ADHS bei Kindern: 202.000 Neudiagnosen zeigen massiven Anstieg
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gesundheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland weist eine signifikante Zunahme bei Diagnosen von Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitÀtsstörungen (ADHS) auf.
Datenauswertungen der DAK-Gesundheit fĂŒr das Jahr 2024 belegen einen deutlichen Trend, der sowohl bundesweit als auch in regionalen Analysen sichtbar wird. Parallel dazu diskutieren Experten verstĂ€rkt ĂŒber die Ursachen sinkender Basiskompetenzen und die Auswirkungen externer Faktoren auf die KonzentrationsfĂ€higkeit im Schulalter.
Analyse der bundesweiten Entwicklung bei ADHS-Diagnosen
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland bei 202.000 Kindern und Jugendlichen Neudiagnosen im Bereich ADHS gestellt. Dies entspricht einem Anstieg von 16 % im Vergleich zum Vorjahr 2023. Besonders ausgeprÀgt zeigte sich die Entwicklung in der Altersgruppe der 10- bis 14-JÀhrigen, in der die Neudiagnosen um 22 % zunahmen.
Insgesamt befanden sich im Erfassungszeitraum 617.000 MinderjÀhrige aufgrund einer ADHS-Symptomatik in Behandlung, was einem Anteil von 5,2 % der 3- bis 17-JÀhrigen in Deutschland entspricht.
Die Daten der Krankenkasse machen zudem geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Diagnosestellung deutlich. WÀhrend die Neudiagnosen bei Jungen um 14 % stiegen, verzeichneten MÀdchen einen Zuwachs von 21 %. Trotz des stÀrkeren prozentualen Anstiegs bei den MÀdchen bleiben Jungen in absoluten Zahlen weiterhin hÀufiger von der Diagnose betroffen.
Regionale Trends am Beispiel Niedersachsen
Eine vertiefende Analyse fĂŒr das Bundesland Niedersachsen bestĂ€tigt den bundesweiten Trend. Dort stiegen die ADHS-Neudiagnosen im Jahr 2024 um 13 % auf insgesamt 21.700 FĂ€lle.
Die Inzidenz erhöhte sich damit auf 19 FÀlle pro 1.000 Kinder und Jugendliche, nachdem dieser Wert im Jahr 2020 noch bei 15,6 gelegen hatte. Insgesamt wurden in Niedersachsen 70.000 Personen in der Altersgruppe von 3 bis 17 Jahren mit ADHS versorgt, was einer Quote von 6,1 % entspricht.
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In der regionalen Auswertung zeigt sich, dass Jungen in Niedersachsen etwa doppelt so hÀufig betroffen sind wie MÀdchen. Bei den Neudiagnosen legten MÀdchen im Jahr 2024 um 15 % zu, wÀhrend bei den Jungen ein Plus von 12 % registriert wurde. Neben genetischen Faktoren thematisieren medizinische Berichte in diesem Zusammenhang auch die Vererbbarkeit der Störung sowie spezifische SymptomausprÀgungen.
Einflussfaktoren auf Konzentration und basale Fertigkeiten
Abseits klinischer Diagnosen beobachten LehrkrĂ€fte und PĂ€dagogen eine VerĂ€nderung der grundlegenden Fertigkeiten bei Schulkindern. Laut dem Experten Marcus Hasselhorn könne etwa ein Drittel der Grundschulkinder basale Anforderungen wie das FĂŒhren einer Schere, das Auswendiglernen von Liedern oder das Nachahmen von TiergerĂ€uschen nicht mehr sicher bewĂ€ltigen.
Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband bestĂ€tigte zudem eine Abnahme bei alltĂ€glichen Fertigkeiten wie dem Binden von SchnĂŒrsenkeln, dem eigenstĂ€ndigen Anziehen oder dem Naseputzen.
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Als eine wesentliche Ursache fĂŒr diese Entwicklung nannte der MedienpĂ€dagoge Rudolf Kammerl von der UniversitĂ€t Erlangen eine ĂŒbermĂ€Ăige Bildschirmzeit. ErgĂ€nzend zu medialen EinflĂŒssen können auch physische Faktoren die Konzentration beeintrĂ€chtigen.
Die ALK-AbellĂł Arzneimittel GmbH wies darauf hin, dass Allergien bei SchĂŒlern hĂ€ufig zu MĂŒdigkeit und Konzentrationsproblemen fĂŒhren. Eine Langzeitstudie mit 11.000 Kindern ĂŒber einen Zeitraum von neun Jahren belege in diesem Kontext die Wirksamkeit einer Hyposensibilisierung (AIT) als ursĂ€chliche Behandlungsmethode.
Konzepte zur Förderung der Konzentration im Bildungssektor
Um den Herausforderungen in den Schulen zu begegnen, rĂŒcken moderne Raumkonzepte in den Fokus der Planung. Das sogenannte Churermodell setzt auf offene Lernlandschaften, eine klare Zonierung der RĂ€ume und eine freie Wahl des Arbeitsplatzes.
Nach EinschĂ€tzung des PlanungsbĂŒros conceptk fördern solche Strukturen sowohl die KonzentrationsfĂ€higkeit als auch die Zusammenarbeit der SchĂŒler. Durch die Abkehr von starren Sitzordnungen sollen Lernumgebungen geschaffen werden, die individuellen BedĂŒrfnissen besser gerecht werden und die Fokussierung im Unterricht unterstĂŒtzen.
