Alpengletscher, Klimawandel

Alpengletscher verlieren massiv Eis: Schweiz meldet verheerendes Schmelzjahr

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Schneearmer Winter und große Sommerhitze haben den Alpengletschern erneut massiv zugesetzt. In der Schweiz schmolzen rund 5,5 Prozent des Eisvolumens – in Deutschland könnte das Ende der letzten Gletscher bis zum Ende des Jahrzehnts absehbar sein.

  • Es war das zweitschlimmste Jahr seit Beginn der Messungen für die Schweizer Gletscher (Archivbild) - Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
    Es war das zweitschlimmste Jahr seit Beginn der Messungen für die Schweizer Gletscher (Archivbild) - Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
  • Immer mehr Fels, immer weniger Eis in Österreich (Archivbild) - Bild: Christian Thiele/dpa
    Immer mehr Fels, immer weniger Eis in Österreich (Archivbild) - Bild: Christian Thiele/dpa
  • Hitzewellen und wenig Schnee setzen den Gletschern in der Schweiz, Österreich und Deutschland massiv zu. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Hitzewellen und wenig Schnee setzen den Gletschern in der Schweiz, Österreich und Deutschland massiv zu. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Der Schneemangel im vergangenen Winter und die große Hitze im Sommer haben für die Alpengletscher dramatische Folgen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Der Schneemangel im vergangenen Winter und die große Hitze im Sommer haben für die Alpengletscher dramatische Folgen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die mittlere Eisdicke einzelner Schweizer Gletscher hat um 2,5 bis 4 Meter abgenommen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Die mittlere Eisdicke einzelner Schweizer Gletscher hat um 2,5 bis 4 Meter abgenommen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Es war das zweitschlimmste Jahr seit Beginn der Messungen für die Schweizer Gletscher (Archivbild) - Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa Immer mehr Fels, immer weniger Eis in Österreich (Archivbild) - Bild: Christian Thiele/dpa Hitzewellen und wenig Schnee setzen den Gletschern in der Schweiz, Österreich und Deutschland massiv zu. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Der Schneemangel im vergangenen Winter und die große Hitze im Sommer haben für die Alpengletscher dramatische Folgen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die mittlere Eisdicke einzelner Schweizer Gletscher hat um 2,5 bis 4 Meter abgenommen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Schneemangel im Winterhalbjahr 2025/26 und große Hitze im Sommer haben die Alpengletscher in der Schweiz, Österreich und Deutschland erneut stark schrumpfen lassen.

Schweizer Gletscher verlieren 5,5 Prozent Eis

In der Schweiz schmolzen nach Angaben des Schweizerischen Gletschermessnetzes Glamos rund 5,5 Prozent des Eisvolumens. Glamos bezeichnete das Jahr als verheerend; nur 2022 sei der Verlust noch größer gewesen. Die mittlere Eisdicke einzelner Gletscher nahm um 2,5 bis vier Meter ab.

Das Messnetz führt die Entwicklung auf den Klimawandel zurück. Der Eisverlust sei in den vergangenen fünf Jahren fast doppelt so hoch gewesen wie in den fünf Jahren davor.

Nullgradgrenze außergewöhnlich oft über 4000 Metern

Im Winterhalbjahr fiel in allen Höhenlagen deutlich weniger Schnee als im langjährigen Mittel. Die Nullgradgrenze lag an 76 Tagen über 4000 Metern – so häufig wie nie zuvor. Die schützende Schneedecke war teilweise bereits im Juni verschwunden; im September lag selbst auf 3500 Metern kein Schnee mehr.

Glamos gehört mit einer mehr als 140-jährigen Messreihe zu den ältesten Gletschermessnetzen der Welt. Es vermisst regelmäßig 23 der rund 1400 Schweizer Gletscher und rechnet die Ergebnisse auf den Gesamtbestand hoch.

Schmelzwasser als schrumpfender Puffer

Von Juli bis September verloren die Schweizer Gletscher rund 2200 Milliarden Liter Wasser. Das entspricht mehr als dem Vierfachen des jährlichen Trinkwasserverbrauchs der Schweizer Haushalte. Das Schmelzwasser mildert derzeit noch sommerliche Wasserknappheit, doch dieser Effekt nimmt mit der schrumpfenden Eisfläche ab.

Kleine Gletscher verschwanden bereits, darunter der Bella-Tola-Gletscher im Wallis und der Plattalvagletscher, auch Griessfirn genannt, in Glarus. Für die Gletscher Allalin, Clariden, Großer Aletsch und Rhone wurde die stärkste Schmelze seit Beginn der jeweiligen Messungen registriert.

