Agentic AI Hub: 38 Kommunen testen KI-Werkzeuge für die Verwaltung
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deKünstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Alltag deutscher Kommunalverwaltungen. Im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld nehmen automatisierte KI-Assistenten bereits telefonische Anfragen bei der Kreisverwaltung sowie in der Stadt Lüdinghausen und der Gemeinde Rosendahl entgegen.
Auf einer Digitalisierungskonferenz in der Sendener Steverhalle berieten Vertreter der kreisangehörigen Städte und Gemeinden über die nächsten Schritte. Geplant ist unter anderem eine gemeinsame Schulungsplattform, etwa für die automatisierte Protokollerstellung, um das Personal spürbar zu entlasten und den Bürgerservice weiter zu verbessern.
Telefonische Assistenzsysteme und digitale Serviceportale
Der Einsatz von Sprachassistenten und Chatbots zur Bürgerkommunikation gewinnt auch in anderen Kommunen an Bedeutung. In der Stadt Borken übernimmt der Voicebot „Charly“ unter der Rufnummer 02861/939-0 rund um die Uhr die telefonische Terminvergabe für das Bürgerbüro im Rathaus sowie den Standort Weseke. Das System führt Anrufer eigenständig durch das Gespräch und bucht passende Termine unabhängig von den regulären Öffnungszeiten.
Die Stadt Bad Honnef führte mit dem Chatbot „Konni“ den vierten und abschließenden Baustein ihres digitalen Serviceangebots ein. Das System beantwortet rund um die Uhr Anfragen auf der städtischen Internetseite und verweist auf digitale Verwaltungsdienste. Zusammen mit dem Bürgerportal, einer kommunalen App und der Website sollen Bürger nach Angaben von Bürgermeister Philipp Herzog orts- und zeitunabhängig Unterstützung erhalten.
Interkommunale Zusammenarbeit und bundesweite Pilotprojekte
Neben Einzellösungen setzen Kommunen vermehrt auf Kooperationen. Im baden-württembergischen re@di-Netzwerk tauschten sich mehr als 70 Fach- und Führungskräfte aus neun Städten beim re@di-Tag in Bühl über die Digitalisierung aus.
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Die beteiligten Städte Baden-Baden, Bretten, Bruchsal, Bühl, Ettlingen, Gaggenau, Rastatt, Rheinstetten und Stutensee unterzeichneten eine aktualisierte Willensbekundung zur Zusammenarbeit. Baden-Baden präsentierte dabei eine Low-Code-Plattform sowie eine KI-gestützte Lösung zur Erfassung administrativer Prozesse.
Auf Bundesebene erproben Kommunen zudem komplexere Fachanwendungen. Im Rahmen der zweiten Phase des „Agentic AI Hub“ des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) testen seit Oktober 38 Kommunen neue Werkzeuge, darunter eine KI-Wohngeldlösung in Nettetal.
Der Landkreis Waldeck-Frankenberg erprobt seit Mitte September bis zum 15.12.2026 gemeinsam mit dem Start-up Sozial KI UG ein System zur Falldokumentation im Sozialdienst und Jugendamt. Sieben Beschäftigte testen die rein mit synthetischen Daten arbeitende Software unter dem Prinzip „Human in the Loop“, wobei der Bund die Kosten übernimmt.
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In der vorangegangenen Pilotphase des Hubs sanken die Bearbeitungszeiten für Datenschutzanfragen um mehr als 90%, wenngleich die Effizienzgewinne insgesamt geringer ausfielen als ursprünglich erwartet.
Umfrage zeigt breite Akzeptanz in Rathäusern
Der Trend zur Automatisierung spiegelt sich in aktuellen Erhebungen wider. Der am 29.10.2026 auf dem 7. AKDB-Kommunalforum in München vorgestellte Kommunale Digital-Index der Universität Bremen und der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) verzeichnet eine hohe Aufgeschlossenheit: 89% der befragten Bürgermeister und Landräte unterstützen den Einsatz von KI, 44% nutzen entsprechende Werkzeuge täglich und lediglich 2% haben kaum Berührungspunkte. An der bis Mitte September 2026 durchgeführten Befragung beteiligten sich knapp 20% der Landkreise.
Während 80% der Verwaltungen feste Zuständigkeiten für KI etabliert haben, verfügen 48% über eine Integration in Digitalstrategien oder Digitalteams. Vorgaben wie Dienstanweisungen oder Leitlinien existieren bei 77% der befragten Kommunen, während 7% den Einsatz grundsätzlich untersagen.
Regional zeigen sich Unterschiede: In Süddeutschland arbeiten 6% ohne feste KI-Regeln, im Osten sind es 28%. Nachholbedarf besteht beim Datenmanagement, bei dem 46% der Verwaltungen bislang keine klar definierten Verantwortlichkeiten aufweisen.
