Autohersteller, Schnelllade-Systeme

800-Volt-Plattformen: Autohersteller standardisieren Schnelllade-Systeme

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue 800-Volt-Plattformen, SiC-Bauteile und Megawatt-Lader prägen die nächste Elektroauto-Generation, während Audi den SSP-Start verschiebt.

800-Volt-Technik: E-Autohersteller treiben Schnellladen voran
Eine industrielle Hochspannungs-Umspannstation mit Transformatoren und Kabeltrassen bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Automobilhersteller forcieren Berichten von Branchenportalen zufolge die Standardisierung von 800-Volt-Siliziumkarbid-Hochvoltplattformen sowie Ultra-Schnellladesystemen, um die Betriebsanforderungen nächster Fahrzeuggenerationen zu bewältigen.

Die Umstellung zielt auf höhere Effizienz, reduzierte Ladezeiten und eine gesteigerte Leistungsdichte im Antriebsstrang ab. Dieser technologische Wandel erstreckt sich dabei von Halbleiterbauteilen über neue Fahrzeugarchitekturen bis hin zur Ladeinfrastruktur für den Schwerlastverkehr.

Halbleiterhersteller treiben Integration voran

Für die Antriebssysteme künftiger Elektrofahrzeuge spielen Siliziumkarbid-Komponenten eine zentrale Rolle. Wie Marklines berichtete, hat ROHM am 17. September 2026 SiC-MOSFETs für den Elektroantrieb der BMW-Plattform Neue Klasse übernommen. Die Bauteile sollen in Gen-6-Elektrofahrzeugen von BMW integriert werden, um deren Effizienz und Leistung zu steigern.

Parallel dazu stellte onsemi laut einem Bericht vom 18. September 2026 seine Embedded Power Platform (EPP) vor. Bei dieser Wafer-Level-Leistungsarchitektur dient der Silizium-Wafer direkt als Gehäuse.

Das Unternehmen plant ein Sampling mit strategischen Kunden in der Automobil- und KI-Branche für 2026, wobei Subaru als Partner im Rahmen eines frühen Engagements genannt wird. Den Angaben von onsemi zufolge ermöglicht die EPP eine drei- bis fünfmal höhere Leistungsdichte sowie Entwicklungszyklen von bis zu vier Monaten.

In Traktionsinvertern von Elektrofahrzeugen sollen die Verluste um rund 15 Prozent sinken, während die Leistungsdichte dort vervierfacht wird. Solid-State-Schutzschalter fallen demnach um 50 Prozent kleiner aus und arbeiten um 20 Prozent kühler. Das Unternehmen beziffert den gesamten adressierbaren Markt bis 2030 auf 213 Milliarden US-Dollar.

Neue Pkw-Plattformen nutzen 800-Volt-Technik

Auch Fahrzeughersteller bringen neue Modelle mit 800-Volt-Systemen auf den Markt. Am 16. September 2026 startete ARCFOX den Alpha T7 in neun Modellvarianten als reines Batteriefahrzeug (BEV) sowie mit Reichweitenverlängerer (REEV) zu Preisen von 132.800 bis 168.800 Yuan nach Subventionen.

Innerhalb von 72 Stunden wurden mehr als 30.000 Vorbestellungen verzeichnet, davon 10.000 in den ersten zwei Stunden. Das 5.020 Millimeter lange Fahrzeug mit einem Radstand von 3.040 Millimetern nutzt CATL-Zellen und das System Qiankun ADS 5 Pro von Huawei.

Die BEV-Ausführung besitzt eine 84,8-Kilowattstunden-Batterie mit 800-Volt-Architektur, erzielt 650 beziehungsweise 715 Kilometer Reichweite nach CLTC und lässt sich in 15 Minuten von 30 auf 80 Prozent laden. Die REEV-Variante erreicht 320 Kilometer elektrische und 1.315 Kilometer Gesamtreichweite.

Leapmotor stellte am 16. September 2026 auf seinem Tech Day die LEAP 5.0 Architektur vor. Das Konzept weist laut Hersteller eine Raumnutzung von über 100 Prozent aus, vergrößert die Innenraumlänge um 19 Prozent, die vordere Beinbreite um 37,5 Prozent und die Kabinenhöhe um 63,7 Prozent.

