Agentische Automatisierung: Rawlings spart 75% Kampagnen-Erstellungszeit
08.06.2026 - 22:53:07 | boerse-global.de
Pegasystems, Salesforce und ZoomInfo bringen neue KI-Tools auf den Markt, die Marketingprozesse radikal automatisieren sollen. Die Branche erlebt einen Paradigmenwechsel hin zur sogenannten „agentischen Automatisierung“ – weg von manuellen Workflows hin zu KI-gesteuerten Kampagnen.
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Pegasystems stellt Customer Engagement Studio vor
Auf der PegaWorld-Konferenz in Las Vegas präsentierte Pegasystems am heutigen Montag sein neues Customer Engagement Studio. Die Plattform, die in den Pega Customer Decision Hub integriert ist, soll Kampagnen-Erstellungszeiten von Wochen auf Minuten verkürzen. Das Besondere: Menschliche und KI-Agenten arbeiten künftig gemeinsam an Kampagnen-Briefings und deren Umsetzung.
Das Studio ist Teil des Pega Infinity 26-Updates, das für das dritte Quartal 2026 angekündigt ist. Enthalten ist auch ein Blueprint Agent Builder, der deterministische Regeln mit generativer KI kombiniert – für mehr Zuverlässigkeit bei der Automatisierung.
Pega-CEO Alan Trefler kündigte zudem einen Wechsel der Preisgestaltung an: Statt token-basierter Abrechnung setzt das Unternehmen künftig auf ergebnisorientierte Modelle. „Das schafft planbare Kosten für Unternehmen“, so Trefler. Neu ist auch die Unterstützung des Model Context Protocol (MCP), das die Anbindung von Drittanbieter-Agenten etwa von Anthropic, Google oder OpenAI ermöglicht.
Salesforce und ADvendio erweitern ihr KI-Angebot
Erst vor wenigen Tagen, am 3. Juni, hatte Salesforce auf der Connections-Konferenz neue Agentforce-Marketingfunktionen vorgestellt. Darunter spezialisierte KI-Agenten wie „Piper“ für die Vertriebsentwicklung und „Hunter“ für die Neukundenakquise. Ein Content Agent erstellt multi-channel-fähige Inhalte, ein Marketing Goals Agent optimiert Kampagnen automatisch.
Erste Praxiserfahrungen zeigen: Der Sportartikelhersteller Rawlings konnte die Kampagnen-Erstellungszeit um 75 Prozent reduzieren. Auch Salesforce setzt auf MCP, um seinen KI-Assistenten Zugriff auf die Marketing Cloud Engagement APIs zu gewähren.
Ebenfalls heute gab ADvendio den Start einer spezialisierten KI-Plattform für die Werbebranche bekannt. Das System umfasst neun Agenten für Vertrieb, Werbeoperationen und Finanzen – integriert in die bestehenden AdOne- und AdFinance-Plattformen.
ZoomInfo verbindet Daten mit Claude-KI
ZoomInfo hat heute die allgemeine Verfügbarkeit von GTM.AI bekannt gegeben. Die Plattform bietet eine native Schnittstelle zu Anthropics Claude und Claude Code. Damit wird die ZoomInfo-Datenbank – mit Daten zu 100 Millionen Unternehmen und 500 Millionen Kontakten – direkt mit KI-Modellen verknüpft.
Die bidirektionale Integration erlaubt es der KI, ZoomInfo-Daten zu lesen und gleichzeitig Signale aus Claude zurück in das System zu speisen – für eine präzisere Lead-Bewertung.
Markttrends: Hohe Kosten, große Risiken
Die Produktoffensive kommt nicht von ungefähr. Eine Gartner-Umfrage unter 401 Chief Marketing Officers (Januar bis März 2026) zeigt: Die Personalkosten sind auf 24,5 Prozent der Marketingbudgets gestiegen. Zwar fließen 62,6 Prozent der Media-Ausgaben weiterhin in Markenbekanntheit und Conversion, doch 70 Prozent der CMOs geben zu: Ihre internen Prozesse sind noch nicht reif für KI im großen Stil.
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Gartner-Analysten schätzen, dass 60 Prozent der Marken bis 2028 auf agentische KI setzen werden. Die Kehrseite: Mehr als 40 Prozent dieser Projekte dürften scheitern – an unklaren Zielen oder technischer Komplexität.
Eine Studie von 21st Century Brand vom heutigen Montag zeigt zudem einen neuen Effekt: Marken müssen sich künftig auch bei KI-Modellen positionieren. Naomi Walkland, CMO von Motorway, berichtet, dass die Überwachung der Markenstimmung in Large Language Models (LLMs) zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden sei. „Eine hohe positive Stimmung in diesen Modellen führt direkt zu mehr Leads“, so Walkland.
Auch OpenAI und Shopify ziehen nach
Der Trend zur KI-gesteuerten Werbung erfasst auch die Plattformen selbst. OpenAI aktualisierte am 2. Juni seine europäischen Werberichtlinien und startete am 7. Juni mit der Auslieferung von ChatGPT-Anzeigen im Vereinigten Königreich. Das Unternehmen rechnet bis Ende 2026 mit 2,5 Milliarden Euro Werbeeinnahmen.
Shopify wiederum brachte Ende Mai Flow 3.0 auf den Markt – mit bedingter Verzweigungslogik und über 140 vorgefertigten Triggern. Erste Agenturberichte deuten darauf hin, dass Händler ihre Automatisierungs-Tools konsolidieren und mehrere Drittanbieter-Lösungen durch die neue Shopify-Engine ersetzen.
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