ADHS im Erwachsenenalter: Studie findet mehr als vierfaches Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen weisen auf eine deutliche Verbindung zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitÀtsstörungen (ADHS) im Erwachsenenalter und neurodegenerativen Erkrankungen hin.
Eine Untersuchung der University of Pittsburgh School of Medicine in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry zeigt, dass Erwachsene mit ADHS ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko aufweisen, im spÀteren Leben an einer Demenz oder einer leichten kognitiven BeeintrÀchtigung zu erkranken.
Datenbasis und statistische ZusammenhÀnge
FĂŒr die Untersuchung werteten die Forscher der University of Pittsburgh School of Medicine Gesundheitsakten und genetische Daten von 187.341 Ă€lteren Erwachsenen ab 50 Jahren aus dem US-Forschungsprogramm âAll of Usâ der National Institutes of Health ĂŒber einen Zeitraum von zehn Jahren aus. In dieser Kohorte wiesen 3.026 Personen eine dokumentierte ADHS-Diagnose auf.
Bei den Teilnehmern mit ADHS entwickelten 6,7 Prozent eine Demenz oder kognitive BeeintrÀchtigung, wÀhrend der Anteil in der Vergleichsgruppe ohne ADHS bei 3,4 Prozent lag.
Nach statistischer BerĂŒcksichtigung von Alter, Geschlecht und weiteren Vorerkrankungen ergab sich fĂŒr Menschen mit ADHS ein mehr als vierfach erhöhtes Gesamtrisiko. Wurden ausschlieĂlich Demenzdiagnosen betrachtet, zeigte sich ein dreifach erhöhtes Risiko.
Diese Verdreifachung blieb auch nach Anpassungen fĂŒr körperliche und psychische Begleiterkrankungen, Bildungsniveau, Rauchgewohnheiten sowie die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bestehen. Zudem blieb der Zusammenhang signifikant, wenn mindestens acht Jahre zwischen der ADHS-Diagnose und dem Beginn der kognitiven EinschrĂ€nkungen lagen.
Wer sich mit dem Thema kognitive Gesundheit befasst, sollte die Signale des eigenen Körpers genau kennen. Dieser kostenlose 25-seitige Report erklĂ€rt, welche Blutwerte fĂŒr Ihre Vorsorge wirklich entscheidend sind und wie Sie Fehldiagnosen vermeiden. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen
Auch genetische Faktoren spiegeln diesen Trend wider: Personen mit dem höchsten genetischen ADHS-Risiko wiesen eine um 35 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Demenz auf als Personen mit dem niedrigsten Risiko.
Belastungen fĂŒr Betroffene und offene KausalitĂ€tsfragen
Die University of Pittsburgh School of Medicine stellte fest, dass Betroffene mit einer ADHS-Diagnose bei Eintritt kognitiver BeeintrĂ€chtigungen ĂŒber eine schlechtere psychische Gesundheit und eine geringere LebensqualitĂ€t berichteten. Zudem nahmen sie im Jahr nach der Diagnose etwa 20 Prozent mehr Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch.
Die Autoren betonen den beobachtenden Charakter der Untersuchung, weshalb sich daraus keine direkte KausalitÀt ableiten lÀsst. Die Resultate decken sich jedoch mit einer separaten Studie aus dem Jahr 2023 in JAMA Network Open, die bei Erwachsenen mit ADHS ebenfalls ein nahezu dreifach erhöhtes Demenzrisiko nachgewiesen hatte. Bislang bleibt ungeklÀrt, inwiefern eine medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien das spÀtere Demenzrisiko beeinflussen oder senken kann.
Angesichts steigender Risiken fĂŒr die geistige Fitness suchen viele Menschen nach Wegen, ihre Konzentration und ihr GedĂ€chtnis aktiv zu stĂ€rken. Dieser Ratgeber liefert 11 praktische Ăbungen und wertvolle Tipps zur Demenzvorbeugung fĂŒr den Alltag. Kostenlosen Gehirntraining-Guide hier anfordern
Hinweise auf verÀnderte Biomarker
ErgĂ€nzende Befunde liefert die Pittsburgh ADHD Longitudinal Study (PALS), deren vorlĂ€ufige Daten auf der Konferenz der American Professional Society of ADHD and Related Diseases 2026 vorgestellt wurden. Demnach wiesen Probanden mit ADHS in der Vorgeschichte messbare Erhöhungen etablierter Alzheimer-Biomarker auf, wobei die Unterschiede zur Kontrollgruppe stĂ€rker ausfielen als fĂŒr dieses Lebensstadium ĂŒblich.
Neben schlechteren Werten bei Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen zeigten sich im Blut der Betroffenen niedrigere Konzentrationen von A-beta 42 und A-beta 40 sowie erhöhte Werte von p-tau 181. Signifikante Unterschiede bei der Astrozyten-ReaktivitĂ€t oder der Mikroglia-Aktivierung wurden hingegen nicht festgestellt. Die PALS-Studie beabsichtigt, 100 Teilnehmer ab einem Alter von 40 Jahren einzuschlieĂen, um diese biologischen ZusammenhĂ€nge weiter abzusichern.
Mehr zum Thema bei t-online: âADHS und Demenz: Studie findet erhöhtes Risiko im Alterâ
