Abnehmpille, Tablette

Abnehmpille: Erste Tablette reduziert Gewicht um bis zu 17 Prozent

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU erlaubt erstmals eine tÀgliche Pille zur Gewichtsreduktion. Novo Nordisk startet im September in Deutschland, doch die Kassen zahlen nicht.

EU-Kommission gibt grĂŒnes Licht: Erste Abnehm-Tablette mit Semaglutid erhĂ€lt Zulassung
Eine einzelne pharmazeutische Tablette neben einem Glas Wasser auf einer hellen, klinisch sauberen OberflĂ€che. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die EuropÀische Kommission hat am 23. Juli 2026 die erste tÀgliche Tablette zur Gewichtsreduktion zugelassen. Das orale Semaglutid in 25-mg-Dosierung richtet sich an Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen. Damit erweitert sich das Spektrum der GLP-1-Rezeptoragonisten um eine Alternative zu den etablierten Spritzen.

Klinische Daten: Bis zu 17 Prozent Gewichtsverlust

Die Zulassung stĂŒtzt sich auf die Studienprogramme OASIS-1 und OASIS-4. In der OASIS-1-Studie verloren Probanden ĂŒber 68 Wochen durchschnittlich 15,1 Prozent ihres Gewichts, die Placebo-Gruppe nur 2,4 Prozent. Die OASIS-4-Studie erzielte bei korrekter Einnahme sogar 16,6 bis 17 Prozent. Ein Drittel der Teilnehmer erreichte mindestens 20 Prozent Gewichtsreduktion.

Die Tablette liegt in der Wirksamkeit geringfĂŒgig unter der wöchentlichen Injektion, punktet aber mit einfacherer Handhabung. Allerdings gilt: Einnahme nĂŒchtern mit etwas Wasser, danach mindestens 30 Minuten warten, bevor Nahrung oder andere Medikamente folgen. Das Sicherheitsprofil Ă€hnelt den injizierbaren Varianten – Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zĂ€hlen zu den hĂ€ufigsten Nebenwirkungen.

MilliardengeschÀft mit Abnehm-Medikamenten

Der Markt boomt: IQVIA prognostiziert fĂŒr 2026 ein weltweites Volumen von bis zu 92 Milliarden US-Dollar, nach 66 Milliarden im Vorjahr. Langfristig sind 105 bis 200 Milliarden möglich. Novo Nordisk meldete fĂŒr das erste Quartal einen Nettoumsatz von 96,8 Milliarden DĂ€nischen Kronen – ein Plus von 32 Prozent. Das Adipositas-Segment wuchs um 22 Prozent. In den USA, wo die Pille seit Januar erhĂ€ltlich ist, wurden ĂŒber zwei Millionen Rezepte ausgestellt.

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Doch der Wettbewerb schlĂ€ft nicht. Eli Lilly erhielt am 1. April die FDA-Zulassung fĂŒr das orale PrĂ€parat Foundayo (Orforglipron) und rechnet 2026 mit einem Umsatz von 80 bis 83 Milliarden US-Dollar. Der Konzern ĂŒbernahm zudem AtaiBeckley fĂŒr bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar.

Novo Nordisk musste derweil einen RĂŒckschlag verkraften: Ende Juli fielen die Aktien, nachdem die Zeus-Studie der Phase III den primĂ€ren Endpunkt zur Reduktion schwerwiegender kardiovaskulĂ€rer Ereignisse durch Ziltivekimab verfehlte.

Deutschland: Marktstart im September, Kassen zahlen nicht

Die Abnehmpille soll im September 2026 in Deutschland verfĂŒgbar sein. Doch die meisten Patienten mĂŒssen selbst zahlen. Ein Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 11. Mai bestĂ€tigte: Krankenkassen mĂŒssen nicht fĂŒr PrĂ€parate wie Tirzepatid aufkommen, selbst wenn hormonelle Störungen vorliegen. Rechtlich gelten sie als Lifestyle-Medikamente – Erstattung nur im Rahmen einer Diabetes-Behandlung.

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Fachleute mahnen zur Vorsicht

Prof. Joachim Spranger von der CharitĂ© weist auf fehlende Langzeiterfahrungen hin: Über mehrere Jahrzehnte Einnahmedauer lĂ€gen keine Daten vor. Zudem droht nach dem Absetzen ein Rebound-Effekt, wenn keine dauerhafte LebensstilĂ€nderung erfolgt. Forscher arbeiten bereits an Triple-Agonisten mit Gewichtsverlusten von bis zu 30 Prozent. Experten warnen zugleich vor Missbrauch durch Menschen ohne medizinische Indikation – das könnte die Versorgung behandlungsbedĂŒrftiger Patienten gefĂ€hrden.

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