Zuckersteuer lÀsst GetrÀnkepreise laut Herstellern steigen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 16:58 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSteuerplÀne und Herstellerfolgen
- Detlef GroĂ vertritt als HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der wafg die Interessen der GetrĂ€nkehersteller.
- Die mögliche Weitergabe der Verbrauchsteuer hÀngt nach seinen Angaben vom Wettbewerb im Einzelfall ab.
- Ein aufwendiges Verfahren ĂŒber Steuerlager kann zusĂ€tzliche Verwaltungs- und Umstellungskosten verursachen.
GetrÀnkehersteller erwarten PreisaufschlÀge
Die GetrĂ€nkehersteller rechnen infolge der geplanten Zuckersteuer mit höheren Preisen. âSicher werden die Verbraucherpreise steigenâ, sagte Detlef GroĂ, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie GetrĂ€nke (wafg), dem âSpiegelâ.
Steuer soll weitergegeben werden
Angesichts der Höhe der Steuer könne diese nicht dauerhaft von den Unternehmen selbst getragen werden, erklĂ€rte GroĂ. Es sei gerade das Ziel von Verbrauchssteuern, dass sie an die Verbraucher weitergegeben wĂŒrden.
Ob und wie die Abgabe im Einzelfall auf die Preise umgelegt werden kann, entscheidet sich nach seinen Angaben im Wettbewerb. Damit hÀngt die konkrete Belastung auch davon ab, wie Anbieter und HÀndler ihre Preise kalkulieren.
Komplexes Verfahren erhöht Aufwand
Die GetrĂ€nkelobby warnt neben den unmittelbaren Steuerfolgen vor weiteren PreisaufschlĂ€gen durch Verwaltungs- und Umstellungskosten. Diese Kosten hĂ€ngen maĂgeblich vom Verfahren der Steuererhebung ab.
In der Formulierungshilfe der Bundesregierung fĂŒr die Beratungen im Bundestag sei ein sehr komplexes und bĂŒrokratieaufwendiges Verfahren ĂŒber sogenannte Steuerlager vorgeschlagen worden, sagte GroĂ. Deshalb sei mit zusĂ€tzlichen Belastungen zu rechnen.
WHO unterstĂŒtzt Besteuerung
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Besteuerung gesĂŒĂter GetrĂ€nke. Nach ihrer EinschĂ€tzung können solche Abgaben dazu beitragen, die Risiken fĂŒr Ăbergewicht, Adipositas und Diabetes zu senken.
Die konkrete Ausgestaltung mĂŒsse sowohl die gesundheitlichen Belastungen durch den Konsum zuckerhaltiger GetrĂ€nke als auch die kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Landes berĂŒcksichtigen.
Die geplante ZuckergetrĂ€nkesteuer verbindet zwei Ziele: Sie soll Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt schaffen und den Konsum stark gesĂŒĂter GetrĂ€nke ĂŒber den Preis beeinflussen. Das Kabinett hat dafĂŒr am 14. Oktober 2026 ein zweistufiges Modell auf den Weg gebracht, das ab dem 1. Juli 2027 gelten soll. Vorgesehen sind 26 Cent je Liter ab fĂŒnf Gramm Zucker pro 100 Milliliter und 32 Cent ab acht Gramm.
FĂŒr Verbraucher bedeutet das nicht automatisch einen exakt gleich hohen Aufschlag im Regal. Die GetrĂ€nkehersteller können die Belastung je nach Produkt, Wettbewerb und Vertriebsweg unterschiedlich weitergeben. Allerdings erhöhen neben der Steuer auch mögliche Kosten fĂŒr Abrechnung, Lagerung und Umstellung den Druck auf die Kalkulation. Genau diese zusĂ€tzlichen Aufwendungen stehen im Mittelpunkt der Kritik der GetrĂ€nkewirtschaft.
Gesundheitspolitik und Umsetzung
Die gesundheitspolitische BegrĂŒndung folgt einem international verbreiteten Ansatz: Ein höherer Preis soll den Konsum zuckerhaltiger GetrĂ€nke verringern und Hersteller zur RezepturĂ€nderung bewegen. Die Weltgesundheitsorganisation unterstĂŒtzt eine Besteuerung gesĂŒĂter GetrĂ€nke als Instrument gegen Ăbergewicht, Adipositas und Diabetes.
Politisch entscheidend bleibt die Ausgestaltung. Ausnahmen fĂŒr kleinere Produzenten, die Abgrenzung steuerpflichtiger Produkte und das Verfahren ĂŒber Steuerlager bestimmen, wie hoch die tatsĂ€chliche Belastung ausfĂ€llt und wie aufwendig die Verwaltung wird. FĂŒr Haushalte wird die Steuer vor allem bei regelmĂ€Ăig gekauften Limonaden, Eistees, Energydrinks und Ă€hnlichen Produkten sichtbar werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âBundesregierung einigt sich bei Zuckersteuer auf Zwei-Stufen-Modellâ (14.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt das zweistufige Modell und den geplanten Start zum 1. Juli 2027. Er legt den Schwerpunkt auf die konkreten SteuersĂ€tze, Ausnahmen und die noch ausstehende Genehmigung fĂŒr die Befreiung kleiner Hersteller.
ZDFheute: âZuckersteuer kommt abgeschwĂ€cht: Weniger Steuern, mehr Ausnahmenâ (14.10.2026)
ZDFheute beschreibt den politischen Kompromiss als abgespeckte Fassung mit zwei statt drei Steuerstufen. Anders als die Meldung der GetrĂ€nkewirtschaft stellt der Beitrag vor allem die Ănderungen gegenĂŒber frĂŒheren PlĂ€nen und die erwarteten Staatseinnahmen heraus.
Deutschlandfunk: âMehreinnahmen - Schwarz-rote Koalition einigt sich auf Zuckersteuerâ (14.10.2026)
Der Deutschlandfunk ordnet die Steuer als Kompromiss von Union und SPD ein und nennt neben den Einnahmezielen den gesundheitspolitischen Anreiz fĂŒr Hersteller. Offen bleiben auch dort die endgĂŒltige Umsetzung und die genaue Reichweite der Ausnahmen.
Die drei BeitrĂ€ge stimmen bei Starttermin, SteuersĂ€tzen und dem zweistufigen Modell ĂŒberein. Unterschiede gibt es beim Schwerpunkt: WĂ€hrend die dts-Meldung die erwarteten Preis- und Verwaltungskosten der Hersteller beleuchtet, widmen sich die anderen BeitrĂ€ge stĂ€rker dem politischen Kompromiss und den Details der Ausgestaltung.
