Agentic Commerce: Visa aktiviert KI-Zahlungen bei 30 Banken
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 07:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Große Zahlungsdienstleister und Banken aktivieren die Infrastruktur für KI-Agenten – der digitale Handel in Europa verändert sich grundlegend.
Visa startet „Agentic Commerce" mit 30 europäischen Banken
Am 2. Juli 2026 hat Visa in Paris seine neuen Zahlungsmöglichkeiten für KI-Agenten offiziell vorgestellt. Mehr als 30 europäische Banken sind bereits angebunden, darunter die Commerzbank, die Deutsche Kreditbank (DKB) und comdirect aus Deutschland. Internationale Partner wie Barclays, BBVA, ING, Lloyds, NatWest, Nordea und Revolut sind ebenfalls mit von der Partie.
Bei der Vorstellung führten KI-Agenten eigenständig Käufe bei mehreren Händlern durch – unter anderem bei lastminute.com, Frasers, Cleverbridge und BrickDepot. Das System nutzt tokenisierte Visa-Zugangsdaten und einen neuen „Visa Payment Passkey", um die strengen Authentifizierungsanforderungen der europäischen PSD2-Richtlinie zu erfüllen.
Visa hat zudem ein Trusted Agent Protocol und ein Verzeichnis für geprüfte Agenten eingeführt, das über Cloudflare und Akamai gehostet wird. Der vollständige Rollout ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant. In der aktuellen Phase können Verbraucher ihren autonomen Agenten individuelle Ausgabenlimits und Produktkategorien vorgeben.
Mastercard und Worldline gelingt erste KI-Zahlung in Frankreich
Parallel dazu haben Worldline und Mastercard gemeinsam mit der Crédit Agricole die erste KI-gesteuerte Agentenzahlung in Frankreich abgewickelt. Dieser Meilenstein folgt auf ähnliche Entwicklungen: Bereits im März 2026 führte die Banco Santander in Spanien eine Live-Zahlung durch einen KI-Agenten aus, und die niederländische ING startete eigene Initiativen.
Mastercard setzt dabei auf seine Agent Pay-Technologie, die es KI-Agenten ermöglicht, direkt mit den bestehenden Zahlungssystemen zu interagieren. Branchenbeobachter weisen jedoch darauf hin, dass zentrale Rechtsfragen noch ungeklärt sind: Wer haftet etwa, wenn ein autonomer Agent einen falschen oder unerwünschten Kauf tätigt?
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Plattformen rĂĽsten sich fĂĽr den KI-Verkehr
Während die Zahlungsnetzwerke ihre Protokolle finalisieren, stellen sich die E-Commerce-Plattformen auf die neue Kundschaft ein. Google startete bereits im Januar 2026 sein Universal Commerce Protocol (UCP) – zunächst als Beta-Version in den USA. Das Protokoll soll standardisieren, wie KI-Agenten mit Händlerseiten interagieren, und direkte Checkouts über Google Pay und PayPal ermöglichen.
Shopify hat sein Framework ebenfalls aktualisiert. Auf der Shoptalk Europe 2026 in Barcelona präsentierte das Unternehmen beeindruckende Zahlen: Bei Marken, die für KI-Entdeckung optimiert sind, verdoppelten sich die Konversionsraten, während der KI-gesteuerte Suchverkehr um das Achtfache anstieg. Kunden, die KI-Tools nutzen, kaufen 50 Prozent häufiger ein und geben rund 14 Prozent mehr aus als traditionelle Shopper.
Zur Unterstützung dieses Wandels entsteht eine sekundäre Infrastruktur, die Produktlisten für sogenannte „Answer Engines" optimiert. Stibo Systems und CommerceIQ arbeiten gemeinsam an Lösungen für neue Marktplatzanforderungen – etwa Amazons ab dem 27. Juli 2026 geltende Vorgabe, Produkttitel auf 75 Zeichen zu begrenzen.
Junge Zielgruppe treibt den Wandel
Daten aus dem Juni 2026 zeigen, dass der agentengestĂĽtzte Handel vor allem bei jĂĽngeren Verbrauchern ankommt. Eine Studie von Jungle Scout ergab, dass in den USA 14 Prozent der Online-Shopper zwischen 18 und 44 Jahren innerhalb der letzten drei moante einen KI-Agenten fĂĽr einen Einkauf genutzt hatten.
Dieser Trend verändert bereits klassische Kennzahlen im Einzelhandel. Die Werbeagentur Publicis verzeichnet bei frühen KI-Nutzern einen Rückgang der Erstklick-Attribution aus bezahlten sozialen Medien um 7 bis 12 Prozent. Die Agenten umgehen offenbar die traditionellen Marken-Entdeckungsprozesse. Einige Händler reagieren darauf: Macy's etwa berichtet, dass die Umsätze über agentengestützte Kanäle 4,7-mal höher liegen als bei konventionellen Methoden.
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Technische Grundlagen und europäische Vorreiter
NVIDIA hat die technischen Anforderungen dieser Agenten präzisiert. Eine Kombination aus Frontier-Modellen und feinabgestimmten Open-Source-Modellen – wie dem eigenen Nemotron – könne Antworten 4,5-mal schneller und zu deutlich geringeren Kosten liefern. Diese Effizienz treibt die Adoption voran. Der deutsche Versandhändler Otto wird von Google Cloud als einer der fortschrittlichsten Anbieter für agentengestützten Handel in Europa genannt.
Expansion nach Asien
Die Entwicklung bleibt nicht auf Europa beschränkt. Vom 8. bis 10. Juli 2026 führten Animoca Brands und Visa auf der LEAP East in Hongkong eine Live-Pilotstudie vor. Dabei konnten KI-Agenten auf der Minds-Plattform Visa-Belohnungen finden und Käufe bei teilnehmenden Händlern wie dem Bruce Lee Club Ltd eShop abschließen – abgesichert durch tokenisierte Zugangsdaten und biometrisch bestätigte Zahlungsschlüssel.
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