Klimapläne, Folgen

Ab 2027: Klimapläne sollen Folgen für die psychische Gesundheit erfassen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Kommission empfiehlt, Klimaschutz und Stadtplanung stärker an psychischen Gesundheitsfolgen auszurichten und globale Forschungsstrukturen auszubauen.

Earth Brain Health Commission fordert psychische Gesundheit in der Umweltpolitik
Eine von Hitzewellen und städtischer Verdichtung geprägte, sommerliche urbane Umgebung bei starkem Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Weltweite Umweltveränderungen, Extremwetter und urbane Belastungen wirken sich nicht nur auf die physische Unversehrtheit aus, sondern beeinflussen auch das menschliche Gehirn und das psychische Wohlbefinden.

In einem Bericht vom 12. Oktober 2026 fordert die internationale Earth Brain Health Commission in der Fachzeitschrift Nature Mental Health eine grundlegende Neuausrichtung der Umwelt- und Klimapolitik.

Die aus über 20 Fachleuten bestehende Kommission stellte ihre Ergebnisse auf dem ECNP-Kongress in München vor. Das zentrale Ziel der Initiative lautet, dass in zehn Jahren keine größeren umwelt- oder stadtpolitischen Maßnahmen mehr ohne eine vorherige Prüfung ihrer Folgen für die psychische Gesundheit umgesetzt werden dürfen.

Risikofaktoren von Hitze bis Luftverschmutzung

Die Kommission unter dem Vorsitz von Prof. Gunter Schumann von der Fudan-Universität Shanghai und der Charité Berlin legt dar, dass Umweltfaktoren erhebliche Risiken für die Gehirngesundheit bergen.

Neben Klima- und Wetterextremen wie Hitzewellen stehen Luft- und Lärmbelastung, städtische Stressfaktoren, der Verlust von Biodiversität sowie soziale Ungleichheit mit einem erhöhten Risiko für Depressionen, Angststörungen, trauma-bezogene Erkrankungen und kognitiven Abbau in Verbindung. Als besonders gefährdet gelten Kinder, ältere Menschen und sozial benachteiligte Gruppen.

An der Veröffentlichung waren unter anderem Prof. Andreas Meyer-Lindenberg und Dr. Sebastian Karl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI Mannheim), Prof. Jürg Luterbacher von der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. André Marquand vom Radboudumc, Cornelius Gross vom EMBL Rome und Prof. Xanthe Hunt vom AHRI beteiligt.

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Meyer-Lindenberg betonte in diesem Zusammenhang, dass sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung durch Hitzewellen deutlich verschlechtere. Die Haupthindernisse für konkrete Schutzmaßnahmen seien dabei organisatorischer und finanzieller Natur und lägen nicht an fehlenden wissenschaftlichen Belegen. Zudem bestehe eine geografische Wissenslücke, weil ein Großteil der vorliegenden Daten aus Hocheinkommensländern stammt.

Eine Zehn-Jahres-Agenda für Stadtplanung und Klimaschutz

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, formulierte die Kommission eine Agenda mit acht Selbstverpflichtungen und Empfehlungen. Ab dem Jahr 2027 sollen Indikatoren für psychische Gesundheit systematisch in Klimapläne, Umweltverträglichkeitsprüfungen und die Stadtpolitik integriert werden.

Bereits bestehende Frühwarnsysteme für Hitze und Luftqualität sollen künftig direkt mit Angeboten zum Schutz der psychischen Gesundheit und psychosozialer Unterstützung verknüpft werden.

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Auch städtebauliche Maßnahmen müssen sich den Empfehlungen zufolge wandeln. So solle Stadtbegrünung künftig nicht nur nach ökologischen Parametern, sondern auch nach kriterien wie der Reduktion von Einsamkeit und der Stärkung sozialer Zugehörigkeit bewertet werden. Als praktisches Beispiel für solche Gesundheitsfolgenabschätzungen führt die Kommission den Green-Axis-Plan in Barcelona an.

Sofern Prognosen zu Gesundheitsrisiken auf Künstlicher Intelligenz basieren, fordern die Fachleute vorab öffentliche Prüfungen bezüglich Fairness und Validierung. Auf volkswirtschaftlicher Ebene wird angestrebt, dass innerhalb von fünf Jahren mindestens fünf Staaten neben dem Bruttoinlandsprodukt eine Bilanzierung für Wohlbefinden und planetare Gesundheit einführen.

Finanzierung und weltweite Dateninfrastruktur

Für die Umsetzung der wissenschaftlichen Vorhaben setzt die Kommission auf bestehende großangelegte Dateninfrastrukturen, darunter die UK Biobank, die ABCD Study, die German National Cohort sowie c-VEDA und CHIMGEN. Bis zum Jahr 2028 sollen zudem ein eigener globaler Forschungsfonds und ein Observatorium für Umweltneurowissenschaften betriebsbereit sein.

Um der Schieflage bei den verfügbaren Daten entgegenzuwirken, empfiehlt die Kommission, dass mindestens 30 Prozent des empfohlenen Forschungsbudgets an Partnereinrichtungen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fließen. Die zugrundeliegende Arbeit der Kommission wurde unter anderem über das Horizon-Europe-Projekt environMENTAL, die britische Förderorganisation UKRI sowie das chinesische Wissenschaftsministerium MOST gefördert.

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