Altersdepression: GedĂ€chtnisstörungen sind oft umkehrbar â anders als Demenz
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deDeutschlands einzige Spezialambulanz fĂŒr Altersdepression an der Uniklinik Köln macht auf die Notwendigkeit aufmerksam, Altersdepressionen klar von normaler Vergesslichkeit und neurodegenerativen Erkrankungen abzugrenzen. GedĂ€chtnisstörungen im Rahmen einer depressiven Erkrankung werden bei Ă€lteren Menschen hĂ€ufig fĂ€lschlicherweise als gewöhnliche altersbedingte EinbuĂen oder als beginnende Demenz missverstanden.
Spezifische Symptome und hohe Dunkelziffer bei Àlteren Patienten
Die Kölner Facheinrichtung, die nach Angaben der Klinik bundesweit einmalig ist, wird von der Psychologin Forugh Salimi Dafsari geleitet. Nach ihren Angaben sind mindestens 20 bis 30 Prozent der Menschen ab einem Alter von 60 Jahren von Altersdepression betroffen.
In Pflegeeinrichtungen liegt der Anteil demnach sogar bei 40 bis 50 Prozent. Eine adÀquate Versorgung findet jedoch selten statt: Lediglich rund ein Prozent der Betroffenen wird tatsÀchlich behandelt.
Zudem unterscheidet sich das Beschwerdebild bei Ă€lteren Erkrankten oft deutlich von den Symptomen in jĂŒngeren Jahren. Statt einer rein niedergedrĂŒckten Stimmungslage stehen hĂ€ufig körperliche Beschwerden im Vordergrund.
Dazu zĂ€hlen Ăbelkeit, Schmerzen und Schwindel sowie kognitive EinschrĂ€nkungen, die leicht mit einer Demenz verwechselt werden können. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der Prognose: GedĂ€chtnisstörungen, die durch eine Depression verursacht werden, sind im Gegensatz zu dementiellen Erkrankungen in der Regel umkehrbar.
Gleichzeitig birgt die Erkrankung erhebliche Gefahren. Salimi Dafsari hebt hervor, dass die Altersdepression mit einer sehr hohen Suizidrate einhergeht, wobei MĂ€nner ein höheres Risiko aufweisen. Als erste Schritte zur AbklĂ€rung empfiehlt sie Betroffenen und Angehörigen den Gang zur hausĂ€rztlichen Praxis, an FachĂ€rzte fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie oder direkt an die Spezialambulanz.
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Kriterien zur differenzierten Diagnose kognitiver Beschwerden
Dass depressive Episoden kognitive Funktionen beeintrĂ€chtigen können, unterstreichen auch Leitlinienempfehlungen des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Demnach beeinflussen depressive Beschwerden bei Ă€lteren Personen mit gedrĂŒckter Stimmung hĂ€ufig Aufmerksamkeit, GedĂ€chtnis und Entscheidungsfindung.
Kognitive Probleme und Depressionen können zudem gleichzeitig auftreten, weshalb ein einzelner kognitiver Testwert nicht ausreicht, um das genaue VerhÀltnis der Störungen zueinander zu bestimmen.
Den Empfehlungen zufolge muss eine grĂŒndliche AbklĂ€rung kognitive, verhaltensbezogene und psychologische Symptome erfassen und deren Auswirkungen auf den Alltag prĂŒfen. Dabei sind Depressionen, EinschrĂ€nkungen der Sinnesorgane sowie Wechselwirkungen von Medikamenten als beitragende Faktoren zu berĂŒcksichtigen.
Tests zur ĂberprĂŒfung von Emotionen und Kognition können einander nicht ersetzen; selbst ein unauffĂ€lliges Screening schlieĂt eine kognitive Störung nicht zwingend aus. Tritt eine Verwirrtheit akut innerhalb von Stunden oder Tagen auf, sei stets eine sofortige medizinische NotfallabklĂ€rung erforderlich.
Da auch Wechselwirkungen von Medikamenten oder VitaminmĂ€ngel kognitive EinbuĂen auslösen können, ist ein Blick auf die medizinischen Details ratsam. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie Ihre Blut- und Laborwerte richtig deuten, um die eigene Gesundheit aktiv zu schĂŒtzen. Kostenlosen Laborwerte-Ratgeber hier anfordern
Abgrenzung zur gewöhnlichen Altersvergesslichkeit
Im Alltag fĂ€llt die Unterscheidung zwischen harmlosen Aussetzern und behandlungsbedĂŒrftigen ZustĂ€nden oft schwer. Gewöhnliche altersbedingte Vergesslichkeit zeigt sich typischerweise im gelegentlichen Verlegen von GegenstĂ€nden, die spĂ€ter wiedergefunden werden, oder in Namen, die einem nach einiger Zeit wieder einfallen, wĂ€hrend die selbststĂ€ndige AlltagsfĂŒhrung vollstĂ€ndig erhalten bleibt.
Ernsthafte Warnzeichen sind dagegen GedĂ€chtnisprobleme, die den Alltag beeintrĂ€chtigen, Orientierungsverlust, der Verlust praktischer FĂ€higkeiten, Sprachschwierigkeiten sowie VerĂ€nderungen des Wesens wie Apathie, Aggression, Misstrauen oder der Verlust von Empathie. Neben Depressionen können auch AngstzustĂ€nde, chronischer Schlafmangel, VitaminmĂ€ngel oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln plötzliche kognitive EinbuĂen auslösen.
Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit etwa 5,4 Prozent der Menschen ab 70 Jahren mit einer depressiven Störung. Ungewollte Einsamkeit und soziale Isolation gelten dabei als zentrale Risikofaktoren. Fachleute mahnen daher, RĂŒckzug, Antriebslosigkeit oder Traurigkeit im Alter nicht als normalen Teil des Ălterwerdens abzutun, sondern frĂŒhzeitig eine geriatrische oder psychiatrische Diagnostik einzuleiten.
