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All for One: VINCI Energies bietet 67,50 Euro pro Aktie

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Französischer Konzern bietet 67,50 Euro je Aktie für IT-Dienstleister. Parallel treibt die Bundesregierung Digitalgesetze voran.

VINCI Energies übernimmt All for One: Milliarden-Deal im IT-Sektor
Ein leuchtendes digitales Netzwerk über der Frankfurter Skyline in der Abenddämmerung, Symbol für digitale Infrastruktur und Konnektivität. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Gleich zwei Entwicklungen prägen die Landschaft: eine milliardenschwere Übernahme im IT-Sektor und neue Gesetzesinitiativen der Bundesregierung.

VINCI Energies kauft sich in den deutschen Mittelstand ein

Der französische Konzern VINCI Energies startet eine Übernahmeoffensive auf dem deutschen Markt. Am 16. Juli legte das Unternehmen ein öffentliches Barangebot für die All for One Group SE vor – einen der führenden IT-Dienstleister für den deutschen Mittelstand.

Das Angebot liegt bei 67,50 Euro pro Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von satten 104,9 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenkurs der vergangenen drei Monate. Zum Vergleich: Das ist mehr als eine Verdopplung des aktuellen Marktwerts. Die Vorstände und Aufsichtsräte von All for One unterstützen den Deal bereits. Großaktionäre, die zusammen 54,7 Prozent der Anteile halten, haben ihre Zustimmung signalisiert.

All for One ist kein kleiner Fisch. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete das Unternehmen rund 500 Millionen Euro Umsatz, betreut etwa 4.500 Kunden und beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter. Die Übernahme soll vor allem der Axians-Marke von VINCI Energies zugutekommen, die 2025 auf Erlöse von 3,8 Milliarden Euro kam.

Doch der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern. VINCI Energies braucht mindestens 75 Prozent plus eine Aktie. Die Kartellbehörden müssen zustimmen. Der Abschluss wird für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Regierung will Faxgeräte verbannen und Glasfaser fördern

Parallel zur Unternehmenskonsolidierung treibt die Digitalisierung mit neuen Gesetzen voran. Das Digitalministerium hat eine Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) vorgeschlagen, die Netzbetreibern weitreichende Rechte einräumen soll.

Die Kernidee: Ist ein Mehrfamilienhaus ans Glasfasernetz angeschlossen, sollen Anbieter künftig das Recht haben, jede einzelne Wohnung anzuschließen – ohne langwierige Verhandlungen mit Vermietern. Die Bundesnetzagentur soll zudem Zugangsverpflichtungen unabhängig von der Marktmacht eines Anbieters durchsetzen können. Alteingesessene Anbieter müssen transparente Pläne vorlegen, wie sie Kunden von Kupfer- auf Glasfaseranschlüsse umstellen.

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Noch konkreter wird es im Gesundheitswesen. Das Bundeskabinett hat am 15. Juli den Entwurf für das GeDIG-Gesetz verabschiedet. Das Ziel: Bis Herbst 2029 sollen Faxgeräte aus den Arztpraxen und Krankenhäusern verschwinden. Stattdessen wird die elektronische Patientenakte (ePA) ausgebaut – mit automatischen Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Ab September 2029 sollen elektronische Überweisungen Pflicht sein.

Die Regierung rechnet mit jährlichen Einsparungen von rund 445 Millionen Euro durch weniger Bürokratie.

Strom für Rechenzentren: Neue Großprojekte am Start

Der Ausbau der physischen Infrastruktur kommt ebenfalls voran. Der Netzbetreiber TransnetBW hat ein Rahmenabkommen mit Jacobs geschlossen, um das Stromnetz in ganz Deutschland zu modernisieren. Es geht um Projektsteuerung, Genehmigungsverfahren und Bauaufsicht.

Ein Leuchtturmprojekt zeichnet sich bei Frankfurt ab. Hitachi Energy hat den Auftrag erhalten, das Rechenzentrum Kauri CAB bei Hochheim ans 110-kV-Netz anzuschließen. Auf einem 55.000 Quadratmeter großen Grundstück entsteht eine Kapazität von rund 40 Megawatt. Das ist beachtlich – und fällt genau in die Zeit, in der das neue Energieeffizienzgesetz (EnEfG) greift. Seit Juli 2026 müssen neue Rechenzentren strenge Vorgaben zur Abwärmenutzung und Energieeffizienz einhalten.

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Der Run auf europäische Cloud-Lösungen

Ein stiller, aber tiefgreifender Wandel vollzieht sich in der Cloud-Nutzung deutscher Unternehmen. 85 Prozent der Firmen sind besorgt über ihre Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern. Der US-amerikanische CLOUD Act und das bahnbrechende Schrems-II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs haben das Bewusstsein geschärft.

Zwar gibt es seit Juli 2023 den EU-US Data Privacy Framework. Doch many Unternehmen setzen lieber auf heimische Rechenzentren – etwa von NTT in Frankfurt. Die Marktforscher rechnen für 2026 mit einem Anstieg der Ausgaben für souveräne Cloud-Infrastruktur (IaaS) um 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2027 könnte sich das Volumen sogar verdreifachen.

Die Deutsche Telekom und das österreichische AIT sind bereits mit der EuroQCI-Initiative beauftragt. Sie sollen die nationalen Quantenkommunikationsnetze bis 2030 zu einem kontinentalen Backbone verbinden. Ein klares Signal: Europa will digital unabhängiger werden – und Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle.

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