Abnehmspritzen: Geruchsstörungen um 81% hÀufiger als gedacht
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 22:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Gleichzeitig warnen Forscher vor massiven MĂ€ngeln im Online-Vertrieb.
Geruchs- und Geschmacksstörungen hÀufiger als gedacht
Patienten, die GLP-1-Rezeptor-Agonisten einnehmen, haben ein deutlich höheres Risiko fĂŒr Geruchs- und Geschmacksstörungen. Das zeigt eine Studie im Fachblatt JAMA Otolaryngology vom 8. Juli 2026.
Die Forscher werteten rund 877.000 Patientendaten aus der TriNetX-Datenbank aus. Ergebnis: Das relative Risiko fĂŒr Geruchsstörungen stieg um 81 Prozent, fĂŒr Geschmacksstörungen um 52 Prozent. Die absolute HĂ€ufigkeit bleibt zwar niedrig â Geruchsstörungen traten bei 0,15 Prozent der Behandelten auf (Vergleichsgruppe: 0,07 Prozent), GeschmacksverĂ€nderungen bei 0,18 Prozent. Einen direkten kausalen Zusammenhang konnten die Autoren jedoch noch nicht belegen.
Gewichtsverlust ja â aber keine bessere LebensqualitĂ€t
Eine zweite Studie liefert ebenfalls ernĂŒchternde Erkenntnisse. Die Meta-Analyse im British Medical Journal (BMJ) vom 9. Juli wertete 262 klinische Studien mit rund 100.000 Teilnehmern aus. Sie bewertete 19 verschiedene Wirkstoffe.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Korrelation: Je stĂ€rker die Gewichtsabnahme, desto hĂ€ufiger die Nebenwirkungen. Tirzepatid und CagriSema erzielten einen Gewichtsverlust von rund 15 Prozent, fĂŒhrten aber auch zu den heftigsten Magen-Darm-Beschwerden wie Ăbelkeit und Erbrechen. Die Folge: mehr TherapieabbrĂŒche.
Semaglutid reduzierte das Körpergewicht um etwa zehn Prozent und senkte nachweislich die Sterblichkeit sowie kardiovaskulĂ€re Ereignisse. Doch ein zentrales Ergebnis der Studie ĂŒberrascht: Trotz des signifikanten Gewichtsverlusts maĂen die Forscher keine klinisch relevante Verbesserung der LebensqualitĂ€t. Zudem nahm die fettfreie Körpermasse ab.
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Der Markt bewegt sich weg von der Spritze
Die Industrie reagiert auf die PatientenwĂŒnsche. Eine YouGov-Umfrage vom Juli 2026 unter mehr als 2.000 Teilnehmern zeigt: 46,5 Prozent der Verbraucher bevorzugen eine Tablette gegenĂŒber einer Injektion. Bei Patienten mit einem BMI ĂŒber 30 lag die Zustimmung zur oralen Therapie sogar bei 51 Prozent.
Die Entwicklung lÀuft auf Hochtouren:
- Eine Wegovy-Tablette erhielt im Mai 2026 eine Zulassungsempfehlung des CHMP. Die EU-Zulassung wird fĂŒr Mitte August 2026 erwartet.
- Die EMA empfahl orales Semaglutid in Dosierungen von bis zu 50 mg tÀglich.
- Eli Lilly bringt im dritten Quartal 2026 einen neuen 7,2-mg-Einzeldosis-Pen auf den Markt.
- Novo Nordisk testet gemeinsam mit Partnern ein Semaglutid-Implantat (NPM-139), das den Wirkstoff ĂŒber sechs bis zwölf Monate freisetzen soll.
GefĂ€hrliche LĂŒcken im Online-Vertrieb
Doch nicht nur die Nebenwirkungen bereiten Sorgen. Eine Untersuchung in JAMA vom Juli 2026 deckt alarmierende Defizite im Online-Vertrieb auf. Von 49 untersuchten Websites, die GLP-1-Medikamente anboten, verschrieben fast 92 Prozent die Mittel ohne ein persönliches Video- oder TelefongesprÀch mit einem Arzt. Nur rund ein Viertel der Anbieter forderte ein Videotelefonat an.
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Hinzu kommt der Handel mit illegalen Nachahmungen. Berichten zufolge enthielten im Jahr 2025 etwa 80 Prozent der untersuchten Pakete aus inoffiziellen Quellen gefÀlschte Arzneimittel.
Experten warnen zudem vor einem erhöhten Dehydrationsrisiko â besonders bei extremer Hitze. Da die Medikamente den Appetit und das DurstgefĂŒhl mindern sowie Ăbelkeit verursachen können, sollten Patienten verstĂ€rkt auf eine ausreichende FlĂŒssigkeitszufuhr achten.
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