Milliarden, Menschen

1,2 Milliarden Menschen leiden an psychischen Erkrankungen

24.05.2026 - 20:20:28 | boerse-global.de

Studie belegt Verdopplung psychischer Erkrankungen seit 1990. Forscher präsentieren innovative Techniken und Hilfsangebote zur Bewältigung.

1,2 Milliarden Menschen leiden an psychischen Erkrankungen - Foto: über boerse-global.de
1,2 Milliarden Menschen leiden an psychischen Erkrankungen - Foto: über boerse-global.de

Aktuell sind rund 1,2 Milliarden Menschen betroffen. Besonders alarmierend: Angststörungen legten um 158 Prozent zu, Depressionen um 131 Prozent. Das zeigen Daten der „Global Burden of Disease“-Studie, die am 23. Mai thematisiert wurden.

Die neue Erschöpfung hat einen Namen

Wissenschaftler suchen nach Erklärungen für den massiven Anstieg. Dr. Marina Christodoulou von der Constructor University prägte dafür den Begriff der „ontologisch-existenziellen Erschöpfung“. In einem Themenheft der Fachzeitschrift Angelaki beschreibt sie das Phänomen als tiefgreifende Erschöpfung des Seins – weit mehr als nur vorübergehende Müdigkeit.

Auch neurologische Studien liefern Erkenntnisse: Akuter Stress reduziert die Aktivität im Hippocampus. Das beeinträchtigt Gedächtnis und Lernfähigkeit. Eine internationale Studie mit 120 Probanden aus Deutschland, den Niederlanden und den USA belegt das. Als wirksames Gegenmittel identifizierten Forscher spezifische Atemtechniken – etwa vier Sekunden Einatmen, sechs Sekunden Ausatmen.

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Hautpflaster erkennt Stress, bevor du ihn spürst

Ein Forschungsteam der Northwestern University hat ein neuartiges Hautpflaster entwickelt. Es misst Herzschlag, Atmung, Schweißproduktion und Hauttemperatur. Das Pflaster ist kompakt: 52 mal 48 Millimeter, 7,8 Gramm schwer. Eine integrierte KI wertet die Signale aus und erkennt Stress frühzeitig.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Bei kälteinduziertem Stress erreichte das System eine Sensitivität von 97 Prozent und eine Spezifität von 99 Prozent. Die Batterielaufzeit beträgt 37 Stunden. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 24. Mai in Science Advances.

Parallel dazu wächst der Markt für Supplemente. Das Unternehmen PUR4 brachte am 24. Mai „Brain Focus“ auf den Markt. Das Präparat enthält Kakao-Flavanole, deren Wirkung unter anderem im COSMOS Trial der Harvard University untersucht wurde. Ziel ist die Unterstützung der Neuroplastizität – nicht kurzfristige Stimulation.

Vom Strandurlaub zum Longevity-Retreat

Die Suche nach Erholung verändert sich. Weg vom klassischen Strandurlaub, hin zu spezialisierten Angeboten. Drei Trends zeichnen sich 2026 ab: Konzertreisen, kulinarische Städtereisen und Longevity Retreats. Letztere fokussieren auf Schlaf, Ernährung und Bewegung. Führende Destinationen: Südtirol, Malaga und Costa Rica.

Kreativität wirkt sich messbar auf die Alterung aus. Eine Studie des University College London mit 3.556 Erwachsenen zeigt: Bereits monatliche kreative oder kulturelle Aktivitäten bremsen epigenetische Alterungsprozesse. Bei wöchentlicher Aktivität verlangsamte sich die Alterung um vier Prozent – vergleichbar mit regelmäßigem Sport.

Auch Seminare zur Stressbewältigung boomen. Angebote wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yin Yoga werden in regionalen Bildungszentren angeboten. Letzteres verspricht durch minutenlanges Halten von Positionen besonders tiefe Entspannung.

Safe Space Apotheken: Anonyme Hilfe für Jugendliche

Neben individuellen Maßnahmen wächst auch die institutionelle Unterstützung. Der Apotheker Gerd Berlin betreibt in Haßloch (Pfalz) seit anderthalb Jahren eine „Safe Space Apotheke“. Jugendliche erhalten dort anonymen Erstkontakt bei psychischen Problemen. Die Mitarbeiter sind geschult, in Krisen professionell zu reagieren und an weiterführende Stellen zu vermitteln. Bundesweit ist ein Ausbau auf bis zu 1.000 Apotheken geplant.

Mehrere hundert Schulen in Deutschland bieten das Fach „Glück“ an. Initiiert wurde das Konzept 2007 von Ernst Fritz-Schubert. Über 5.000 Lehrkräfte wurden dafür ausgebildet. Studien aus dem Jahr 2011 zeigen: Schüler mit diesem Unterricht haben ein gesteigertes Wohlbefinden.

Doch Experten warnen vor finanziellen Engpässen. Auf einem Symposium in Berlin am 21. Mai äußerte Henner Braach, Vorstandsmitglied der SVLFG, Bedenken zum GKV-Stabilisierungsgesetz. Ein Kostendeckel könne wichtige Hilfsangebote gefährden. Sein Appell richtete sich an das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Alois Rainer.

Was die Gesundheitsroutine der Zukunft bringt

Die Integration mentaler Fitness in den Alltag wird zur festen Routine. Technologische Lösungen wie das Hautpflaster ermöglichen objektive Stressüberwachung. Spezialisierte Retreats und Bildungsangebote bieten Raum für Regeneration.

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Experten raten, bei ersten Anzeichen von Erschöpfung gegenzusteuern. Einfache Maßnahmen: 15 bis 30 Minuten Morgenlicht, regelmäßige Bewegung und konsequenter digitaler Detox vor dem Schlafengehen. Das verbessert die Schlafqualität und damit die psychische Belastbarkeit. Die Kombination aus Wissenschaft, Technologie und bewusster Lebensgestaltung wird in den kommenden Jahren entscheiden, wie die Gesellschaft der globalen Erschöpfung begegnet.

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