ADHS, Neudiagnosen

ADHS bei Kindern: Neudiagnosen in Bayern steigen binnen Jahresfrist um 17 Prozent

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krankenkassendaten zeigen mehr ADHS-Erstdiagnosen, während Bayern Therapieprojekte und regionale Gesundheitsangebote unterstützt.

Bayern fördert psychische Gesundheit junger Menschen mit neuen Angeboten
Ein heller, moderner Raum mit Holzboden und Blick ins Grüne, der eine ruhige und unterstützende Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Die psychische Gesundheit junger Menschen rückt zunehmend in den Mittelpunkt staatlicher und regionaler Versorgungsinitiativen. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) wirbt anlässlich des Welttags der seelischen Gesundheit für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen sowie für den Abbau gesellschaftlicher Vorurteile.

Flankiert wird dieser Vorstoß durch konkrete Förderprogramme für Kinder und Jugendliche sowie durch neue Daten zur mentalen Belastungslage im Freistaat.

Landesförderung für zielgruppenspezifische Hilfsangebote

Um bestehende Versorgungslücken zu schließen, unterstützt das bayerische Gesundheitsministerium mehrere Modellvorhaben. Das Projekt „Boulderpsychotherapie“ wird mit mehr als 800.000 Euro gefördert. Es richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren mit depressiven Symptomen; Teilnehmende werden seit Ende 2025 in die therapeutischen Angebote eingebunden.

Ebenfalls gefördert wird das Vorhaben „HSN-Age – Helfen in seelischer Not“, das seit 2022 mit Mitteln von rund 400.000 Euro unterstützt wird. Das Projekt belegte den dritten Platz bei der 9. Internationalen Bodenseekonferenz.

Auf Bundes- und Landesebene greifen zudem strukturierte Früherkennungsangebote: Die Mädchensprechstunde M1, gestartet im Oktober 2024, verzeichnete von Oktober 2024 bis September 2026 bundesweit mehr als 5.000 jugendliche Nutzerinnen. Entwickelt wurde das Konzept von einer Frauenärztin gemeinsam mit dem Berufsverband der Frauenärzte.

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Das Angebot richtet sich an Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Grundlage ist ein bundesweiter Vertrag nach § 140a SGB V, der durch den BKK Landesverband Bayern geschlossen wurde. Aktuell ermöglichen 54 Betriebskrankenkassen in Deutschland die Teilnahme an der Sprechstunde.

Datenbasis verdeutlicht Handlungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen

Dass präventive Ansätze dringend erforderlich sind, belegen aktuelle Erhebungen gesetzlicher Krankenkassen. Der Kinder- und Jugendreport der DAK Bayern, der Abrechnungsdaten von rund 108.100 im Freistaat versicherten Kindern und Jugendlichen sowie rund 5,7 Millionen Versorgungskontakte zwischen 2019 und 2024 analysiert, weist eine wachsende Zahl an Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten aus.

Im Jahr 2024 erhielten gut 1,8 Prozent der bayerischen Kinder und Jugendlichen erstmals eine ADHS-Diagnose, was einem Anstieg von 17 Prozent binnen Jahresfrist entspricht.

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Insgesamt wurden im selben Jahr 5,8 Prozent der 3- bis 17-Jährigen in Bayern wegen ADHS medizinisch versorgt. Die Neudiagnosen stiegen bei Jungen um 20 Prozent und bei Mädchen um 13 Prozent, wobei Jungen fast doppelt so häufig eine Erstdiagnose erhielten wie Mädchen.

Regionale Daten und Kassenprogramme zur Gesundheitsförderung

Neben gezielten Einzelprogrammen bauen Träger der Gesundheitsvorsorge ihre Monitoring-Werkzeuge aus. Die AOK Bayern stellte am 9. Oktober 2026 den GesundheitsatlasPRO vor. Die Auswertung umfasst alle 96 Landkreise und kreisfreien Städte des Bundeslandes, bildet zwölf Krankheitsbilder in Zehn-Jahres-Zeitreihen ab und stützt sich auf Hochrechnungen der Daten eigener Versicherter.

Am regionalen Beispiel Ingolstadt zeigen die Erhebungen des Atlas, dass 12,5 Prozent der Bevölkerung von Depressionen betroffen sind. Weitere dokumentierte Werte betreffen Rückenschmerzen mit einer Quote von 28,3 Prozent (bei den 15- bis 24-Jährigen sind es 13,5 Prozent), Bluthochdruck mit 25,4 Prozent, Typ-2-Diabetes mit 9,9 Prozent sowie Adipositas mit 9,5 Prozent.

Die genannten Raten liegen jeweils leicht unter dem bayerischen Gesamtdurchschnitt. Zur Vorbeugung setzt die Kasse auf strukturierte Maßnahmen wie „clevergesund“, „Schulranzen fit“, „KLASSE2000“, „#LEVELUP“, „STARK“ sowie das strukturierte Behandlungsprogramm AOK-Curaplan.

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