Abnehmmedikamente: Neuer Antikörper schützt Muskeln um 55%
12.06.2026 - 01:30:37 | boerse-global.de
Geschlechtsspezifische Unterschiede, genetische Faktoren und neue Medikamente rücken dabei in den Fokus.
Warum Abnehmen bei Frauen oft schwerer fällt
Ein komplexes Hormonsystem steuert unser Gewicht. Ghrelin regt den Hunger an, Leptin signalisiert Sättigung. Hinzu kommen Insulin, Cortisol und Östrogen – und genau hier liegen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Frauen haben es beim Abnehmen oft schwerer als Männer. Der Grund: Ihre durchschnittliche Muskelmasse liegt bei 31 Prozent, bei Männern sind es rund 38 Prozent. Zudem begünstigt Östrogen die Fetteinlagerung an Hüften und Gesäß. Auch das Darm-Mikrobiom spielt eine Rolle – das Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes-Bakterien beeinflusst die Kalorienaufnahme. Ernährungsexperten empfehlen daher mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich und fermentierte Lebensmittel.
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Die Herausforderungen ab 40
Ab dem 40. Lebensjahr und besonders in den Wechseljahren verändert sich der Stoffwechsel grundlegend. Der Grundumsatz sinkt bei Frauen oft auf etwa 1200 Kilokalorien pro Tag. Die abnehmende Östrogenproduktion und ein relativer Testosteron-Anstieg fördern bauchbetonte Fetteinlagerungen.
Eine US-Studie vom Mai 2026 empfiehlt die Planetary Health Diet und eine insulinarme Ernährung. Parallel dazu gibt es eine wichtige Neuerung in der Medizin: Das bisher als Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannte Krankheitsbild heißt jetzt Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS). Der neue Name betont die Ganzkörper-Betroffenheit – bis zu zehn Prozent der Frauen sind davon betroffen, mit Symptomen wie Zyklusstörungen, Gewichtszunahme und erhöhten Blutzuckerwerten.
Wenn die Abnehmspritze nicht wirkt
Nicht jeder spricht auf GLP-1-Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid an. Forscher der Stanford University identifizierten genetische Varianten des Enzyms PAM, die die Wirkung abschwächen können. Etwa zehn Prozent der Menschen tragen diese Varianten und erreichen Blutzuckerziele deutlich seltener.
Die NYU zeigt zudem: Im klinischen Alltag sprechen 10 bis 30 Prozent der Patienten nicht wie erwartet an. In einer großen Beobachtungsstudie mit über 38.000 Patienten lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 5,7 Prozent. Rund 17 Prozent brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen vorzeitig ab.
Muskelerhalt: Der neue Fokus
Ein kritischer Punkt bei Abnehmspritzen ist der gleichzeitige Muskelverlust. Die EMBRAZE-Studie, veröffentlicht im Juni 2026 in Nature Medicine, zeigt einen neuen Ansatz: Der monoklonale Antikörper Apitegromab blockiert das Protein Myostatin. In einer Phase-II-Studie mit 102 Teilnehmern reduzierte er den Verlust an fettfreier Körpermasse um 55 Prozent. Während die Kontrollgruppe unter Tirzepatid 3,5 Kilogramm Magermasse verlor, waren es in der Apitegromab-Gruppe nur 1,6 Kilogramm.
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Auf Fachkongressen im Juni 2026 wurden weitere Wirkstoffe präsentiert:
- Retatrutid: Vielversprechende frühe Daten zum Gewichtsverlust
- Survodutid: Senkte den Leberfettgehalt um bis zu 63,1 Prozent – allerdings brachen 19 Prozent wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen ab
- Enicepatid und Petrelintid: Roche-Präparate mit geplanten Phase-3-Studien im zweiten Halbjahr 2026
Überraschende Langzeiteffekte
Entgegen dem weit verbreiteten Jo-Jo-Effekt zeigt eine norwegische Studie: Schneller Gewichtsverlust zu Beginn kann langfristig erfolgreicher sein. Patienten mit initial unter 1.000 Kilokalorien pro Tag hielten nach zwölf Monaten einen Verlust von 14,4 Prozent – die Vergleichsgruppe lag bei 10,5 Prozent.
Noch spannender: Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten bei adipösen Erwachsenen mit einer 41 Prozent niedrigeren Inzidenz von adipositasbedingten Krebserkrankungen verbunden sein könnten. Besonders deutlich war der Rückgang bei Endometriumkrebs. Zudem berichten Mediziner über eine indirekt erhöhte Fruchtbarkeit unter Semaglutid – die Stoffwechselverbesserung steigert die Empfängniswahrscheinlichkeit. Fachleute raten jedoch, das Medikament bei geplanten Schwangerschaften mindestens zwei Monate vorher abzusetzen.
