Abrechnungsbetrug, KKH

Abrechnungsbetrug: KKH meldet mehr als 8 Millionen Euro Schaden in zwei Jahren

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 16:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

FĂŒr 2024 und 2025 summierten sich die aufgedeckten BetrugsschĂ€den bei der KKH auf mehr als acht Millionen Euro.

KKH meldet ĂŒber 8 Millionen Euro Schaden durch Abrechnungsbetrug
Ein Stapel unbeschriebener, weißer Rezeptformulare auf einem hölzernen Apothekentresen. Illustration mit AI erstellt.

Die KKH KaufmĂ€nnische Krankenkasse verzeichnet eine erhebliche Zunahme bei den finanziellen SchĂ€den durch Abrechnungsbetrug. Wie aus Berichten von Ende September 2026 hervorgeht, belaufen sich die durch betrĂŒgerische AktivitĂ€ten verursachten SchĂ€den fĂŒr den Zeitraum 2024 bis 2025 bundesweit auf mehr als 8 Millionen Euro. Dies stellt den höchsten Zweijahresschaden seit Beginn der systematischen Erfassung durch die Kasse dar. Im Vergleich dazu lag der Schaden im vorangegangenen Zweijahreszeitraum bei rund 4,5 Millionen Euro.

Detaillierte Schadensbilanz nach Sektoren

Die Verteilung der Schadenssummen zeigt eine differenzierte Entwicklung innerhalb der letzten zwei Jahre. WĂ€hrend im Jahr 2024 ein Schaden von 5,4 Millionen Euro registriert wurde, belief sich die Summe fĂŒr das Jahr 2025 auf rund 2,6 Millionen Euro.

Innerhalb des Jahres 2025 entfiel mit 875.615 Euro der grĂ¶ĂŸte Teilbetrag auf den Arzneimittelsektor. In diesem Bereich wurden insbesondere FĂ€lle identifiziert, in denen Medikamente auf Papierrezepten nachtrĂ€glich ergĂ€nzt und abgerechnet wurden, ohne dass eine tatsĂ€chliche Abgabe an die Patienten erfolgte.

Weitere signifikante Schadenssummen im Jahr 2025 entfielen auf die ambulante und stationÀre Pflege mit 844.411 Euro sowie auf Transportunternehmen mit 381.272 Euro. Ermittler der Krankenkasse gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, da die gemeldeten Zahlen lediglich die aufgedeckten FÀlle widerspiegeln.

Ermittlungsergebnisse und Betrugsmethoden

Die KKH erhielt im Jahr 2025 insgesamt 605 neue Hinweise auf UnregelmĂ€ĂŸigkeiten. Ein Großteil dieser Meldungen, nĂ€mlich 395 FĂ€lle, stammte aus dem Pflegebereich. Aus dem Apothekenumfeld kamen 25 neue Hinweise hinzu. Infolge der Ermittlungen wurden 18 Strafanzeigen gestellt. Über die vergangenen zwei Jahre hinweg gelang es der Krankenkasse, Gutschriften und RĂŒckforderungen in Höhe von gut 1,3 Millionen Euro zu realisieren.

Die identifizierten Betrugsmaschen sind vielfÀltig. Neben der Abrechnung nicht erbrachter Leistungen werden hÀufig unqualifiziertes Personal oder fehlende Zulassungen verschleiert.

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Insbesondere im Pflegebereich, in dem laut Statistik rund 1,1 Millionen Menschen auf ambulante Dienste angewiesen sind, stellen solche Praktiken laut Experten nicht nur ein finanzielles Risiko dar, sondern können auch die Sicherheit der Patienten gefÀhrden.

Weitere beobachtete Methoden umfassen ĂŒberhöhte Abrechnungen, Doppelbuchungen sowie die Abrechnung von Leistungen fĂŒr bereits verstorbene Versicherte.

Gesellschaftliche Wahrnehmung und systemische Herausforderungen

Eine von Forsa im Auftrag der KKH durchgefĂŒhrte Umfrage im Juli unter 1.002 Personen verdeutlicht die Skepsis in der Bevölkerung. Demnach hielten 65 Prozent der Befragten zwischen 18 und 70 Jahren das Gesundheitswesen fĂŒr betrugsanfĂ€llig, 22 Prozent stuften es sogar als sehr anfĂ€llig ein. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer gaben an, Betrug bereits wahrgenommen zu haben oder Betroffene zu kennen.

Angesichts der gesamten Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die im Jahr 2025 bundesweit rund 410 Milliarden Euro betrugen, verdeutlichen auch Daten des GKV-Spitzenverbandes die Relevanz des Thema.

In den Jahren 2021 bis 2023 stiegen die SchÀden durch Betrug und Korruption im Gesundheitswesen demnach um rund 52 Prozent von 132 Millionen Euro auf mehr als 200 Millionen Euro.

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Strategische Forderungen und PrÀvention

Die KKH plĂ€diert fĂŒr die Schaffung politischer Rahmenbedingungen, die einen kassenĂŒbergreifenden Daten abgleich ermöglichen. Bisher werde kĂŒnstliche Intelligenz zur Aufdeckung von UnregelmĂ€ĂŸigkeiten lediglich intern eingesetzt. Um die PrĂ€vention zu stĂ€rken, veranstaltet die Kasse am 1. Oktober 2026 in Hannover ihre 11. Fachtagung zu diesem Themenkomplex.

VerbraucherschĂŒtzer raten Versicherten zudem zur aktiven PrĂŒfung. Es wird empfohlen, KostenvoranschlĂ€ge einzufordern, Leistungsnachweise und Rechnungen genau zu kontrollieren und keinesfalls Blanko-Unterschriften zu leisten. Bei Verdachtsmomenten sollten sich Betroffene direkt an ihre Pflegekasse wenden.

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