Im Thermomanagement sank die Zahl der Teile von 69 auf 21, die Leitungen verkürzten sich von 6,2 auf 3,3 Meter. Neben einem 48-Volt-Bordnetz und weniger als 500 Metern Kabellänge umfasst die Architektur das LWM-Weltmodell mit 200, 640 oder 1.280 TOPS bei einer 90-prozentigen Code-Reduktion.

Ein MM-i-Hybrid leistet 206 Kilowatt bei einem Gewicht von 106 Kilogramm und einer Schaltzeit von 150 Millisekunden. Die Cell-to-Chassis-Integration CTC 3.0 bindet die 12-Volt-Batterie ein und spart über 2.000 Yuan pro Fahrzeug.

Am 18. September 2026 brachte Xpeng das Mittelklasse-SUV G9L ab 241.800 Yuan (34.100 US-Dollar), zeitweise ab 231.800 Yuan (32.700 US-Dollar), an den Start. Sowohl die reine Elektrovariante als auch die Ausführung mit Reichweitenverlängerer verfügen über 800-Volt-Schnellladung.

Die CLTC-Reichweite liegt bei 755 Kilometern für das BEV und 1.602 Kilometern beim EREV (davon 435 Kilometer elektrisch). Mittels 5C-Laden können 450 Kilometer Reichweite in neun Minuten nachgeladen werden. Das Modell wird in Guangzhou und bei Magna Steyr in Graz produziert; sein Debüt auf dem Pariser Autosalon ist für den 12. Oktober vorgesehen.

Im Luxussegment begann Bentley in Crewe mit der Fertigung des Torcal, fünf Tage vor dessen Weltpremiere am 23. September 2026 in London. Das erste Elektroauto der Marke baut auf der 800-Volt-PPE-Plattform des Volkswagen-Konzerns auf. Angestrebt werden rund 390 Kilowatt Ladeleistung, um in etwa sieben Minuten Strom für 100 Meilen nachzuladen.

Die Batterie soll eine Kapazität von etwa 113 Kilowattstunden besitzen, die Motorleistung über 838 PS liegen und die Beschleunigung von null auf 60 Meilen pro Stunde unter drei Sekunden betragen. Die Reichweite wird mit über 300 Meilen nach WLTP veranschlagt, der Preis auf etwa 170.000 Pfund geschätzt. Der US-Marktstart ist für 2028 geplant.

Dagegen verzögert sich der Produktionsstart des Audi A4 E-Tron: Wie am 18. September 2026 bekannt wurde, beginnt die Fertigung frühestens im März 2029, womöglich erst im April oder Mai 2029, nachdem zuvor Mitte 2028 avisiert war. Grund ist die Umstellung der SSP-Plattform von 12 Volt auf 48 Volt.

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Die im Juli 2021 angekündigte SSP-Plattform, ursprünglich für 2026 vorgesehen, verzeichnet damit rund drei Jahre Verzug. Die Modellvarianten wurden von acht auf vier reduziert. Bei Volkswagen könnten sich Modelle wie der E-Golf und der T-Roc auf 2030 verschieben; die Partnerschaft mit Rivian greift erst gegen Ende des Jahrzehnts.

Schwerlastsektor setzt auf Megawatt-Laden

Im Segment der schweren Nutzfahrzeuge schreitet die Hochvolt-Ladeinfrastruktur ebenfalls voran. Tesla betreibt nach Berichten vom 18. September 2026 öffentliche Megacharger an drei von vier neuen Depots des Anbieters Forum Mobility in Kalifornien: Francis in Ontario sowie Adeline und Coliseum in Oakland.

Ein vierter Standort in Rancho Dominguez ist für mehr als 330 Tesla Semi reserviert. Die Ladeleistung beläuft sich auf über 30 Megawatt; das Megawatt-Ladesystem (MCS) lädt rund 60 Prozent Reichweite in 30 Minuten nach. Forum Mobility plant weitere 30 Megawatt Ladeleistung für Schwerlastfahrzeuge.

Auf der Messe IAA Transportation 2026 in Hannover kündigte Dan Priestley von Tesla Pläne für Europa an: Demonstrationsfahrten sollen im ersten Halbjahr 2027 beginnen, Kundenlieferungen bis Ende 2027 folgen. Die ersten Einheiten für Europa stammen aus dem Werk in Nevada.

