ACC/ AHA-Leitlinie: PREVENT-ASCVD ersetzt starre LDL-Zielwerte
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie kardiologischen Fachgesellschaften ACC und AHA haben in ihrer DyslipidĂ€mie-Leitlinie fĂŒr das Jahr 2026 eine grundlegende Neuausrichtung vorgenommen.
Anstelle der bisherigen Pooled Cohort Equations setzt das Regelwerk nun auf das Risikomodell PREVENT-ASCVD. Damit orientiert sich die klinische Beurteilung ab einem Alter von 30 Jahren an einer kombinierten Erfassung des 10- und des 30-Jahres-Risikos, anstatt therapeutische Entscheidungen rein an starren LDL-Zielwerten festzumachen.
Neuausrichtung auf das langfristige GefĂ€Ărisiko
Ausschlaggebend fĂŒr die methodische Umstellung ist der Umstand, dass mehr als die HĂ€lfte aller Erwachsenen mit einem rechnerisch niedrigen 10-Jahres-Risiko dennoch ein hohes Langzeitrisiko aufweist.
Um GefĂ€ĂschĂ€den frĂŒher zu verhindern, empfiehlt die Leitlinie von ACC und AHA fĂŒr jeden Menschen eine einmalige Messung des Lipoproteins(a) im Laufe des Lebens. Ein Lp(a)-Wert von 50 mg/dl, der bei rund 20 Prozent der Bevölkerung vorkommt, geht mit einem um etwa 40 Prozent erhöhten relativen Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Ereignisse einher.
Apolipoprotein B soll der Empfehlung zufolge selektiv bestimmt werden, wĂ€hrend der Kalzium-Score der Koronararterien (CAC-Score) als Entscheidungshilfe fĂŒr den gezielten Beginn einer Statin-Therapie herangezogen werden kann.
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Auch Kohortendaten wie die HELIUS-Untersuchung an 15.676 Erwachsenen in Amsterdam stĂŒtzen die Bedeutung erweiterter Parameter: Dort fĂŒhrte der Zusatz von Lp(a) und hochsensitivem C-reaktivem Protein (hsCRP) zu PREVENT-ASCVD zu einer Steigerung der VorhersagegĂŒte mit einem kontinuierlichen Netto-Reklassifizierungsindex (NRI) von 0,165.
FrĂŒhes Screening und familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie
Bereits im Kindes- und Jugendalter verankert die Leitlinie prĂ€ventive MaĂnahmen. Vorgeschlagen wird ein universelles Lipid-Screening fĂŒr Kinder im Alter von 9 bis 11 Jahren.
Bei erwachsenen Personen begrĂŒndet ein LDL-Cholesterinwert von mehr als 190 mg/dl grundsĂ€tzlich den Verdacht auf eine familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie. Die heterozygote Form dieser Erbkrankheit betrifft durchschnittlich eine von 250 bis 300 Personen. Allerdings weisen lediglich 2 bis 3 Prozent der Patienten mit einem LDL-Wert oberhalb von 190 mg/dl eine tatsĂ€chlich monogene Mutation auf.
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Evidenz zur Reduktion kardiovaskulÀrer Ereignisse
Die Notwendigkeit einer frĂŒhzeitigen Intervention wird durch wissenschaftliche Literaturdaten belegt. Eine Meta-Regression aus dem Jahr 2016 zeigt, dass das relative kardiovaskulĂ€re Risiko je Senkung des LDL-Cholesterins um 38,7 mg/dl auf 0,77 unter Statinen und auf 0,75 unter dem Einsatz von Nicht-Statinen zurĂŒckgeht.
ZusĂ€tzlich belegt eine dĂ€nische Untersuchung, dass dieselbe LDL-Reduktion um 38,7 mg/dl ĂŒber alle Altersgruppen hinweg zu 23 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen infolge von akutem Koronarsyndrom, nicht-hĂ€morrhagischem Schlaganfall oder Revaskularisationen fĂŒhrt.
