Adipositas übertrifft Unterernährung: WHO warnt vor Fehlernährungs-Wende
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globale Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Aktuelle Daten eines von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützten Projekts, das die Situation in 200 Ländern untersucht hat, verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung: In vielen Regionen der Welt überholt die Fettleibigkeit (Adipositas) mittlerweile die klassische Unterernährung als primäres Gesundheitsrisiko für junge Menschen im Alter von 5 bis 19 Jahren.
Während die Unterversorgung in vielen Entwicklungsländern weiterhin ein ungelöstes Problem darstellt, verzeichnen Forscher insbesondere in Schwellenländern einen massiven Anstieg von Übergewicht.
Dramatische Entwicklung in Schwellenländern am Beispiel Indonesiens
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in Indonesien. Laut Daten, die im Rahmen der globalen Untersuchung aufbereitet wurden, sind rund 20 Prozent der insgesamt 60 Millionen indonesischen Schulkinder von Fehlernährung betroffen. Dabei hat das Problem der Fettleibigkeit die Unterernährung bereits übertroffen.
Eine im Mai 2026 im Fachmagazin Nature veröffentlichte WHO-Studie unterstreicht diese Beobachtung. Demnach stieg die Adipositas-Rate bei Kindern in Indonesien allein im Jahr 2024 um mehr als 0,5 Prozentpunkte an.
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung scheint das verfügbare Lebensmittelangebot zu sein. Branchenberichten zufolge gelten lediglich 21 Prozent der in indonesischen Supermärkten angebotenen Lebensmittel als gesund. Diese mangelnde Verfügbarkeit nährstoffreicher Produkte bei gleichzeitigem Überangebot an hochverarbeiteten Lebensmitteln befeuert die Ausbreitung von Adipositas in der jungen Bevölkerung.
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Regionale Trends in Lateinamerika und dem Pazifikraum
Die Untersuchung zeigt zudem länderspezifische Schwerpunkte auf. In Peru wurde insbesondere bei Jungen eine signifikante Zunahme der Adipositas festgestellt. Während im Jahr 2010 noch weniger als 8 Prozent der Jungen betroffen waren, stieg dieser Anteil im Zeitraum 2023 bis 2024 auf 19 Prozent an.
In anderen Weltregionen sind es vor allem Mädchen, die von dieser Fehlentwicklung betroffen sind. In den pazifischen Inselstaaten Tonga und Samoa verzeichnen Forscher bei den weiblichen Kindern und Jugendlichen die weltweit stärksten Auswirkungen der Adipositas-Epidemie. Diese regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass kulturelle und marktbedingte Faktoren die Art der Fehlernährung maßgeblich beeinflussen, das Grundproblem jedoch ein globales Phänomen bleibt.
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Massive wirtschaftliche Belastung durch Folgekosten bis 2030
Neben den individuellen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen stellt die Zunahme der Adipositas eine erhebliche Belastung für die nationalen Volkswirtschaften und das globale Gesundheitssystem dar. Die WHO prognostiziert, dass die weltweiten Kosten, die durch Übergewicht verursacht werden, bis zum Jahr 2030 auf insgesamt 3 Billionen US-Dollar (3.000 Milliarden US-Dollar) ansteigen könnten.
Am Beispiel Indonesiens lässt sich die finanzielle Dimension dieser Entwicklung konkret beziffern. Beliefen sich die Kosten durch Fehlernährung im Jahr 2019 noch auf 17,5 Milliarden US-Dollar, so wird für das Jahr 2030 mit einem Anstieg auf fast 47 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Experten weisen darauf hin, dass ohne gezielte Interventionen und eine Verbesserung des Lebensmittelangebots die Gesundheitssysteme vieler Länder vor kaum zu bewältigenden Herausforderungen stehen werden. Die aktuelle Datenlage legt nahe, dass die Bekämpfung von Fehlernährung künftig gleichermaßen Maßnahmen gegen Unterversorgung wie auch gegen den rasanten Anstieg der Adipositas umfassen muss.
