ACMI-Index, Daten

ACMI-Index: Daten von fast 750.000 Älteren helfen, Sturzrisiken zu erkennen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der mit Daten von fast 750.000 Menschen entwickelte Index erfasst Sturz- und Delirrisiken durch anticholinerge Arzneimittel.
Ein heller, leerer Krankenhausflur mit natĂŒrlichem Lichteinfall und poliertem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Britische Wissenschaftler haben ein neues Instrument entwickelt, um medikamentenbedingte Gefahren fĂŒr Ă€ltere Menschen frĂŒhzeitig sichtbar zu machen. Der Anticholinergic Medication Index (ACMI) soll medizinisches Personal dabei unterstĂŒtzen, bei Patienten ab 65 Jahren das Risiko fĂŒr StĂŒrze sowie DelirzustĂ€nde durch anticholinerge Medikamente rechtzeitig zu erkennen.

Entwickelt wurde das System von Forschern der University of Leeds, der University of Liverpool und des Bradford Institute for Health Research mit finanzieller Förderung durch Health Data Research UK.

Die wissenschaftlichen Grundlagen des ACMI sind im Fachjournal BMJ Medicine (2026) erschienen. Der Index wurde so konzipiert, dass er direkt in elektronische Patientenakten integriert werden kann.

Hohe Verbreitung anticholinerger Arzneimittel

Die Notwendigkeit einer prÀziseren Risikoerfassung ergibt sich aus dem breiten Einsatz entsprechender PrÀparate in der Àlteren Bevölkerung. Nach Angaben der Erstautorin Dr. Kate Best von der University of Leeds erhalten im Vereinigten Königreich jÀhrlich ca. 50% der Àlteren Erwachsenen mindestens ein Medikament mit anticholinerger Wirkung.

Diese Wirkstoffklasse wird bei einer Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden verordnet, birgt jedoch insbesondere im höheren Lebensalter spezifische Risiken. Neben allgemeinen kognitiven BeeintrĂ€chtigungen zĂ€hlen vor allem plötzliche VerwirrtheitszustĂ€nde und Gangunsicherheiten zu den bekannten Nebenwirkungen, die in schweren FĂ€llen zu gravierenden Sturzverletzungen fĂŒhren können.

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Entwicklung auf Basis von fast 750.000 Patientendaten

Um die Aussagekraft des neuen Instruments sicherzustellen, stĂŒtzten sich die Forscher auf umfangreiche DatensĂ€tze. Der Index wurde mit Daten von fast 750.000 Erwachsenen ĂŒber 65 Jahren entwickelt und getestet. Als primĂ€re Datengrundlage diente Connected West Yorkshire, wĂ€hrend die Validierung und ÜberprĂŒfung anhand der Wales SAIL-Databank erfolgte.

Durch diese breite Datenbasis kann der ACMI individuelle Risikoprofile prĂ€ziser abbilden als bisherige Bewertungsmethoden, da er die kumulative Wirkung mehrerer parallel eingenommener PrĂ€parate berĂŒcksichtigt.

Praktischer Einsatz in Praxen und Kliniken

Aktuell wird das System bereits in der Versorgungspraxis erprobt. In Hausarztpraxen in Bradford lĂ€uft ein Pilotprojekt, bei dem das System automatische Listen von Patienten ab 65 Jahren erstellt. Diese Auswertungen enthalten den jeweiligen ACMI-Score, die auslösenden Medikamente sowie eine Berechnung des 1-Jahres-Risikos fĂŒr StĂŒrze und Delir.

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Parallel dazu kommt die Technologie auch im stationĂ€ren Sektor zum Einsatz: Das Clinical Decision Support System ACMICS ist bereits in zwei NHS Trusts live geschaltet. GegenwĂ€rtig erfolgt die Pilotierung dort gezielt auf geriatrischen Stationen sowie auf orthopĂ€dischen Stationen fĂŒr Patienten mit HĂŒftfrakturen, um Mediziner bei Behandlungsentscheidungen direkt im Versorgungsalltag zu unterstĂŒtzen.

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