Österreich: Pasterze droht hoher Eisverlust

In Österreich dokumentieren Freiwillige des Alpenvereins die Folgen des Sommers. Sie berichten von massivem Längen- und Massenschwund. Auf der Pasterze, dem größten Gletscher Österreichs am Großglockner, zeichnet sich ein möglicher Rekord-Eisverlust ab.

Das Eis wird dort nicht nur durch direkte Sonneneinstrahlung geschwächt. Schmelzwasser dringt auch in den Gletscher ein und höhlt ihn von innen aus. Nach dem jüngsten österreichischen Gletscherinventar ist die Eisfläche innerhalb von zwei Jahrzehnten um 31 Prozent auf 285 Quadratkilometer geschrumpft; die Daten beziehen sich auf 2023.

Deutschlands letzte Gletscher vor dem Ende

Auch die vier verbliebenen deutschen Gletscher haben erneut Eis verloren. Bis 2025 büßten sie innerhalb von zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche ein; insgesamt gingen rund eine Million Kubikmeter Eis verloren. Für dieses Jahr wird ebenfalls ein erheblicher Verlust erwartet.

Vom Blaueisgletscher und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen sind nur noch Reste vorhanden. Der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze könnte bis Ende des Jahrzehnts seinen Gletscherstatus verlieren. Der Höllentalferner dürfte sich am längsten halten, nach Einschätzung von Wissenschaftlern aber ebenfalls höchstens noch etwa zehn Jahre.

Felssturz an der Zugspitze

Vor wenigen Tagen kam es an der Zugspitze in etwa 2800 Metern Höhe zu einem Felssturz. Ein Zusammenhang mit den hohen Sommertemperaturen wird vermutet. Die Abbruchstelle liegt im Bereich von Permafrost, der das Gestein stabilisieren kann, solange der Untergrund gefroren bleibt.

Der Felssturz betrifft keinen Gletscher. Wissenschaftler untersuchen die genauen Ursachen. Tauender Permafrost und zunehmende Spalten im schmelzenden Eis erschweren zugleich die Arbeit der Vermessungsteams und erhöhen deren Risiko.

Wasserhaushalt gerät unter Druck

Gletscher speichern Niederschlag über Jahre und geben Schmelzwasser vor allem im Sommer ab. Dieser Ausgleich ist für Flüsse, Landwirtschaft, Wasserkraft und die Trinkwasserversorgung im Alpenraum wichtig. Kurzfristig kann starkes Schmelzen Wasserstände stützen; mit kleiner werdender Eisfläche nimmt dieser Puffer jedoch ab.

Die Entwicklung folgt nicht nur einzelnen heißen Tagen. Entscheidend ist das Zusammenwirken aus schneearmen Wintern, hohen Temperaturen und einer früher einsetzenden Ausaperung. Die in der Schweiz beobachtete Häufung einer Nullgradgrenze von mehr als 4000 Metern zeigt, wie stark sich die Bedingungen in großen Höhen verändert haben.

Folgen für Berge und Regionen

Der Verlust des Eises verändert die alpine Landschaft dauerhaft. Kleine Gletscher verschwinden zuerst, während größere Eisflächen weiter an Masse verlieren. Gleichzeitig kann tauender Permafrost die Stabilität hoch gelegener Felswände beeinträchtigen. Dadurch steigen die Anforderungen an Messungen, Bergsport und Schutzkonzepte.

Für Deutschland zeichnet sich mit dem absehbaren Verschwinden der letzten Gletscher ein besonders deutlicher Einschnitt ab. Die Folgen reichen über den unmittelbaren Naturraum hinaus: Gemeinden, Wasserversorger und Tourismus müssen sich auf veränderte Abflüsse, instabilere Hänge und höhere Sicherheitsanforderungen einstellen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR: „Permafrost und Hitze: Neue Details zum Zugspitz-Felssturz“ (29.09.2026)

Der Bericht bestätige den Zusammenhang zwischen dem Felssturz an der Zugspitze und dem Bereich des Permafrosts. Er setze den Schwerpunkt auf Drohnen- und seismische Messungen, beziffere das Abbruchvolumen auf 13.800 Kubikmeter und beschreibe einen geplanten Laserscanner zur Überwachung der Nordwand. Damit ergänze er die Meldung um konkrete technische Details; offen bleibe, wie sich der betroffene Bereich weiter entwickle.

Nach Darstellung des Berichts komme die Sommerwärme zeitverzögert in tieferen Felsschichten an. Diese Perspektive konkretisiere die in der Nachricht beschriebene Gefährdung durch tauenden Permafrost, behandle aber nicht die überregionalen Messdaten zum Gletscherschwund.

Medienübergreifend bestätige der Bericht damit die Bedeutung von Hitze und auftauendem Permafrost für die alpine Stabilität, während die langfristigen Auswirkungen auf einzelne Gletscher und den Wasserhaushalt getrennt bewertet werden müssten.

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