3D-Implantate: Individuelles Titan-Sprungbein ersetzt Standardprothese
09.06.2026 - 18:40:52 | boerse-global.de
Immer häufiger ersetzen maßgeschneiderte 3D-gedruckte Implantate Standardprothesen – mit beeindruckenden Ergebnissen.
Erster Eingriff seiner Art in München
Am 9. Juni führten Chirurgen in München-Harlaching eine Premiere durch: Sie implantierten ein individuell gefertigtes Titan-Sprungbein. Das „TiTalus“ genannte Ersatzteil ersetzte das zerstörte Sprungbein eines Motorradunfall-Opfers.
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Die rund einstündige Operation war erst der zweite Eingriff dieser Art in Deutschland. Die individuelle Anpassung soll die natürliche Gelenkbeweglichkeit wiederherstellen. Die Ärzte rechnen nach einer sechsmonatigen Genesung mit weitgehender Schmerzfreiheit.
Hightech aus Sardinien und Vietnam
Auch international setzt sich der Trend durch. Am 8. Juni erhielt ein 61-jähriger Patient auf Sardinien erstmals eine maßgefertigte 3D-Hüftprothese kombiniert mit einer Knochentransplantation. Grund war eine gelockerte Prothese und ein Pseudotumor. Nach der vierstündigen Operation konnte der Mann bereits nach zwei Tagen wieder gehen.
In Vietnam korrigierten Chirurgen mit 3D-Modellierung die Beinachse eines 15-Jährigen mit der seltenen Blount-Krankheit – einer Wachstumsstörung der Schienbeine, von der weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung betroffen ist. Der Patient kann nun wieder selbstständig gehen.
Antibiotika-Zement: Zehnmal längere Wirkung
Doch nicht nur die Implantate selbst entwickeln sich weiter. An der russischen RNIMU Pirogov testen Forscher seit Jahresbeginn einen antibakteriellen Knochenzement auf Nanocellulose-Basis. Das Besondere: Er setzt beigemischte Antibiotika bis zu zehnmal länger frei als herkömmliche Produkte. Bisher bleiben bis zu 90 Prozent der Wirkstoffe im Material eingeschlossen. Die Labortests sollen noch 2026 abgeschlossen werden.
Cannabis-Schmerzmittel kommt nach Deutschland
Parallel zu den chirurgischen Fortschritten gibt es auch bei der Schmerztherapie Neues. Für Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen wurde ein neuartiges Mittel auf Basis eines Cannabis-Sativa-Extrakts zugelassen. Grundlage waren Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten, die eine signifikante Schmerzreduktion belegten. Die Markteinführung ist für September 2026 in Deutschland und Österreich geplant.
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Vom OP-Saal in die Denkmalpflege
Die Technologie hinter den Implantaten reift längst über die Medizin hinaus. In Salzburg nutzen Forscher seit 2017 3D-Scanning und biobasierte Holzfaser-Filamente, um Fehlstellen in historischen Holzvertäfelungen zu schließen. Die ersten Gespräche dazu fanden Ende März 2025 statt. Der Technologietransfer zeigt: Was in der Chirurgie Leben rettet, bewahrt auch Kulturgüter.
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