ALS-Beatmung: 50.000 Euro monatlich – Kostenstreit um Hauspflege
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 10:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Versorgung im Bereich der intensivmedizinischen Langzeitbetreuung sowie der Zugang zu neuen Therapiemethoden stehen in Österreich derzeit vor erheblichen Finanzierungshürden. Ein aktueller Fall aus Niederösterreich verdeutlicht die Spannungen zwischen medizinischer Notwendigkeit, rechtlichen Ansprüchen und der praktischen Kostenübernahme durch die öffentliche Hand.
Der Fall Dragan V. als Beispiel für systemische Hürden
Im Zentrum der Debatte steht der 52-jährige ALS-Patient Dragan V. aus dem Bezirk Baden. Für seine notwendige 24-Stunden-Hausbeatmung fallen Kosten für die Hauskrankenpflege in Höhe von rund 50.000 Euro pro Monat an.
Während die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) einen Anteil an der Finanzierung übernimmt, verweigert das Land Niederösterreich bislang die Übernahme der restlichen Kosten. Als Begründung wird angeführt, dass das Land erst ab dem Erreichen der Pflegestufe 7 zur Zahlung verpflichtet sei.
Sozial-Landesrätin Prischl kündigte Berichten vom September 2026 zufolge eine Prüfung des Falls an. Die Problematik der Kostenaufteilung zwischen Sozialversicherungsträgern und Bundesländern ist jedoch kein Einzelfall.
So zeigt das Beispiel der 74-jährigen Herta K., dass die Zuständigkeiten variieren können: Während das Land Wien in diesem Fall die Finanzierung sicherstellte, verweigerte die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) die Übernahme.
Rechtliche Einschätzungen und politische Rahmenbedingungen
Volksanwalt Achitz kritisiert das Vorgehen des Landes Niederösterreich im Fall Dragan V. deutlich. Er bezeichnete die Verweigerung der Finanzierung als willkürlich sowie rechtswidrig. Laut Achitz bestehe ein klarer Rechtsanspruch auf Pflege im häuslichen Umfeld. Er wertete das aktuelle Prozedere als Verstoß gegen die Verfassung sowie gegen die UN-Behindertenrechtskonvention.
Der Volksanwalt verwies zudem auf ein bestehendes Höchstgerichtsurteil, welches Länder und Krankenkassen zur Zahlung verpflichtet. Obwohl im April 2026 eine Bund-Länder-Einigung zur außerklinischen Langzeitbeatmung beschlossen wurde, zeige die Praxis, dass die Finanzierung der intensivmedizinischen Hauskrankenpflege weiterhin nicht flächendeckend funktioniere.
Der Fall des ALS-Patienten Dragan V. zeigt, wie unklar die Kostenaufteilung zwischen Österreichischer Gesundheitskasse und Bundesländern bei intensivmedizinischer Hauskrankenpflege bleibt. Wer für Angehörige eine 24-Stunden-Betreuung organisieren muss, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Schritte zur Kostenübernahme — von der richtigen Antragstellung bis zur Einstufung. Kostenlosen Leitfaden zur Hauspflege-Finanzierung anfordern
Kostendruck durch neue Therapiemöglichkeiten
Parallel zu den Konflikten in der Langzeitpflege wächst der Druck auf die Sozialversicherungssysteme durch hochpreisige Medikamente und neue Behandlungsmethoden. So ermöglichen neue Wirkstoffe im Bereich der Adipositas-Behandlung einen Gewichtsverlust von 15 bis 25 Prozent.
Da die Kosten für Medikamente wie Ozempic oder Mounjaro jedoch mehrere hundert Euro pro Monat betragen, werden sie von der Sozialversicherung nicht regulär übernommen. Experten sowie die Österreichische Adipositas Gesellschaft und die Ärztekammer für Niederösterreich fordern hier eine Aufnahme in den Leistungskatalog der Kassen, da insbesondere Geringverdiener von der Erkrankung betroffen seien.
Auch in der Onkologie und Neurologie zeichnen sich teure Fortschritte ab:
* Onkologie: Der Wirkstoff Daraxonrasib konnte in einer Phase-III-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs das mediane Gesamtüberleben auf 13,2 Monate verdoppeln (gegenüber 6,6 Monaten bei einer herkömmlichen Chemotherapie).
Dr. Christoph Springfeld betonte, dass das Medikament den Tumor bremse, jedoch keine Heilung darstelle. Zulassungsanträge bei der EMA und FDA wurden angekündigt.
* Neurologie: Forscher des Tongji-Klinikums in Wuhan berichteten im New England Journal of Medicine über Erfolge einer Zelltherapie bei Multipler Sklerose.
Eine einzelne Infusion veränderter Lentiviren führte nach etwa sechs Monaten zu einer verbesserten Beweglichkeit und Denkleistung der Probanden.
* Kardiologie: In der Klinik Floridsdorf in Wien wird erstmals in Österreich eine Stoßwellentherapie am offenen Herzen eingesetzt.
Das Land Niederösterreich verweist auf die Pflegestufe 7, der Volksanwalt spricht von einem klaren Rechtsanspruch auf Pflege im häuslichen Umfeld. Wenn Sie diesen Anspruch für einen Angehörigen durchsetzen wollen, hilft eine strukturierte Checkliste: Sie zeigt, welche Stelle zuständig ist, welche Nachweise fehlen und wie Sie bei einer Ablehnung sachlich nachfassen. Checkliste zum Rechtsanspruch jetzt sichern
In Kombination mit einer Bypass-Operation soll die Pumpleistung des Herzens um 12 Prozentpunkte gesteigert werden können, wie der Herzchirurg Martin Grabenwöger erläuterte.
Diese Innovationen verschärfen die Debatte um die langfristige Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems, während gleichzeitig grundlegende Pflegeleistungen wie im Fall des ALS-Patienten Dragan V. Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen bleiben.
