Akupressur bei Kopfschmerzen: Ein Monat Behandlung, sechs Monate Linderung
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deRatgeber und Fachberichte erläutern die gezielte Anwendung spezifischer Akupressurpunkte, um körperliche Anspannung, Stresssymptome und migräneartige Kopfschmerzen durch manuelle Reizung zu lindern.
Die Methode stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und nutzt Finger, Handflächen oder Unterarme, um Druck auf festgelegte Punkte entlang von Energiemeridianen auszuüben. Anhaltender Druck lockert Muskelfasern und kann übertragene Schmerzen in Nacken, Schultern und im unteren Rücken reduzieren.
Wissenschaftliche Einordnung und Schmerzlinderung
Untersuchungen verweisen auf physiologische Effekte manueller Techniken. So senkt Massage laut Field et al. (2005) den Cortisolspiegel und steigert die Botenstoffe Serotonin sowie Dopamin. Morhenn et al. (2012) stellten zudem eine Erhöhung von Oxytocin und Endorphinen fest. Die Reizung eignet sich unter anderem bei Spannungskopfschmerzen, Nacken- und Schulterverspannungen sowie Belastungen durch langes Sitzen.
Eine Studie verglich zudem die Wirksamkeit bei chronischen Kopfschmerzen: Demnach war eine einmonatige Akupressur wirksamer als die einmonatige Gabe von Muskelrelaxanzien, wobei der lindernde Effekt über einen Zeitraum von sechs Monaten anhielt.
Spezifische Punkte gegen Migräne und Verspannungen
Gegen Migräne werden in der Praxis mehrere Kernpunkte beschrieben:
- Drittes Auge: liegt zwischen den Augenbrauen und wird eine Minute lang stimuliert.
- Bambusbündel: beidseits der Nasenwurzel, jeweils zehn Sekunden halten und fünf- bis zehnmal wiederholen.
- Geistestore: am Hinterkopf für zehn bis 15 Sekunden.
- Windtore: an der Schädelbasis, für eine Minute kreisend massiert.
- Schulterbrunnen: in der Mitte zwischen Schulter und Hals, für eine Minute gehalten.
- Tal der Vereinigung (Hegu): auf dem Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger, zehn Sekunden Druck gefolgt von zehn Sekunden Kreisen.
- Vier Weißheiten: unterhalb der Wangenknochen, für eine Minute stimuliert.
Die Gesamtdauer einer solchen regionalen Eigenbehandlung sollte zehn Minuten nicht überschreiten. Gearbeitet wird sanft mit der Fingerkuppe, bis ein Gefühl von leichter Wärme oder Säure entsteht. Dies eignet sich vor allem für Spannungs-, Ermüdungs- und primäre Kopfschmerzen.
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Gegen Schultersteifheit dienen neben Jianjing und Hegu auch Tianzhu, Fengchi, Shousanli, Quchi und Waiguan. Die Anwendung erfolgt sanft mit dem Daumenballen, ohne schmerzhafte Überlastung.
Stressabbau und Unterstützung beim Einschlafen
Zur allgemeinen Stressreduktion wird häufig der Punkt Neiguan (PC6) herangezogen. Er liegt am Perikardmeridian auf der Innenseite des Unterarms, drei Fingerbreiten unterhalb der Handgelenksfalte zwischen den Sehnen.
Bei Stress oder vor dem Einschlafen erfolgt der Daumendruck kreisend über drei bis fünf Sekunden synchron zum Ausatmen, über zwei bis drei Minuten pro Arm. Dies soll den Vagusnerv anregen, den Puls beruhigen und die Durchblutung verbessern.
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Leichtes Klopfen auf Baihui am Scheitel sowie Fengchi am hinteren Hals kann bei Ermüdung und Angstgefühlen unterstützen. Hegu lässt sich zudem mit einem 20-minütigen Fußbad mit Beifuß und Essig sowie der stimulation des Fußpunktes Taichong kombieren.
Bei funktionellen Einschlafschwierigkeiten durch Gedankenkreisen kommen rund 30 Minuten vor dem Schlafen die Punkte Shenmen am Handgelenk, Anmian hinter dem Ohr und Sanyinjiao oberhalb des Innenknöchels für je drei Minuten in Betracht, ergänzt durch Yongquan an der Fußsohle.
Grenzen und Kontraindikationen
Fachleute betonen, dass Druckpunkte über anatomische Landmarken und individuelle Körperproportionen bestimmt werden müssen, nicht über die Schmerzempfindlichkeit. Eine stärkere Schmerzintensität führt nicht zu einer besseren Wirkung. Empfindliche Zonen wie Wunden, Schwellungen, die Halsvorderseite, Augenhöhlen, Achseln, Leisten sowie tiefe Zonen an Bauch und Wirbelsäule sind auszusparen.
Besondere Vorsicht gilt für Schwangere, ältere Personen und Menschen, die Antikoagulanzien einnehmen. Sanyinjiao ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei akuten Gefäßverschlüssen, hypertensiven Krisen, intrakraniellen Veränderungen oder Schmerzen nach Verletzungen darf die Methode nicht eingesetzt werden.
Halten Kopfschmerzen länger als 24 Stunden an oder treten Begleiterscheinungen wie neurologische Ausfälle, Taubheitsgefühle, Brustschmerz, Atemnot oder Übelkeit auf, ist unverzüglich ärztliche Abklärung erforderlich.
