Akupunktur und Entzündung: Bildgebung macht Zellreaktion in Echtzeit sichtbar
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Erforschung der biologischen Wirkmechanismen der Traditionellen Chinesischen Medizin gewinnt durch moderne bildgebende Verfahren neue Impulse. Ein wissenschaftliches Kooperationsprojekt hat zelluläre Vorgänge während einer Akupunkturbehandlung direkt im lebenden Organismus sichtbar gemacht.
Wissenschaftler der Tsinghua-Universität, des Tongji-Krankenhauses sowie des Unternehmens Zhejiang Hehu Technology konnten in der Milz von lebenden Mäusen die Echtzeit-Migration von Tausenden Immunzellen während einer künstlich hervorgerufenen Entzündung verfolgen. Dabei zeigte sich, dass eine gezielte Elektroakupunktur an einem spezifischen Akupunkturpunkt die zelluläre Entzündungsreaktion sichtbar dämpfen kann.
Hochauflösende Bildgebung im lebenden Gewebe
Grundlage der Untersuchung bildete der Einsatz des sogenannten RUSH3D-HR-Mikroskops. Dieses hochauflösende bildgebende Instrument wurde speziell für anspruchsvolle mikroskopische Anwendungen an lebenden Tieren entwickelt. Das System ermöglicht detaillierte Langzeitbeobachtungen direkt im lebenden Gewebe, wobei die Gewebeschädigung im Vergleich zu konventionellen Untersuchungsmethoden minimal ausfällt.
Durch diese schonende Bildgebungsmethode gelang es dem Forschungsteam, das dynamische Verhalten der Abwehrzellen über einen längeren Zeitraum hinweg präzise zu dokumentieren. Die Aufnahmen machten sichtbar, wie sich Tausende von Immunzellen bei einer induzierten Entzündung in der Milz verhalten und in das betroffene Gewebe einwandern.
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Beobachtete Effekte der Elektroakupunktur
Im Zentrum der Analyse stand die Frage, wie sich eine Stimulation auf die zellulären Entzündungsprozesse auswirkt. Nach der Auslösung einer Entzündungsreaktion setzten die Wissenschaftler Elektroakupunktur an einem festgelegten Akupunkturpunkt ein.
Die mikroskopische Dokumentation zeigte daraufhin eine sichtbare Unterdrückung der zellulären Reaktion: Die zuvor beobachtete intensive Bewegung und Migration der Abwehrzellen wurde durch den Reiz messbar gehemmt.
Fachleute werten solche visuellen Echtzeitbeobachtungen als wichtigen Schritt, um physiologische Reaktionen auf Akupunkturreize auf zellulärer Ebene nachzuvollziehen. Bisher stützte sich der Nachweis entzündungshemmender Effekte häufig auf biochemische Laborparameter oder Gewebeanalysen, die erst nach dem Versuchsende entnommen wurden.
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Notwendigkeit weiterer wissenschaftlicher Überprüfung
Trotz der visuellen Belege bleiben wesentliche Fragen zur klinischen Aussagekraft offen. In den bisherigen Berichten zur Studie wurden keine quantitativen Wirkdaten veröffentlicht, sodass konkrete Angaben zur exakten Effektstärke oder zur Zahl der untersuchten Tiere fehlen.
Auch die beteiligten Autoren halten weitere Untersuchungen für erforderlich, um die beobachteten Zellbewegungen fundiert zu quantifizieren und die zugrundeliegenden Signalwege vollständig zu entschlüsseln. Erst weiterführende Studien können klären, in welchem Maße sich die im Tiermodell dokumentierten Effekte auf den menschlichen Organismus übertragen lassen.
