Altersarmut, Zahl

Altersarmut: Zahl der bedĂĽrftigen Rentner springt um 21 Prozent

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 15:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Immer mehr Hamburger Senioren sind auf Grundsicherung angewiesen. Besonders Frauen und Minijobber sind betroffen. Eine Wohngeldreform könnte die Lage ab 2027 weiter verschärfen.

Hamburg: Grundsicherung im Alter steigt um 21 Prozent
Nahaufnahme der Hände einer älteren Person, die wenige Euro-Münzen auf einem Holztisch zählt, in einem schummrigen Raum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Laut Statistikamt Nord bezogen 2025 bereits 33.980 Menschen in der Hansestadt Grundsicherung im Alter. Das ist ein Anstieg um rund 21 Prozent innerhalb von fünf Jahren – 2020 waren es noch 28.115 Betroffene. Allein zum Vorjahr legte die Zahl um zwei Prozent zu.

Frauen und Minijobs als Risikofaktoren

Die Statistik zeigt klare Risikogruppen. Mit 55 Prozent sind Frauen deutlich überproportional betroffen. Besonders brisant: Rund 70 Prozent der Bezieher nutzen die Grundsicherung ergänzend zu ihrer Rente – die reicht schlicht nicht zum Leben. Und bei 41 Prozent der Betroffenen zeigt sich eine Verfestigung: Sie bezogen bereits vor der Altersgrenze (derzeit 66 Jahre und zwei Monate) Bürgergeld.

Rentenexperten sehen die Ursachen vor allem in Erwerbsminderungen, Teilzeitphasen und Minijobs. Unterbrochene Erwerbsbiografien und niedrige Beiträge führen dazu, dass bundesweit knapp jeder fünfte Über-65-Jährige als armutsgefährdet gilt. Allerdings: Die reinen Einkommensstatistiken blenden vorhandene Vermögenswerte aus.

Wohngeld-Reform verschärft die Lage

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Ein Beschluss des Bundeskabinetts vom 6. Juli 2026 könnte die Entwicklung weiter anheizen. Ab 2027 soll die Heizkostenpauschale von 96 auf 48 Euro halbiert werden, die turnusmäßige Wohngelderhöhung wird ausgesetzt. Die Folge: Rund 163.000 Haushalte bundesweit drohen aus dem Wohngeldbezug in die Grundsicherung zu rutschen – darunter schätzungsweise 638.000 Rentnerhaushalte.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages warnt vor einer finanziellen Mehrbelastung der Kommunen. Denn bei Grundsicherungsfällen müssen sie die tatsächlichen Kosten für Unterkunft und Heizung übernehmen. In Hamburg kommt hinzu: Der preisgebundene Wohnraum schrumpft. Zwar gibt es die Verpflichtung, jährlich Sozialwohnungen mit 100-jähriger Mietpreisbindung zu errichten – realisierte Neubauten bleiben bislang aber aus.

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Immerhin: Zum 1. Juli 2026 stiegen die Renten um 4,24 Prozent. Der Rentenwert liegt nun bei 42,52 Euro, das Rentenniveau bleibt bei 48 Prozent stabil. Für Grundsicherungsbezieher gibt es hingegen eine Nullrunde: Die Regelsätze für Alleinstehende bleiben bei 563 Euro – ein sogenannter Besitzschutz verhindert eine Kürzung.

Neben der finanziellen Seite rücken andere Schutzmaßnahmen in den Fokus. In Hamburg-Rissen startete im Juli 2026 ein Modellprojekt für eine „Kühle Zone“: Bei Hitzewellen ab 30 Grad stehen älteren Bürgern klimatisierte Räume und Betreuung offen. Parallel plant der Gesetzgeber eine Mieterschutz-Novelle. Vorgesehen sind unter anderem die Begrenzung von Möblierungszuschlägen auf maximal zehn Prozent der Nettokaltmiete und Einschränkungen bei Indexmieterhöhungen. Das soll den Kostendruck auf Mieterhaushalte abfedern.

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