Regenwald-Abholzung, Forest Declaration Assessment

Regenwald-Abholzung bleibt 2030-Ziel trotz Rückgang fern

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 02:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

2025 sank die weltweite Entwaldung um 15 Prozent auf sieben Millionen Hektar. Für den vereinbarten Stopp der großflächigen Waldzerstörung bis 2030 reicht das nach der Analyse dennoch nicht.

  • Für den Abbau von Gold – sowohl legal als auch illegal – wurden riesige Flächen im Amazonas-Regenwald abgeholzt.  - Bild: Larissa Schwedes/dpa
    Für den Abbau von Gold – sowohl legal als auch illegal – wurden riesige Flächen im Amazonas-Regenwald abgeholzt. - Bild: Larissa Schwedes/dpa
  • Am besten geschützt wird der Regenwald meist dort, wo indigene Gemeinschaften leben und dafür sorgen.  - Bild: Larissa Schwedes/dpa
    Am besten geschützt wird der Regenwald meist dort, wo indigene Gemeinschaften leben und dafür sorgen. - Bild: Larissa Schwedes/dpa
  • Weitere Gründe für die Rodung riesiger Flächen sind in Brasilien der Anbau von Soja sowie die Viehhaltung. - Bild: Larissa Schwedes/dpa
    Weitere Gründe für die Rodung riesiger Flächen sind in Brasilien der Anbau von Soja sowie die Viehhaltung. - Bild: Larissa Schwedes/dpa
Für den Abbau von Gold – sowohl legal als auch illegal – wurden riesige Flächen im Amazonas-Regenwald abgeholzt.  - Bild: Larissa Schwedes/dpa Am besten geschützt wird der Regenwald meist dort, wo indigene Gemeinschaften leben und dafür sorgen.  - Bild: Larissa Schwedes/dpa Weitere Gründe für die Rodung riesiger Flächen sind in Brasilien der Anbau von Soja sowie die Viehhaltung. - Bild: Larissa Schwedes/dpa

Waldverlust bleibt über dem Zielpfad

  • 2025 wurden weltweit sieben Millionen Hektar Wald abgeholzt.
  • Die Entwaldung lag damit 15 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.
  • Für den 2030-Pfad wären 2025 höchstens 4,2 Millionen Hektar vertretbar gewesen.

Eine Analyse der Beratungsagentur Climate Focus bewertet den weltweiten Rückgang der Entwaldung im Jahr 2025 als unzureichend für das Ziel, die großflächige Abholzung bis 2030 zu stoppen.

Rückgang reicht für Ziel nicht aus

Mehr als 100 Staaten hatten sich 2021 auf dem Weltklimagipfel in Glasgow verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu beenden. Für die Bestandsaufnahme „Forest Declaration Assessment“ wertete Climate Focus Daten und Informationen von mehr als zwei Dutzend zivilgesellschaftlichen und Forschungsorganisationen aus.

Als Vergleichswert dienen die Jahre 2018 bis 2020, in denen im Schnitt 8,3 Millionen Hektar Wald pro Jahr verloren gingen. Zwischen 2021 und 2024 ging die Entwaldung nach Angaben des Berichts kaum zurück. Um das Ziel zu erreichen, hätte sie ab diesem Zeitraum jedes Jahr um eine Million Hektar sinken müssen.

Afrika entwickelt sich besonders kritisch

Im tropischen Afrika wurden 2025 rund 2,4 Millionen Hektar Wald zerstört, davon 2,4 Millionen Hektar im Kongobecken. In den Tropen Lateinamerikas waren es 2,5 Millionen Hektar. Damit lagen beide Regionen erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen auf ähnlichem Niveau.

Während Brasilien die Entwaldung in der Region nach der Analyse um 33 Prozent verringerte, gab es im Kongobecken keine Anzeichen für eine entsprechende Abnahme. Als wichtige Ursachen nennt der Bericht die Ausweitung der Landwirtschaft, Holzgewinnung und Bergbau.

Brasiliens Politik kann Kurs beeinflussen

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva muss am 25. Oktober in einer Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro antreten. In der Amtszeit von dessen Vater Jair Bolsonaro war die jährlich abgeholzte Fläche deutlich gestiegen; unter Lula setzte eine Kehrtwende ein.

Nach Daten des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung Inpe war die Abholzung im Amazonasgebiet zuletzt so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Lula warb außerdem für den Tropenwaldfonds Tropical Forest Forever Facility, der Länder für den Erhalt ihrer Wälder belohnen und Rodungen sanktionieren soll. Deutschland sagte dafür über zehn Jahre eine Milliarde Euro zu.

Klimaschutz hängt von Waldschutz ab

Wälder nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf. Der Klimaforscher Johan Rockström warnte, der Amazonas-Regenwald könne sich bei zu hoher Belastung unumkehrbar in eine Savanne verwandeln.

Die Autoren des Waldberichts betonen, dass Fortschritte schnell wieder verloren gehen könnten. Verzerrte wirtschaftliche Anreize, schwaches Regierungshandeln und ein unzureichender Schutz indigener Völker und lokaler Gemeinschaften hielten den Druck auf die Wälder weltweit aufrecht.

Das Ziel rückt rechnerisch weiter weg

Die Auswertung beschreibt keinen einmaligen Ausschlag, sondern eine anhaltende Lücke zwischen politischem Versprechen und tatsächlichem Waldverlust. Für den 2030-Pfad müsste die jährliche Entwaldung deutlich schneller sinken, als es seit 2021 der Fall war. Der Rückgang im Jahr 2025 verbessert die Bilanz, schließt diese Lücke aber nicht.

Brasilien bleibt entscheidender Faktor

Die Entwicklung im Amazonasgebiet zeigt, dass staatliche Maßnahmen die Entwaldung innerhalb weniger Jahre beeinflussen können. Zugleich macht die politische Unsicherheit in Brasilien den Fortschritt anfällig: Ein Kurswechsel bei Schutzgebieten, Kontrollen oder internationalen Fonds könnte die bisherige Entwicklung verändern. Für den globalen Waldschutz ist Brasilien deshalb nicht nur wegen seiner Fläche, sondern auch wegen seiner politischen Signalwirkung zentral.

Folgen reichen über den Wald hinaus

Wälder speichern Kohlenstoff, beeinflussen Niederschläge und stabilisieren regionale Ökosysteme. Geht dieser Schutz durch Rodung und Degradierung verloren, steigen Klimarisiken für Landwirtschaft, Wasserhaushalte und lokale Bevölkerung. Besonders kritisch ist die Lage im Kongobecken, weil dort Landwirtschaft, Holzgewinnung und Bergbau den Druck erhöhen. Der Bericht verweist damit auf ein strukturelles Problem: Waldschutz hängt nicht allein von Schutzgebieten ab, sondern auch von wirtschaftlichen Anreizen, Regierungsführung und den Rechten indigener Gemeinschaften.

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