ADHS-Modell: Neurobiologe deutet Störung als Energiedefizit
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 03:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein neues Modell interpretiert ADHS nicht als Aufmerksamkeitsdefizit, sondern als Problem der Energieversorgung im Gehirn. Der Neurobiologe Mohammad Dawood Rahimi von der Freien Universität Berlin veröffentlichte Anfang Juli 2026 in der Fachzeitschrift Neuroscience & Biobehavioral Reviews das Modell der „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“ (EDHD).
Betroffene leiden demnach unter Schwankungen in der Energieversorgung des Gehirns. Das erkläre sowohl Phasen geringer Leistungsfähigkeit als auch den sogenannten Hyperfokus – eine tiefe Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe. Das Modell rückt physiologische Faktoren wie Stoffwechsel, Ernährung und Schlafqualität ins Zentrum. Die Perspektive verschiebt sich von einer rein kognitiven Störung hin zu einer biologischen Regulationsproblematik.
Frühkindliche Ernährung als Schutzfaktor?
Parallel untersuchen Forscher, welche Faktoren in der frühen Entwicklung das ADHS-Risiko beeinflussen. Eine norwegische Studie der Universität Bergen, veröffentlicht Anfang Juli 2026 in Biological Psychiatry, deutet darauf hin: Ausschließliches Stillen über sechs Monate korreliert mit geringeren ADHS-Symptomen im Alter von drei bei acht Jahren. Die Unterschiede auf der Bewertungsskala fielen zwar gering aus – unterstreichen aber die Bedeutung frühkindlicher Ernährung.
Weitere Schutzfaktoren werden im Darmmikrobiom vermutet. Eine Analyse von 969 Säuglingen in Cell Press Blue (Juli 2026) identifizierte spezifische Bakterien mit protektiven Effekten bei genetischen Risikomustern. Während Lachnospira pectinoschiza bei Autismus-Spektrum-Störungen relevant scheint, wird Parabacteroides distasonis ein schützender Einfluss bei ADHS zugeschrieben. Zudem können Kaiserschnittgeburten epigenetische Muster im Nabelschnurblut verändern.
Paracetamol: Entwarnung für Schwangere?
Eine Kohortenstudie der Universität Hongkong im Fachmagazin JAMA Internal Medicine liefert neue Daten zu medikamentösen Einflüssen während der Schwangerschaft. Frühere Arbeiten legten eine Verbindung zwischen Paracetamol-Einnahme und ADHS bei Kindern nahe. In kontrollierten Geschwisteranalysen verschwand dieser Zusammenhang jedoch. Die Autoren folgern: Eher familiäre Faktoren als das Medikament selbst könnten für die Auffälligkeiten verantwortlich sein.
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