ADHS, Diagnosen

ADHS im Alter: Warum Diagnosen oft erst mit 60+ gestellt werden

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Späte ADHS-Erkennung bei Erwachsenen rückt stärker in den Fokus. Studien zeigen mehr Diagnosen, während Familien neue Unterstützung erhalten.

ADHS im höheren Alter: Späte Diagnose schafft neue Klarheit
Ein leerer Holzstuhl in einem sonnendurchfluteten Raum, der eine ruhige und nachdenkliche Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Ulrike Radix aus Schwerte erhielt erst mit 61 Jahren die Diagnose ADHS. FĂĽr sie brachte diese Erkenntnis, wie einem Bericht von ruhrnachrichten.de zu entnehmen ist, im Nachhinein Klarheit ĂĽber ein Leben lang bestehende GefĂĽhle des Andersseins.

Trotz ihrer Schwierigkeiten habe sie über Jahrzehnte funktioniert – ohne zu wissen, welche Ursache ihre Wahrnehmung und ihr Verhalten hatten. Ihr Fall steht exemplarisch für eine Entwicklung, die Fachleute zunehmend beschäftigt: die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen, oft erst im höheren Lebensalter.

Ein Leben ohne Erklärung

Radix' Erfahrung zeigt ein Muster, das bei vielen Betroffenen einer späten Diagnose wiederkehrt: Symptome werden über Jahre kompensiert, ohne dass eine medizinische Einordnung erfolgt. Erst die Diagnose im Alter von 61 Jahren habe ihr laut dem Bericht ermöglicht zu verstehen, warum sie sich zeitlebens anders gefühlt habe als ihr Umfeld – bei gleichzeitigem äußeren Funktionieren im Alltag.

Steigende Zahlen bei Neudiagnosen

Eine Studie der DAK und der Universität Bielefeld, über die nw.de berichtete, zeigt, dass die Zahl der ADHS-Neudiagnosen deutlich zunimmt – bei Mädchen stärker als bei Jungen.

Fachleute stufen diesen Anstieg jedoch nicht als eigenständigen Trend ein, sondern führen ihn auf eine verbesserte Aufklärung zurück. Das bedeutet: Nicht die Häufigkeit der Störung selbst steige, sondern das Bewusstsein dafür, wie sich ADHS jenseits klassischer Klischees äußern kann – etwa bei Personen, die im Kindes- oder Jugendalter nicht auffielen und ihre Symptome kompensierten. Diese verbesserte Aufklärung dürfte auch erklären, warum Diagnosen wie die von Ulrike Radix heute überhaupt gestellt werden, während sie früher häufig unentdeckt blieben.

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Unterstützung für Familien mit neurodivergenten Angehörigen

Die Frage, wie Betroffene und ihre Familien im Alltag Unterstützung finden, betrifft nicht nur Erwachsene mit später Diagnose, sondern auch Eltern neurodivergenter Kinder. In der Verbandsgemeinde Bad Marienberg startet dazu ein Elternstammtisch, der sich an Eltern von Kindern mit Autismus, ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie oder Tourette-Syndrom richtet.

Das Treffen findet jeden vierten Dienstag im Monat von 19 bis 20.30 Uhr in Lautzenbrücken statt, ist kostenlos und setzt keine Diagnose voraus. Interessierte können sich laut ww-kurier.de über die Kontaktstelle WeKISS unter der Telefonnummer 02663/2540 informieren.

Auch die Familie Kerrinnes aus Voerde macht deutlich, wie prägend neurodivergente Diagnosen den Familienalltag gestalten können: Sie hat zwei autistische Kinder, bei denen zusätzlich ADHS diagnostiziert wurde. Wie nrz.de berichtete, spielt für die Familie ein Integrationshelfer eine zentrale Rolle im Alltag, um die besonderen Bedürfnisse der Kinder zu begleiten.

Später Blick auf ein bekanntes Muster

Die Beispiele aus Schwerte, Bad Marienberg und Voerde verdeutlichen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wie vielschichtig der Umgang mit ADHS und anderen neurodivergenten Diagnosen mittlerweile diskutiert wird – von der individuellen Spätdiagnose im Erwachsenenalter über wachsende Fallzahlen in der Forschung bis hin zu lokalen Unterstützungsangeboten für Familien.

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Für Menschen wie Ulrike Radix bedeutet die Diagnose im höheren Alter vor allem eines: eine späte, aber wichtige Erklärung für ein Leben lang gespürte Unterschiede.

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de | wissenschaft | 70142203 |