Alzheimer-Antikörper, Deutschland

Alzheimer-Antikörper: In Deutschland wurden bislang bis zu 2.000 Patienten behandelt

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 11:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die DGN berichtet über begrenzte Therapieeignung, ausstehende Erstattungsvereinbarungen und fehlenden kognitiven Nutzen von DHA.
Ein minimalistischer und heller medizinischer Untersuchungsraum mit einer Pflanze auf einem weißen Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt.

Rund ein Jahr nach der Markteinführung neuer Antikörpertherapien gegen die Alzheimer-Krankheit zieht die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) eine erste Bilanz für die klinische Praxis.

Lecanemab (Handelsname Leqembi) ist seit September 2025 auf dem deutschen Markt verfügbar, gefolgt von Donanemab (Handelsname Kisunla) seit November 2025. Nach Einschätzung des DGN-Neurologen Prof. Özgür Onur wurden in Deutschland bislang schätzungsweise 1.000 bis 2.000 Patientinnen und Patienten mit den Präparaten behandelt, offizielle Registerzahlen liegen hierzu allerdings nicht vor.

Indikation und klinische Praxis

Die neuen Antikörper richten sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, sind jedoch strikt auf das frühe Krankheitsstadium begrenzt. Die Zulassung umfasst Personen mit leichten kognitiven Störungen sowie leichter Alzheimer-Demenz.

Zudem gilt auf europäischer Ebene eine Beschränkung auf Personen mit null oder einer Kopie des ApoE4-Gens. Träger von zwei ApoE4-Genen werden nicht behandelt. In Deutschland befinden sich schätzungsweise 250.000 Menschen in einer entsprechenden Frühphase, wovon letztlich nur ein kleiner Bruchteil für die Therapie infrage kommt.

Praxisbeobachtungen zeigen, dass Patientinnen und Patienten vor allem bei einem sehr frühen Behandlungsbeginn profitieren. Lag die Diagnose hingegen bereits länger zurück, kam es in Teilen zu Verschlechterungen und Therapieabbrüchen. In den Zulassungsstudien verlangsamte Lecanemab den kognitiven und funktionellen Abbau über 18 Monate relativ um rund 27 Prozent.

Bei Donanemab zeigte sich in der gesamten Studienpopulation nach 76 Wochen eine relative Verlangsamung um rund 22 Prozent gegenüber Placebo, während der Wert bei Personen mit niedriger bis mittlerer Tau-Pathologie rund 35 Prozent erreichte.

Nutzenbewertung und Erstattungsfragen

In Deutschland fielen die Bewertungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) verhalten aus. Das Gremium stellte für beide Substanzen keinen belegten Zusatznutzen fest. Die entsprechenden Beschlüsse ergingen im Februar für Lecanemab sowie im April für Donanemab.

Als maßgebliche Gründe gelten die eng gefassten europäischen Kriterien sowie die methodisch getrennte Beurteilung: Bei leichten kognitiven Störungen diente das beobachtende Abwarten als Vergleichstherapie, bei leichter Demenz der Einsatz von Acetylcholinesterase-Hemmern.

Preislich liegen die Antikörper nach Angaben von Onur um ein Vielfaches über symptomatischen Standardmedikamenten. Die Erstattungsverhandlungen zwischen Herstellern und Kostenträgern dauern an, ein Abschluss wird nach Einschätzung des DGN-Experten für Anfang des Jahres erwartet.

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Sicherheitsaspekte und Diagnostik

Als typische Nebenwirkungen treten sogenannte ARIA auf, die Schwellungen oder mikroskopische Blutungen im Gehirn umfassen. Berichten zufolge fielen diese Komplikationen in der Routineversorgung bislang seltener aus als vorab erwartet. Zur Überwachung bleiben regelmäßige MRT-Kontrollen zwingend erforderlich.

Die Diagnostik steht parallel vor methodischen Herausforderungen. Der neuere Bluttest auf p-tau217 gilt bislang noch nicht als geeignet für ein breites Screening der Bevölkerung. Unterdessen prüfen klinische Prüfungen wie die Studien AHEAD 3-45, TRAILBLAZER-ALZ 3 und PrevenTRON derzeit, ob ein noch früherer Beginn der Antikörpertherapie einen messbaren Mehrwert bietet.

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Ernährungsansätze und Nahrungsergänzungsmittel

Neben medikamentösen Antikörpertherapien untersucht die Forschung weiterhin nichtmedikamentöse Ansätze wie Nahrungsergänzungsmittel. Eine Studie der University of Southern California (DOI 10.1016/j.ebiom.2026.106316) untersuchte den Effekt von Omega-3-Fettsäuren über zwei Jahre an 365 Teilnehmenden im Alter von 55 bis 80 Jahren, die eine geringe Omega-3-Aufnahme sowie mindestens einen Demenz- oder Herz-Kreislauf-Risikofaktor aufwiesen.

Knapp die Hälfte der Probanden trug das APOE4-Gen. Die Gruppe erhielt randomisiert entweder täglich 2.000 mg DHA (aufgeteilt auf 5 Kapseln à 400 mg) oder ein Placebo.

Zwar erreichte das DHA das Gehirn – der DHA-Gehalt im Nervenwasser stieg nach 6 Monaten um 17 Prozent, der Omega-3-Index von 4,9 Prozent auf 11,0 Prozent –, doch nach zwei Jahren blieben kognitive Tests unbeeinflusst. Die kognitiven Scores verbesserten sich um 2,76 Punkte unter DHA beziehungsweise 2,67 Punkte unter Placebo.

Auch beim Volumenverlust des Hippocampus, der in beiden Gruppen unter 1 Prozent pro Jahr lag, gab es keinen statistischen Unterschied. Unerwünschte Ereignisse traten bei 40,3 Prozent der Teilnehmenden mit DHA und bei 40,9 Prozent in der Placebogruppe auf.

Auswertungen zeigen, dass von 24 randomisierten kontrollierten Studien mit DHA lediglich 5 Studien (21 Prozent) eine messbare Verbesserung nachwiesen; die VITAL-Studie an 4.218 gesunden Personen (1 g EPA+DHA täglich über 2 bis 3 Jahre) fand keinen Effekt.

Während eine südkoreanische Behörde Mengen von 0,9 bis 2 g EPA+DHA täglich als mögliche Gedächtnishilfe anerkennt, ergab eine chinesische ADNI-Analyse bei 273 Nutzern gegenüber 546 Nichtnutzern sogar einen schnelleren Abbau, was in der Folge in Fachleserbriefen methodisch kritisiert wurde.

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