Enzymblockade, Knorpel

15-PGDH: Enzymblockade lÀsst Knorpel bei MÀusen wieder nachwachsen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Stanford-Team beobachtete nach Blockade von 15-PGDH Knorpelneubildung bei MĂ€usen und menschlichen Gewebeproben; klinische Knorpelstudien stehen noch aus.
Eine Nahaufnahme einer biologischen Gewebeprobe in einer Laborschale, die die Erforschung von Knorpelstrukturen symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Bislang existiert kein zugelassenes Medikament, das direkt an den biologischen Ursachen des fortschreitenden Knorpelverlusts ansetzt, wie Nidhi Bhutani festhÀlt. Nach Angaben der Deutschen Arthrose-Hilfe leiden in Deutschland rund 5 Millionen Menschen an Arthrose, wÀhrend weltweit fast 600 Millionen Betroffene verzeichnet werden.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen nun neue molekulare AnsÀtze auf: Ein Forschungsteam der Stanford-UniversitÀt um Helen Blau identifizierte das Enzym 15-PGDH als wesentlichen Steuerungsfaktor beim Knorpelabbau.

Rolle des Enzyms 15-PGDH im Gelenkknorpel

Das Enzym 15-PGDH baut das SignalmolekĂŒl PGE2 ab. In Untersuchungen des Stanford-Teams zeigte sich, dass der Gehalt an 15-PGDH im Knieknorpel alter MĂ€use etwa doppelt so hoch ausfĂ€llt wie bei jĂŒngeren Tieren.

Eine medikamentöse Blockade dieses Enzyms, verabreicht entweder systemisch oder ĂŒber Injektionen direkt in das Kniegelenk, fĂŒhrte bei gealterten Tieren zu einer Verdickung des zuvor ausgedĂŒnnten Knorpels. Dabei bildeten sich wieder normale Gewebestrukturen aus, und der hyaline Knorpel kehrte zurĂŒck.

Die behandelten MĂ€use zeigten ein gleichmĂ€ĂŸigeres Gangbild und belasteten das betroffene Bein stĂ€rker. Bei jungen MĂ€usen mit einem Verletzungsmodell, das einem Kreuzbandriss entspricht, verhinderte die Gabe des Hemmstoffs das Entstehen einer posttraumatischen Arthrose. Dies gilt als klinisch relevanter Faktor, da rund 50 Prozent der Betroffenen nach einer solchen Verletzung binnen 15 Jahren eine Arthrose ausbilden.

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Befunde an menschlichem Gewebe und Entwicklungsstand

ErgÀnzende Tests des Stanford-Teams an menschlichen Knorpelproben, die aus Knie-Totalendoprothesen-Operationen stammten, zeigten nach einer einwöchigen Behandlung die Neubildung von Knorpelgewebe.

Die Chondrozyten nahmen jugendlichere Eigenschaften an, wĂ€hrend Genmarker fĂŒr Gewebeabbau sanken – und dies ohne den Einsatz von Stammzellen. Zudem erwiesen sich die behandelten menschlichen Gewebeproben als mechanisch steifer und wiesen weniger EntzĂŒndungszeichen auf.

Helen Blau grĂŒndete 2017 ein Unternehmen, das 2021 von der in San Diego ansĂ€ssigen Epirium Bio ĂŒbernommen wurde. Laut PitchBook sammelte Epirium ĂŒber 90 Millionen US-Dollar ein und erreichte eine Bewertung von 135 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen bereitet eine Phase-2b-Studie mit einer tĂ€glichen Pille gegen Sarkopenie vor, deren Rekrutierung fĂŒr Anfang 2027 erwartet wird, und prĂŒft den Wirkstoff zugleich fĂŒr Indikationen wie Osteoporose und Arthrose.

Phase-1-Studien des Stanford-Teams mit einem 15-PGDH-Hemmer gegen MuskelschwĂ€che belegten bereits die Sicherheit bei gesunden Personen. Eine Knorpelstudie am Menschen steht jedoch noch aus; entsprechende klinische PrĂŒfungen sind derzeit offen.

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Parallele AnsÀtze im NITRO-Programm

Parallel dazu fördert das NITRO-Projekt des US-Gesundheitsministeriums alternative Wege zur Regeneration, da herkömmliche Knieprothesen aus Metall und Kunststoff typischerweise nur 15 bis 20 Jahre halten. Von ursprĂŒnglich fĂŒnf im Jahr 2024 gestarteten Teams verbleiben vier, die fĂŒr den Erhalt ihrer Förderung binnen zwei Jahren Phase-1-Studien am Menschen initiieren mĂŒssen. Ziel sind FDA-GesprĂ€che sowie Phase-1-PrĂŒfungen innerhalb von fĂŒnf Jahren.

Zu den NITRO-Projekten gehört ein Team der Columbia-UniversitÀt um Clark Hung und Nadeen Chahine, das einen dreidimensional gedruckten lebenden Knieersatz entwickelte. Dieser hielt im Kadaver-Knie Belastungen von hunderten Kilogramm stand; Tests an Patienten mit fortgeschrittener Arthrose sind in rund 18 Monaten geplant.

An der Washington-UniversitĂ€t untersuchen Farshid Guilak und Christine Pham genetisch programmierte Zellen, die ĂŒber Nanopartikel verabreicht werden. Ein Team der University of Colorado Boulder um Stephanie Bryant erprobt eine Ein-Jahres-Depot-Injektion mit flĂŒssigem Biomaterial, wĂ€hrend Benjamin Alman an der Duke University Wirkstoffkombinationen in NanotrĂ€gern erforscht.

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