Alzheimer-Diagnostik: Neuer Bluttest erreicht über 90 Prozent Sicherheit
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 01:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Alzheimer-Diagnostik erlebt einen Technologiesprung: Neue Verfahren erkennen Proteinablagerungen im Gehirn früher und schonender als je zuvor. Bildgebung und Labortests ergänzen sich dabei zunehmend.
PET-Scan ohne enge Röhre
Am LMU Klinikum München ist seit Anfang Juli 2026 ein neuartiger PET-Scanner im Einsatz. Das System namens NeuroLF kommt ohne die herkömmliche, enge Röhre aus und ist speziell auf den Nachweis von Amyloid-Plaques ausgelegt.
Für Patienten mit Bewegungsstörungen, Demenz oder Platzangst bedeutet das eine deutlich angenehmere Untersuchung. Die offene Bauweise senkt die Belastung erheblich. Der Scanner besitzt Marktzulassungen in den USA und der EU.
Die PET-Untersuchung ist die Voraussetzung für moderne Therapiestrategien. Mediziner berichten von Fällen, in denen bei 79-jährigen Patienten eine frühe Alzheimer-Erkrankung gesichert und eine Antikörper-Behandlung eingeleitet werden konnte.
Bluttest mit über 90 Prozent Sicherheit
Parallel zur Bildgebung hat die Labordiagnostik massiv an Bedeutung gewonnen. Seit Mai 2026 ist ein hochsensitiver Bluttest auf das phosphorylierte Tau-Protein (pTau217) EU-weit zugelassen. In spezialisierten Kliniken ist er seit dem 1. Juli 2026 verfügbar.
Der Test erreicht laut klinischen Daten eine Sicherheit von über 90 Prozent beim Nachweis Alzheimer-typischer Veränderungen. Mehrere Diagnostikunternehmen – darunter Fujirebio, Roche Diagnostics und Beckman Coulter – haben entsprechende Tests entwickelt. Erst am 7. Juli 2026 erhielt ein weiterer Assay von Beckman Coulter die CE-Kennzeichnung.
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Die Bluttests können aufwendige Lumbalpunktionen (Nervenwasseruntersuchung) oder teure PET-Scans oft ersetzen oder deren Notwendigkeit vorab prüfen. Allerdings gilt ein positiver Test nur als erster Hinweis, nicht als endgültige Diagnose. Die Kosten liegen bei 100 bis 150 Euro und werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.
Schnellere Diagnose für bessere Therapie
Die Beschleunigung der Diagnostik ist entscheidend für den Erfolg neuer Behandlungen. Bisher vergehen im Durchschnitt 3,5 Jahre zwischen ersten Symptomen und gesicherter Diagnose. Weltweit bleiben rund 75 Prozent der Betroffenen ohne klare Diagnose.
Eine frühzeitige Erkennung ermöglicht den Einsatz monoklonaler Antikörper wie Lecanemab oder Donanemab. Diese Therapien verlangsamen den Krankheitsverlauf im frühen Stadium um etwa ein Drittel. Die Behandlung erfolgt über Infusionen alle vier Wochen, meist über bis zu 18 Monate.
Der Therapieerfolg wird regelmäßig – etwa nach 12 Monaten – durch erneute Amyloid-PET-Untersuchungen kontrolliert. Bestimmte genetische Faktoren wie die ApoE4-Homozygotie oder Vorerkrankungen wie Gefäßveränderungen (CAA) können jedoch Ausschlusskriterien sein.
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Gedächtnis-Check in der Apotheke
Um die Diagnoselücke weiter zu schließen, werden neue Früherkennungsmodelle erprobt. Seit dem 8. Juli 2026 beteiligen sich 14 Münchner Apotheken an einer Studie: Menschen ab 60 Jahren können dort einen computergestützten Gedächtnis-Check absolvieren.
Der etwa halbstündige Test prüft kognitive Leistungen wie die Symbol-Zuordnung und erfasst Risikofaktoren per Fragebogen. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert. In einer elfmonatigen Pilotphase gab es bereits 167 auswertbare Teilnahmen.
Bei unterdurchschnittlichen Ergebnissen erfolgt eine gezielte Weitervermittlung an Fachärzte oder Beratungsstellen. Das Ziel: eine frühzeitige medizinische Abklärung einleiten, bevor wertvolle Zeit verloren geht.
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