ADHS: KreativitÀt aktiviert Gehirnnetzwerke wie Gehirntraining
07.06.2026 - 18:26:04 | boerse-global.de
Statt nur auf Defizite zu schauen, rĂŒcken jetzt die kreativen Potenziale der neurobiologischen Besonderheit in den Fokus.
KreativitÀt als Gehirntraining
Eine Ăbersichtsarbeit von Dr. Radwa Khalil von der Constructor University in Bremen zeigt: Kreative Prozesse aktivieren genau jene Gehirnnetzwerke, die auch fĂŒr die Aufmerksamkeitssteuerung zustĂ€ndig sind. KreativitĂ€t könnte demnach wie ein Gehirntraining wirken und die kognitive Kontrolle bei ADHS-Betroffenen verbessern.
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Die Studie kritisiert die traditionelle Sichtweise, ADHS nur als EinschrĂ€nkung zu betrachten. Die typische neuronale Vernetzung biete auch Ressourcen fĂŒr innovative LösungsansĂ€tze.
In Fachkreisen und sozialen Medien wird diese Perspektive differenziert aufgenommen. Zwar begrĂŒĂen viele die Anerkennung kreativer Potenziale. Doch Betroffene warnen: Der individuelle Leidensdruck und die tĂ€glichen Herausforderungen dĂŒrften nicht als âSuperkraftâ verharmlost werden.
Hohe Dunkelziffer bei Erwachsenen
Trotz neuer Erkenntnisse bleibt die Dunkelziffer hoch. In Deutschland leben schĂ€tzungsweise mindestens zwei Millionen Erwachsene mit ADHS. Besonders bei Menschen ĂŒber 40 Jahren gilt die Diagnose als schwierig â viele Symptome werden falsch eingeordnet.
Typische Merkmale im Erwachsenenalter sind:
- AusgeprÀgte Prokrastination und Probleme mit der Selbstorganisation
- HĂ€ufige Vergesslichkeit im Beruf und Privatleben
- Erhöhte emotionale Auslenkbarkeit und innere Unruhe
ADHS kann auch das Sexualleben beeinflussen. Bei Frauen wirken Gedankenrasen und AufmerksamkeitssprĂŒnge oft als Lusthemmer und erschweren den Orgasmus.
Die Diagnose stellen spezialisierte FachĂ€rzte fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie. Doch es mangelt an Experten, die sich auf Ă€ltere Patienten konzentrieren.
Streit um Ursachen und Therapie
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In der Fachwelt herrscht Konsens: ADHS ist eine Stoffwechselstörung des Botenstoffs Dopamin, die in der Kindheit beginnt. Die Erblichkeit liegt bei 70 bis 80 Prozent.
Eine abweichende These kommt von der New Yorker Psychotherapeutin Erica Komisar. Sie sieht ADHS als stressbedingten Zustand, begĂŒnstigt durch frĂŒhe Belastungen wie lange Kita-Betreuung und erhöhte Cortisolspiegel. Diese Sicht widerspricht der etablierten genetischen Forschung.
Die gute Nachricht: Auch eine spĂ€te Diagnose verbessert die LebensqualitĂ€t erheblich. FachĂ€rzte wie Dr. Neuy-Lobkowicz betonen, dass eine passgenaue Medikation selbst bei 60- oder 70-JĂ€hrigen wirkt. Unbehandelte neurodivergente Störungen erhöhen nĂ€mlich das Risiko fĂŒr Depressionen â oft wirken Betroffene nach auĂen stabil, leiden innerlich aber unter Erschöpfung und Leere.
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