23andMe zahlt 16,5 Millionen: Datenleck bei 7 Millionen Kunden
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 05:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein beispielloser Datenskandal erschüttert die Gen-Test-Branche: Der Anbieter 23andMe hat sich mit 43 US-Bundesstaaten auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen zahlt umgerechnet rund 16,5 Millionen Euro, nachdem im Oktober 2023 die sensiblen Gen-Daten von knapp sieben Millionen Kunden gestohlen und im Darknet verkauft wurden.
Milliarden-Vergleich oder Tropfen auf den heißen Stein?
New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James und 42 weitere Amtskollegen hatten die Sicherheitslücken bei 23andMe untersucht. Ursprünglich forderten die Staaten umgerechnet rund 138 Millionen Euro Schadensersatz. Doch die finale Zahlung fiel deutlich geringer aus – das Unternehmen hatte im März 2025 Insolvenz angemeldet.
Die finanziellen Mittel sind begrenzt. New York erhält rund 650.000 Euro, Idaho etwa 185.000 Euro. Parallel dazu läuft ein separates Verfahren: Ein Vergleich über 43 Millionen Euro mit betroffenen Kunden läuft bereits – die Frist zur Antragstellung endete Anfang 2026.
Neue Sicherheitsauflagen für Gen-Daten
Der Vergleich zwingt 23andMe zu umfassenden Sicherheitsmaßnahmen. Die sensiblen Kundendaten wurden an TTAM Research verkauft, das heute als 23andMe Research Institute firmiert. Besonders brisant: Die Täter hatten gezielt Daten von Menschen mit bestimmten ethnischen Hintergründen gestohlen und veröffentlicht.
Auch europäische Behörden greifen durch. Die spanische Datenschutzbehörde AEPD verhängte eine Geldstrafe von 2,4 Millionen Euro. Die Begründung: 23andMe hatte keine Zwei-Faktor-Authentifizierung und kein Raten-Limit implementiert. Zudem dauerte es zwölf Tage, bis die spanischen Behörden informiert wurden.
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EY vor Gericht: Steuerdaten von Kunden kompromittiert
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sieht sich einer neuen Sammelklage ausgesetzt. Der Kläger Markishi Wyatt reichte die Klage am 21. Juli 2026 ein. Ein Datenleck zwischen Ende März und Mitte April 2026 soll sensible Steuer- und Finanzinformationen von Kunden über eine IT-Support-Plattform offengelegt haben. EY bietet betroffenen Kunden nun 24 Monate Identitätsschutz an.
Finanzsektor unter Beschuss
Die Welle von Klagen und Strafen erfasst zunehmend den Finanzsektor:
- TruStage: Die Bessemer System Federal Credit Union reichte am 17. Juli 2026 Klage ein. Ein am 11. Juli entdeckter Cyberangriff legte das Netzwerk lahm – Kunden konnten tagelang nicht auf ihre 401(k)-Altersvorsorgekonten zugreifen.
- CDSL: Die indische Börsenaufsicht SEBI verhängte eine Strafe von umgerechnet rund 110.000 Euro gegen die Central Depository Services. Ein Malware-Angriff im November 2022 blieb ein Jahr lang unentdeckt. Die Ermittler kritisierten schwache Passwortrichtlinien und fehlende Sicherheitsüberwachung.
- NJ Lenders Corp: Das Unternehmen einigte sich auf eine Vergleichssumme von maximal 92.000 Euro. Ein Cyberangriff im August 2025 hatte rund 30.000 Menschen betroffen.
Gesundheitssektor: Millionen-Vergleiche nach Ransomware-Attacken
Mehrere Gesundheitsdienstleister haben langjährige Rechtsstreitigkeiten beigelegt:
- ApolloMD: Der Anbieter zahlt 3,7 Millionen Euro nach einem Ransomware-Angriff im Mai 2025. Über 620.000 Menschen waren betroffen. Betroffene können bis zu 4.600 Euro Schadensersatz erhalten. Die abschließende Anhörung ist für den 5. Oktober 2026 angesetzt.
- Serviceaide: Ein Vergleich über 1,65 Millionen Euro wurde für einen Datenleck-Vorfall aus dem Jahr 2024 erzielt. Die finale Anhörung findet Mitte September 2026 statt.
- Vector Security: Das Unternehmen einigt sich in einer Sammelklage zu einem Vorfall im Dezember 2024. Über 30.000 Menschen waren betroffen. Ansprüche müssen bis zum 15. September 2026 angemeldet werden.
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Anthropic: 1,4 Milliarden für geklaute Bücher
In einem wegweisenden Urteil hat ein Bundesrichter einen Vergleich zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und einer Autorengruppe genehmigt. Es geht um 1,4 Milliarden Euro – der Vorwurf: Anthropic hatte gestohlene Bücher verwendet, um seinen Chatbot Claude zu trainieren.
Rund 91 Prozent der 482.000 betroffenen Werke führen nun zu Zahlungen von etwa 2.750 Euro pro Buch. Das Gericht verpflichtete Anthropic zudem, das gesamte gestohlene Trainingsmaterial zu vernichten. Ein Urteil mit Signalwirkung für die gesamte KI-Branche.
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