Alzheimer-Diagnostik, Bluttest

Alzheimer-Diagnostik: Bluttest mit 90% Genauigkeit ab Juli verfügbar

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 23:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Bluttests und Apps ermöglichen frühere Alzheimer-Diagnose. Studien belegen zudem den Einfluss der Ernährung auf das Demenzrisiko.

Alzheimer-Früherkennung: Bluttests, Apps & neue Scanner im Überblick
Nahaufnahme von Händen in einem Labor, die Blutproben und ein Tablet mit Gehirnscans halten, umgeben von Diagnosegeräten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Neben klassischen Verfahren wie Liquorpunktionen und bildgebenden Verfahren drängen nun Bluttests, App-basierte Anwendungen und niedrigschwellige Screening-Angebote in den Fokus. Sie versprechen eine frühere und einfachere Erkennung – doch die neuen Methoden haben auch ihre Grenzen.

Bluttests mit über 90 Prozent Genauigkeit

Seit Anfang Juli 2026 ist der pTau217-Test in der EU verfügbar. Er misst das phosphorylierte Tau-Protein im Blut und liefert Hinweise auf Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Mehrere Unternehmen haben Zulassungen erhalten: Fujirebio im Mai 2026, Roche Diagnostics und Beckman Coulter in den Monaten danach.

Die diagnostische Sicherheit liegt bei über 90 Prozent – vergleichbar mit der bisherigen Liquordiagnostik. Dennoch betonen Fachärzte: Der Test ist kein eigenständiges Diagnoseinstrument. Er dient als Baustein innerhalb eines umfassenden Diagnosepfads und ersetzt nicht die weiterführende Bildgebung mittels CT oder MRT.

Die Kosten liegen zwischen 100 und 150 Euro. Die Krankenkassen übernehmen sie derzeit nicht. Experten empfehlen den Einsatz primär in spezialisierten Gedächtnisambulanzen.

App erkennt kognitive Beeinträchtigungen frühzeitig

Auch die digitale Diagnostik macht Fortschritte. Eine am 10. Juni 2026 in npj Digital Medicine veröffentlichte Studie zeigt das Potenzial mobiler Anwendungen. Die App neotivTrials wurde von der neotiv GmbH in Zusammenarbeit mit dem DZNE und der Universität Wisconsin entwickelt.

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An der Studie nahmen 202 Personen im Alter zwischen 52 und 85 Jahren teil. Über einen Zeitraum von sieben bis zwölf Monaten lieferte die regelmäßige Nutzung der App vergleichbare Diagnosesignale wie eine klinische Beobachtung über acht Jahre. Die App erkennt frühe Anzeichen kognitiver Beeinträchtigungen durch Tests im Zwei-Wochen-Rhythmus.

Aktuell ist die Anwendung jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht vorgesehen.

Gedächtnis-Checks in Apotheken

Um die Früherkennung in die Breite zu tragen, gibt es Modellprojekte. In München bieten 14 Apotheken Tablet-basierte Tests für Personen ab 60 Jahren an. Die 30-minütigen Verfahren umfassen Symbol-Zuordnungen und Fragebögen zu Risikofaktoren.

Die Studie „Dare“ unter der Leitung von Cosima Dermann und Prof. Robert Perneczky verfolgt ein klares Ziel: Bei Auffälligkeiten sollen die Betroffenen frühzeitig an Fachärzte vermittelt werden. Der Hintergrund: Prognosen der AOK zufolge könnte die Zahl der Demenzkranken allein in Bayern bis 2060 auf rund 340.000 steigen.

Eine weitere Studie der Universität Leipzig, veröffentlicht in Alzheimer’s Research & Therapy, untersuchte Daten von 19.000 Personen. Ergebnis: Rund 40 Prozent der über 60-Jährigen haben subjektive Gedächtnisveränderungen. Diese korrelieren mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer sowie Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Neue Bildgebung: PET-Scanner ohne Röhre

Am LMU Klinikum München kommt mit dem NeuroLF ein neuartiger PET-Scanner zum Einsatz. Das Gerät kommt ohne die herkömmliche enge Röhre aus – seine Bauweise erinnert an einen Friseursessel. Das ermöglicht Untersuchungen auch bei Patienten mit Platzangst oder Bewegungsstörungen.

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Die Technologie dient nicht nur der Erstdiagnose, sondern auch der Kontrolle von Antikörper-Therapien. Deren Wirksamkeit bleibt in der Fachwelt allerdings umstritten. Eine Analyse des Cochrane-Netzwerks von 17 klinischen Studien mit über 20.000 Teilnehmern zeigte nach 18 Monaten nur minimale Unterschiede zur Placebogruppe. Gleichzeitig traten vermehrt amyloidbedingte Bildgebungsanomalien (ARIA) auf.

Ernährung senkt nachweislich das Risiko

Auch die Prävention rückt in den Fokus. Eine am 8. Juli 2026 in JAMA Neurology veröffentlichte Studie mit über 10.000 Teilnehmern belegt: Ein hoher Anteil an hochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) erhöht das Demenzrisiko signifikant. Bereits bei 28 Prozent der täglichen Kalorien aus solchen Produkten steigt das Risiko für kognitiven Abbau messbar an.

Die gute Nachricht: Die DASH-Diät kann das Risiko um 41 Prozent senken. Das zeigt eine weitere Studie vom 7. Juli 2026. Besonders bei Personen mit nachgewiesenen pTau217-Werten konnte eine antientzündliche Ernährung das Risiko über 15 Jahre deutlich reduzieren.

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