ABB Robotics: AI Robot Trainer soll Inbetriebnahmeaufwand um 75 Prozent senken
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Distributionslogistik der Textilbranche gewinnen lernfähige Robotersysteme zunehmend an Bedeutung. Das Schweizer Unternehmen ABB Robotics integrierte dazu den sogenannten AI Robot Trainer in sein bestehendes Fashion-Inductor-Modul.
Der Hersteller aus Zürich stuft diese Lösung als sein erstes durchgängig bildbasiertes Physical-AI-Produkt ein. Die Neuerung zielt darauf ab, manuelle Programmieraufwände bei der Handhabung anspruchsvoller, verformbarer Textilien deutlich zu reduzieren und automatisierte Sortierprozesse in Distributionszentren flexibler aufzustellen.
Technische Architektur und versprochene Leistungsdaten
Das System stützt sich auf neu vortrainierte Fashion-Vision-Modelle, die um Mechanismen für ein schnelles Nachtraining ergänzt wurden. Ein digitaler Zwilling verknüpft dabei die anwendungsspezifische Steuerungsplattform mit einer automatischen Bahnplanung, dem AI Robot Trainer sowie der Simulationssoftware RobotStudio. Als Steuerungseinheit dient der OmniCore-Controller des Herstellers.
Hinsichtlich der Prozessleistung nennt ABB Robotics eine Durchsatzrate von bis zu 1.300 Kleidungsstücken pro Stunde und Zelle bei einem angestrebten Zielwert für die Greifgenauigkeit von über 99,5 Prozent. Durch den Zusatz des KI-Trainers soll der Aufwand für Systemintegratoren bei der technischen Projektierung und Inbetriebnahme um bis zu 75 Prozent sinken.
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ABB formuliert diesen Wert als Maximalgrenze, ohne durchschnittliche Werte, die zugrundeliegende Berechnungsmethode oder eine Vergleichsbasis offenzulegen. Konkrete Angaben zu Kunden, Preisen oder der Zahl bislang installierter Zellen machte der Konzern, der rund 7.000 Mitarbeiter beschäftigt, ebenfalls nicht.
Der zugrundeliegende Ansatz des schnellen Nachtrainings soll unter der Bezeichnung „Autonomous Versatile Robotics“ bis zum ersten Quartal 2027 auf weitere firmeneigene Bildverarbeitungsanwendungen ausgeweitet werden.
Umfeld und Dynamik im Markt für Logistikautomatisierung
Die Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund anstehender organisatorischer Veränderungen: Für die Robotiksparte von ABB wurde im Oktober 2025 ein Verkauf an den japanischen Technologiekonzern SoftBank für 5,375 Milliarden US-Dollar vereinbart, dessen Vollzug für das zweite Halbjahr 2026 erwartet wird.
Zugleich verzeichnet das Segment der intralogistischen KI-Robotik erhebliche Investitionen und Anwendungsfälle. Bereits im März 2023 sammelte der Anbieter Plus One Robotics 50 Millionen US-Dollar ein, gefolgt von Pickle Robot mit ebenfalls 50 Millionen US-Dollar im November 2024 sowie Nomagic mit einer Series-B-Finanzierung über 44 Millionen US-Dollar im Februar 2025.
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Praktische Implementierungen zeigen sich branchenweit: So führten Zalando und CEVA Logistics KI-Roboter von Sereact in europäischen Lagern in Greven sowie im polnischen ?wiebodzin ein, um Retouren im Rahmen eines Servicemodells ohne vorheriges SKU-spezifisches Training zu bearbeiten.
Auch die S.Oliver Group setzt an ihrem Logistikstandort Dettelbach auf Automatisierung durch Nomagics sogenanntes Shoebox-Picker-System, um unter anderem Schuhkartons flexibel zu handhaben und manuelle Arbeitsschritte zu verringern.
Wissenschaftliche Analysen, unter anderem aus dem ABB Forschungszentrum in Mannheim, verweisen auf zentrale Hürden bei Physical AI, wie etwa die Diskrepanz zwischen digitaler Simulation und physischer Realität sowie notwendige Sicherheitsgrenzen. Entsprechende Systeme ersetzen die klassische industrielle Automatisierung daher nicht, sondern fungieren als adaptive Ergänzung deterministischer Steuerungen.
