Alternde Weltbevölkerung: Zahl der Über-60-Jährigen steigt auf 2,1 Milliarden
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globalen Gesundheitssysteme stehen vor einer weitreichenden Transformation, getrieben durch eine alternde Weltbevölkerung und eine Verschiebung des Krankheitsspektrums.
Ein Ende September 2026 an die 81. UN-Generalversammlung übermittelter Bericht zur „UN Decade of Healthy Ageing (2021–2030)“ verdeutlicht die Dynamik dieses Wandels: Während im Jahr 2020 weltweit etwa eine Milliarde Menschen über 60 Jahre alt waren, prognostizieren die Vereinten Nationen und die Weltbank einen Anstieg auf 2,1 Milliarden bis zum Jahr 2050.
Erholung der Lebenserwartung nach der Pandemie
Aktuelle Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den „Global Health Estimates“, die den Zeitraum von 2000 bis 2023 abdecken, belegen eine weitgehende Erholung der weltweiten Lebenserwartung.
Nach einem pandemiebedingten Tiefstand von 71,5 Jahren im Jahr 2021 erreichte der Wert im Jahr 2023 wieder 73,3 Jahre. Damit liegt er nahezu auf dem Niveau des Vor-Krisen-Jahres 2019, in dem 73,4 Jahre verzeichnet wurden.
Ein kritischerer Blick richtet sich jedoch auf die gesunde Lebenserwartung. Diese lag im Jahr 2023 bei 62,8 Jahren und damit noch immer 0,4 Jahre unter dem Vergleichswert von 2019. Alain Labrique von der WHO bezeichnete die steigende Lebenserwartung zwar als einen der größten Erfolge der öffentlichen Gesundheit, betonte jedoch, dass die Sicherstellung einer guten Gesundheit in diesen zusätzlichen Lebensjahren die nächste zentrale Herausforderung darstelle. Die nationalen Gesundheitssysteme müssten laut Labrique an diese sich wandelnden Bedürfnisse angepasst werden.
Verschiebung der Todesursachen hin zu chronischen Leiden
Die statistische Auswertung für das Jahr 2023, über die Anfang Oktober 2026 berichtet wurde, zeigt eine deutliche Dominanz nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs). Diese machten 74 % aller weltweit 61 Millionen Todesfälle aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag dieser Anteil noch bei 58 %. Von den zehn häufigsten Todesursachen entfielen acht auf diesen Bereich.
Die ischämische Herzkrankheit bleibt mit 16 % aller Todesfälle die weltweit häufigste Ursache. Die Zahl der Todesopfer stieg hierbei zwischen 2000 und 2023 von 3,0 Millionen auf 9,5 Millionen an, wobei insbesondere in den WHO-Regionen Westpazifik und Südostasien ein erhöhtes Risiko beobachtet wurde. An zweiter Stelle folgt der Schlaganfall (ca. 11 %), gefolgt von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD, ca. 6 %).
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Besonders markant ist die Entwicklung bei Demenzerkrankungen. Alzheimer und andere Formen der Demenz rückten von Platz 19 im Jahr 2000 auf den fünften Rang im Jahr 2023 vor. Mit 2,1 Millionen Verstorbenen hat sich die Zahl der Todesfälle in diesem Bereich innerhalb von gut zwei Jahrzehnten verdreifacht.
Parallel dazu verzeichnete die WHO bei psychischen Erkrankungen zwischen 2019 und 2023 einen Anstieg der altersstandardisierten Rate verlorener gesunder Lebensjahre (DALYs) um ca. 20 % bei Depressionen und fast 45 % bei Angststörungen.
Rückgang übertragbarer Krankheiten und neue regulatorische Ansätze
Im Gegensatz dazu ist die Bedeutung früherer epidemischer Bedrohungen zurückgegangen. Covid-19 fiel 2023 erstmals aus der Liste der zehn häufigsten Todesursachen und belegte mit 900.000 direkt zurechenbaren Todesfällen Rang 14 – nach Rang 1 im Jahr 2021 mit 9,4 Millionen Toten.
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Auch die HIV/AIDS-Mortalität sank seit 2020 um 62 %. Erstmals machten übertragbare Krankheiten im Jahr 2023 auch in Ländern mit niedrigem Einkommen weniger als die Hälfte aller Todesfälle aus.
Angesichts dieser Datenlage kündigte die US-Arzneimittelbehörde FDA auf einer Fachkonferenz in Boston eine stärkere Fokussierung auf Alternsforschung und Langlebigkeit an.
Ein aktualisierter Bericht zu regulatorischen Schwerpunktbereichen soll zu Beginn des Geschäftsjahres 2027 veröffentlicht werden und erstmals Konzepte zur „Longevity Medicine“ enthalten. Steven Kozlowski von der FDA verwies dabei auf den Bedarf an wissenschaftlich akzeptierten Endpunkten für Alterungsstudien.
Dass Investitionen in diesen Bereich auch ökonomisch relevant sind, zeigt eine bereits 2021 veröffentlichte Wirtschaftsanalyse: Eine Verlangsamung des Alterns, die die Lebenserwartung nur um ein Jahr steigert, könnte demnach globale Gewinne in Höhe von 38 Billionen US-Dollar generieren.
Bei einer Steigerung um zehn Jahre läge dieser Wert bei 367 Billionen US-Dollar. Aktuell fördert die US-Forschungsbehörde ARPA-H entsprechende Initiativen bereits mit einem Programmvolumen von 144 Millionen US-Dollar.
