Altersteilzeit: Blockmodell soll abgeschafft werden – 284.000 betroffen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung des Blockmodells der Altersteilzeit sorgt für scharfe Kritik. Die Kommission empfiehlt, dieses Modell zu streichen und das Einstiegsalter für die Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre anzuheben. Schwarz-Rot will diese Empfehlungen umsetzen. Aus Medien wird der Vorstoß als „mehr als fahrlässig“ bewertet.
Was das Blockmodell für Beschäftigte bedeutet
Beim Blockmodell arbeiten Beschäftigte zunächst in Vollzeit weiter, bauen dabei Wertguthaben auf und werden anschließend vollständig freigestellt, bevor sie in Rente gehen. Laut Zahlen aus dem Umfeld der Debatte nutzten 2023 rund 284.000 Ältere die Altersteilzeit, davon 82 Prozent im Blockmodell – 189.000 Männer und 95.000 Frauen.
Besonders verbreitet ist das Modell in Großbetrieben: 47 Prozent der Nutzer arbeiteten in Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Als besonders betroffene Branchen gelten Energie, Finanzwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe.
Das Sozialministerium stellte klar, dass Altersteilzeit grundsätzlich möglich bleibe und bereits aufgebaute Wertguthaben weiterhin genutzt werden könnten. Kritiker sehen darin jedoch keine ausreichende Entwarnung, da gerade das Blockmodell in der Praxis die dominierende Form der Altersteilzeit darstellt.
Warnungen aus Politik und Bankensektor
Die Linken-Politikerin Sarah Vollath warnte, die Abschaffung des Blockmodells könne zu mehr betriebsbedingten Kündigungen führen. Besonders deutlich wird die Kritik im Bankensektor: Laut dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken), vertreten durch Carsten Rogge-Strang, laufen dort 99 Prozent der Altersteilzeitverträge im Blockmodell – eine Abschaffung käme in dieser Branche einer faktischen Abschaffung der Altersteilzeit insgesamt gleich.
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Zahlen zeigen, dass die Quote der 55- bis 65-Jährigen in Altersteilzeit bundesweit bei 4 Prozent liegt, in der Finanzbranche jedoch bei 10 Prozent und bei privaten Banken sogar bei 12 Prozent.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Ankündigung der Commerzbank brisant, die im Mai 2026 den Abbau von 3.000 Stellen bekanntgegeben hatte. AGV Banken und die Gewerkschaft Verdi warnten gemeinsam vor betriebsbedingten Kündigungen und forderten Vertrauensschutz for bereits bestehende Altersteilzeitverträge.
Auch aus der Landespolitik kommt Widerstand: Der SPD-Politiker Jochen Ott, Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027 in Nordrhein-Westfalen, forderte ein längeres Festhalten am Blockmodell sowie Übergangsregelungen, insbesondere für die Automobil- und Stahlindustrie. Zudem verlangte er eine Nachfolgeregelung für die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren.
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Größerer Reformrahmen der Rentenkommission
Die Debatte um das Blockmodell ist Teil eines umfassenderen Reformpakets. Die Rentenkommission empfiehlt außerdem, die Regelaltersgrenze ab 2032 an die Lebenserwartung zu koppeln und bis 2042 auf 67,5 Jahre anzuheben. Zudem soll die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren abgeschafft werden.
Diese Regelung nutzten 2024 immerhin 268.751 der insgesamt 937.107 Neurentner, was einem Anteil von 28,7 Prozent entspricht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffert die fiskalische Entlastung durch die Streichung dieser Frührente auf 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang.
Der Koalitionsausschuss hat die Umsetzung sämtlicher 33 Empfehlungen der Rentenkommission bereits beschlossen. Damit stehen nicht nur die Altersteilzeit, sondern auch die Regelaltersgrenze und die abschlagsfreie Frührente vor tiefgreifenden Veränderungen – ein Umbau, der insbesondere in Branchen mit hoher Altersteilzeit-Nutzung wie dem Bankensektor auf erheblichen Widerstand trifft.
