufen betrug das Minus 10,8 Prozent, in der Elektrotechnik 15,6 Prozent und bei Fachinformatikern sogar 19,1 Prozent. Regional zeigen sich noch stärkere Ausschläge, etwa im Landkreis Esslingen mit einem Rückgang von 11,9 Prozent.

Der IHK-Fachkräftemonitor weist aktuell eine Lücke von 143.000 fehlenden Fachkräften aus, die bis 2035 auf 373.000 anwachsen könnte. In der Grenzregion Vogtland und Tschechien wird die Problematik ebenfalls deutlich: Bei einer Expertenkonferenz des Unternehmens Meiser Vogtland wurde darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Vogtland bis 2040 um weitere 23 Prozent schrumpfen dürfte.

Strategische Neuausrichtungen in der Industrie

In der Industrie führen diese Entwicklungen zu strategischen Verschiebungen. Rheinmetall verhandelt derzeit über die Übernahme des Alstom-Lokomotivwerks in Kassel mit 900 Beschäftigten. CEO Armin Papperger bestätigte laufende Gespräche, wobei ein weiteres Treffen mit der Alstom-Führung in vier Wochen geplant sei. Eine Übernahme der Belegschaft stehe im Raum, während Arbeitnehmervertreter bereits Proteste angekündigt haben.

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Gleichzeitig baut Opel 650 Ingenieursstellen ab und setzt auf internationale Kooperationen. Opel-Chef Florian Huettl begründete die Entwicklung eines ersten gemeinsamen Fahrzeugs mit dem chinesischen Partner Leapmotor damit, dass so der Zugriff auf Kompetenzen in den Bereichen Elektronik, Software und Batterietechnik gesichert werde.

Abseits der klassischen Arbeitnehmerüberlassung etablieren sich neue Modelle wie das der ungarischen RB INVEST Project Kft. (Marke DanubeHandwerk), die deutschen Betrieben Montage-Subunternehmer auf Werkvertragsbasis anbietet. Das Modell setzt auf digitale Kontrolle mittels täglicher Fotodokumentation und Stundenfreigabe über ein Kundenportal.

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