Der Semi für den europäischen Markt soll 550 Kilometer Nutzreichweite bei einem Verbrauch von einer Kilowattstunde pro Kilometer und 40 Tonnen Gesamtgewicht bieten. Die Ladeleistung erreicht 800 Kilowatt, womit über 60 Prozent der Reichweite in 30 Minuten nachgeladen werden können.

Für 2027 plant Tesla den Europa-Rollout von mehr als 100 Megacharger-Ladeplätzen mit je 1,2 Megawatt Leistung; ein Basecharger mit 120 Kilowatt soll für 17.000 Euro angeboten werden. Die Semi-Flotte hat bislang über 28 Millionen Kilometer zurückgelegt und weist eine Betriebszeit von 98 Prozent auf.

In Deutschland gewannen STRABAG, eLoaded und R:loaded das Los 4 des Programms der Autobahn GmbH. Geplant sind 140 Schnellladepunkte an 25 Autobahnraststätten in Süd- und Westdeutschland mit einer Fertigstellung bis 2030. R:loaded übernimmt den Betrieb bis Mitte 2034. Die Spitzenleistung soll über MCS bis zu 2.500 Kilowatt betragen. Das Gesamtprogramm umfasst 863 Ladepunkte an 124 Standorten.

Vector präsentierte auf der IAA Transportation den Ladekommunikations-Controller vSECC.InPlug, der direkt im Gleichstromstecker sitzt und im Smart Charging Connector von LAPP integriert ist.

Die Lösung erlaubt Kabellängen von bis zu 100 Metern zwischen Fahrzeug und Ladestation statt bisher rund 7,5 Metern und unterstützt Standards wie IEC 61851, DIN SPEC 70121 sowie ISO 15118-2 und -20. Zudem stellte das Unternehmen das Depot-Managementsystem vCharM.DMS vor.

Netze und Rechenzentren im Wandel

Die 800-Volt-Technik gewinnt auch außerhalb des Fahrzeugs an Bedeutung. Siemens und Khazna Data Centres unterzeichneten am 15. September 2026 beim UAE-Germany Business Forum in München eine Absichtserklärung über KI-Infrastruktur, 800-Volt-Gleichstromverteilung (800 VDC), digitale Zwillinge und Technologietests.

Angaben zu Standort, Kapazität, Auftragswert oder Zeitplan wurden nicht gemacht; Siemens übernimmt Praktika in Deutschland für emiratische Ingenieure. Zudem entwickelt Siemens gemeinsam mit Reinhausen Festkörpertransformatoren mit einer Eingangsspannung von bis zu 36 Kilovolt und einem 800-VDC-Ausgang.

Im Bereich der Leistungselektronik kündigte Flex am 18. September 2026 die Übernahme von EPC Power für 4,4 Milliarden US-Dollar an, finanziert über Fremd- und Eigenkapital. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Im ersten Quartal 2027 plant Flex die Ausgliederung seiner Cloud-and-Power-Sparte als eigenständiges Börsenunternehmen.

EPC Power prognostiziert für 2026 einen Umsatz von rund 800 Millionen US-Dollar, ein organisches Wachstum von etwa 40 Prozent für 2027 und eine EBITDA-Marge von rund 30 Prozent. Die Produktionsstätte in Fountain Inn (South Carolina) umfasst 167.000 Quadratfuß bei einer Kapazität von 27 Gigawatt, die auf 40 Gigawatt skaliert werden soll.

In China zeigt der Markt derweil eine anhaltende Dynamik: Am 7. August 2026 nahm NIO seine 4.000. Batteriewechselstation in Quanzhou in Betrieb, nachdem das System 120 Millionen Wechsel und 6,35 Milliarden Kilowattstunden verzeichnet hatte.

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Von Januar bis August 2026 lieferte NIO 262.893 Fahrzeuge aus, ein Zuwachs von 57,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; der Halbjahresumsatz kletterte um 85,8 Prozent auf 57,67 Milliarden Yuan.

Nach Daten des Branchenverbands CPCA vom August 2026 erreichte die Marktdurchdringung von Fahrzeugen mit neuen Antrieben (NEV) 65,2 Prozent, während reine Elektroautos auf 45,3 Prozent kamen und als einziges Segment im Vorjahresvergleich zulegten. Der Absatz reiner Verbrenner brach im selben Zeitraum um 45 Prozent ein.

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de | wissenschaft | 70135366 |