Biomarker, Nervenschädigung

ALS: Biomarker zeigen Nervenschädigung 15 Jahre vor Diagnose

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue dänische Forschung belegt: Neurofilament-Werte steigen bereits 15 Jahre vor ALS-Diagnose. Dies eröffnet ein größeres Zeitfenster für Therapien.

ALS-Früherkennung: Dänische Studie zeigt Biomarker 15 Jahre vor Diagnose
Ein Wissenschaftler arbeitet in einem modernen medizinischen Labor mit einer Pipette und Reagenzgläsern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die medizinische Forschung zur Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) hat neue Erkenntnisse über den zeitlichen Verlauf der Erkrankung gewonnen. Im Zentrum steht dabei die Identifizierung von Biomarkern, die bereits lange vor dem Auftreten klinischer Symptome auf die neurodegenerative Erkrankung hinweisen können. Eine im August 2026 bekannt gewordene dänische Studie liefert Belege dafür, dass pathologische Veränderungen im Nervensystem bereits anderthalb Jahrzehnte vor der eigentlichen Diagnosestellung messbar sind.

Neurofilament-Leichtketten als präsymptomatischer Marker

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Konzentration von Neurofilamenten, konkret der sogenannten Leichtketten (Neurofilament Light Chain, NfL), im Körper. Neurofilamente sind Strukturproteine des Zytoskeletts von Nervenzellen. Wenn Axone – die Fortsätze der Nervenzellen – geschädigt werden oder zugrunde gehen, werden diese Proteine in den Extrazellularraum und schließlich in den Liquor sowie in das Blut freigesetzt.

Den dänischen Forschungsergebnissen zufolge lassen sich erhöhte Neurofilament-Werte bereits bis zu 15 Jahre vor der klinischen Diagnose einer ALS nachweisen. Dieser Befund verdeutlicht, dass die Zerstörung der motorischen Nervenzellen ein schleichender Prozess ist, der weit in die Lebensspanne der Betroffenen zurückreicht, bevor erste Lähmungserscheinungen oder Muskelschwäche bemerkt werden.

Signifikanter Anstieg in der späten präsymptomatischen Phase

Während die Werte bereits 15 Jahre vor der Diagnose eine Abweichung von der Norm zeigen, beobachteten die Wissenschaftler eine deutliche Beschleunigung des Anstiegs in einem engeren Zeitfenster. Den Daten der Studie zufolge steigen die Neurofilament-Konzentrationen in den fünf Jahren unmittelbar vor der Diagnosestellung besonders stark an.

Diese Beobachtung ist für die klinische Einordnung von hoher Relevanz. Sie deutet darauf hin, dass die neurodegenerative Aktivität in dieser Phase massiv zunimmt. Die Identifizierung dieses spezifischen Anstiegs könnte künftig dabei helfen, Personen mit einem extrem hohen Risiko für einen kurz bevorstehenden Krankheitsausbruch zu identifizieren. Bisher galt ALS als eine Erkrankung, die oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Nervenzellschädigung erkannt wird, da das Nervensystem lange Zeit in der Lage ist, den Verlust von Motoneuronen zu kompensieren.

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Neuinterpretation des Krankheitsbeginns

Die Ergebnisse der dänischen Untersuchung legen eine grundlegende Neubewertung des Krankheitsbeginns nahe. Bisher wurde der Beginn der ALS meist mit dem ersten Auftreten motorischer Defizite gleichgesetzt. Die Tatsache, dass Biomarker bereits 15 Jahre zuvor statistisch auffällig sind, rückt die ALS in die Nähe anderer neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson, bei denen ebenfalls lange präsymptomatische Phasen bekannt sind.

Für die Forschung bedeutet dies, dass das Zeitfenster für mögliche therapeutische Interventionen theoretisch weitaus größer ist als bislang angenommen. Wenn die Erkrankung tatsächlich bereits 15 Jahre vor der Diagnose beginnt, könnten künftige Behandlungsansätze darauf abzielen, den Nervenzellverlust bereits in einem Stadium zu verlangsamen oder zu stoppen, in dem die körperliche Funktionsfähigkeit noch vollständig erhalten ist.

Bedeutung für die diagnostische Praxis

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Obwohl die Bestimmung von Neurofilamenten in der Forschung bereits etabliert ist, unterstreicht die aktuelle Analyse das Potenzial dieses Biomarkers für die klinische Früherkennung. Fachleute sehen in der Messung der Leichtketten ein Instrument, um die diagnostische Lücke zwischen dem biologischen Krankheitsbeginn und der klinischen Manifestation zu schließen.

Allerdings weisen die Ergebnisse auch auf die Komplexität der Diagnose hin. Da die Werte über einen Zeitraum von 15 Jahren ansteigen, ist eine präzise Interpretation einzelner Messwerte im Hinblick auf den individuellen Diagnosezeitpunkt anspruchsvoll. Die Studie legt jedoch nahe, dass insbesondere die Verlaufsbeobachtung der Neurofilament-Konzentration über mehrere Jahre hinweg eine hohe prognostische Aussagekraft besitzt. Die dänische Forschung liefert somit eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung künftiger Screening-Verfahren und die Gestaltung klinischer Studien in der Frühphase der ALS.

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