ADHS, Alkoholsucht

ADHS und Alkoholsucht: Bei jedem vierten Alkoholiker liegt ADHS vor

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei jedem vierten AlkoholabhĂ€ngigen liegt eine ADHS vor, doch die Störung wird hĂ€ufig ĂŒbersehen. Fachleute fordern bessere Diagnostik in der Suchthilfe.

ADHS und Sucht: HĂ€ufige Doppeldiagnose bleibt in Kliniken oft unerkannt
Abstrakte Darstellung neuronaler Netzwerke zur Veranschaulichung der Verbindung zwischen ADHS und Suchterkrankungen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle klinische Beobachtungen und Fachberichte verdeutlichen eine signifikante Schnittmenge zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung (ADHS) und Suchterkrankungen. Experten weisen darauf hin, dass insbesondere bei Menschen mit einer AlkoholabhĂ€ngigkeit in rund 25 Prozent der FĂ€lle eine zugrunde liegende ADHS-Erkrankung vorliegt. In der tĂ€glichen klinischen Praxis werde dieser Zusammenhang jedoch noch immer hĂ€ufig ĂŒbersehen, was die Erfolgsaussichten therapeutischer Interventionen beeintrĂ€chtigen kann.

Diagnostische LĂŒcken in der klinischen Praxis

Die HÀufigkeit von ADHS in der Gesamtbevölkerung wird von Fachleuten auf etwa 5 bis 6 Prozent geschÀtzt. Im Kontext von Suchterkrankungen steigen diese Werte jedoch drastisch an. Den vorliegenden Daten zufolge entwickelt jede zweite Person mit einer ADHS-Diagnose im Laufe ihres Lebens eine AbhÀngigkeit von Substanzen. Dass bei jedem vierten Alkoholiker tatsÀchlich eine ADHS-Symptomatik die Basis der Erkrankung bildet, unterstreicht die Notwendigkeit einer differenzierteren Diagnostik in Entzugskliniken und Therapiezentren.

Wird die neuronale Entwicklungsstörung nicht erkannt, konzentrieren sich Behandlungen oft ausschließlich auf das Suchtverhalten, wĂ€hrend die eigentliche Ursache – die neurobiologische Disposition – unbehandelt bleibt. Dies fĂŒhrt laut Expertenmeinung hĂ€ufig zu RĂŒckfĂ€llen, da die Betroffenen ohne eine entsprechende ADHS-Therapie weiterhin versuchen, ihre Symptome unbewusst durch Suchtmittel zu regulieren.

Suchtmittel als Form der Selbstmedikation

Ein zentraler Aspekt in der Verbindung beider Krankheitsbilder ist die neurobiologische Wirkung von Suchtmitteln. Alkohol und andere Substanzen lösen im Gehirn einen Dopaminkick aus. Da ADHS-Patienten strukturelle Unterschiede im Dopaminstoffwechsel aufweisen, nutzen sie Suchtmittel oft als eine Form der Selbstmedikation. Das Ziel ist dabei hÀufig die Beruhigung eines hyperaktiven Geistes oder die Steigerung der KonzentrationsfÀhigkeit, auch wenn die langfristigen Folgen destruktiv sind.

Anzeige

Wer im Alltag oft unter innerer Unruhe und mangelnder Konzentration leidet, findet in diesem kostenlosen Ratgeber effektive Strategien fĂŒr eine bessere mentale Balance. 11 praktische Übungen fĂŒr mehr geistige Fitness entdecken

Dr. Anastasia Hronis betont in diesem Zusammenhang, dass die erhöhte ImpulsivitĂ€t, die als Kernsymptom der ADHS gilt, den Einstieg in den Substanzkonsum sowie den Übergang in eine AbhĂ€ngigkeit beschleunigt. Betroffene haben demnach grĂ¶ĂŸere Schwierigkeiten, kurzfristigen Impulsen zu widerstehen, was die Barriere zum riskanten Konsum senkt.

Die Rolle der emotionalen SensibilitÀt

Neben der ImpulsivitĂ€t spielt auch die sogenannte Rejection Sensitivity Dysphoria (RSD) eine wesentliche Rolle fĂŒr neurodivergente Menschen. Dabei handelt es sich um eine extreme emotionale Empfindlichkeit gegenĂŒber realer oder wahrgenommener Ablehnung und Kritik. Laut Dr. Anastasia Hronis treibt dieser hohe emotionale Leidensdruck viele Betroffene in das sogenannte Rauschtrinken (Binge Drinking).

Anzeige

Mentale Gesundheit und die FĂ€higkeit zur Selbstregulation sind entscheidend, um den Anforderungen des Lebens standzuhalten und Demenz gezielt vorzubeugen. Dieser kostenlose Guide liefert Ihnen wertvolle Tipps fĂŒr ein langfristig leistungsstarkes GedĂ€chtnis. Kostenlosen Ratgeber fĂŒr mentale StĂ€rke sichern

Der Alkohol dient in diesen FĂ€llen als emotionales BetĂ€ubungsmittel, um die intensiven GefĂŒhle von UnzulĂ€nglichkeit oder sozialer Ausgrenzung zu dĂ€mpfen. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass eine erfolgreiche Suchttherapie bei ADHS-Betroffenen zwingend Strategien zum Umgang mit emotionaler Dysregulation und ImpulsivitĂ€t beinhalten muss. Fachleute fordern daher eine stĂ€rkere Sensibilisierung des medizinischen Personals, um die Diagnoserate von ADHS innerhalb der Suchthilfe nachhaltig zu erhöhen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69929236 |