Alzheimer-Forschung: ARO-MAPT senkt Tau-Werte im Liquor um bis zu 73 Prozent
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und weiteren Tauopathien gewinnen zielgerichtete RNA-Interferenz-Ansätze (RNAi) sowie präzisere Biomarker-Verfahren an Bedeutung.
Laut einem Bericht vom 14.10.2026 hat das biopharmazeutische Unternehmen Arrowhead Pharmaceuticals Zwischenergebnisse aus der laufenden Phase-1/2a-Studie AROMAPT-SC-1001 (NCT07221344) vorgelegt. Die Untersuchung analysiert den Wirkstoffkandidaten ARO-MAPT nach subkutaner Gabe bei gesunden Freiwilligen.
Dosisabhängige Reduktion von Gesamt-Tau im Liquor
Die im Rahmen der Studie erhobenen Zwischenbefunde zeigen eine deutliche Senkung des Gesamt-Tau-Proteins in der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor). An Tag 105 – was einem Zeitraum von 90 Tagen nach der letzten verabreichten Dosis entspricht – führte eine Dosierung von 2,1 mg/kg an den Tagen 1, 8 und 15 zu einer mittleren Verringerung um 40 Prozent. Bei einer Dosis von 6,4 mg/kg im selben Einnahmeschema lag die mittlere Senkung bei 69 Prozent.
In der Kohorte mit 12,8 mg/kg an den Tagen 1 und 15 sank der Wert im Mittel um 73 Prozent, wobei ein individueller Maximalwert von 85 Prozent erreicht wurde. Nach Einschätzung des Unternehmens stützt die anhaltende Absenkung potenziell ein Dosierungsintervall von drei Monaten oder seltener; hierbei handelt es sich jedoch um eine Entwicklungsperspektive und noch um kein bestätigtes Behandlungsschema.
Hinsichtlich der Verträglichkeit traten laut einem Bericht vom selben Tag überwiegend milde unerwünschte Ereignisse (TEAEs) des Schweregrads 1 auf. Schwere TEAEs, Todesfälle oder Studienabbrüche wurden nicht verzeichnet.
Ebenso blieben persistierende Anämien oder neurobehaviorale Ereignisse aus. Zu den am häufigsten registrierten Reaktionen zählten Lokalreaktionen an der Injektionsstelle, Hämatome an Punktionsstellen, Infektionen der oberen Atemwege sowie Rückenschmerzen und Kopfschmerzen.
Sämtliche Kohorten gesunder Probanden sind inzwischen vollständig rekrutiert, weitere Daten-Updates werden für das Jahr 2027 erwartet. Eine therapeutische Wirkung auf Tau-Tangles, kognitive Parameter sowie den tatsächlichen Krankheitsverlauf bei betroffenen Patienten ist damit noch nicht belegt; der zweite Teil der Studie läuft derzeit.
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Parallel dazu hat Arrowhead Pharmaceuticals regulatorische Gespräche für geplante Untersuchungen bei MAPT-assoziierter frontotemporaler Demenz sowie progressiver supranukleärer Blickparese aufgenommen.
Am 14.10.2026 notierte die Aktie des Unternehmens um 13:57 Uhr an der Lang-&-Schwarz-Exchange bei 55,32 Euro, was einem Plus von 6,14 Prozent entsprach. Die zeitliche Nähe zur Veröffentlichung der Daten belegt dabei keinen direkten Ursachenzusammenhang.
Ergänzende Erkenntnisse zur Biomarker-Diagnostik
Parallel zu therapeutischen Entwicklungen schreitet auch die Diagnostik voran. Wie investing.com am 14.10.2026 berichtete, fĂĽhrt die Niki-BioSolutions-Tochter DiamiR Biosciences eine APOE-Genotypisierung an Plasmaproben der Beobachtungsstudie Bio-Hermes-002 durch, die von der Global Alzheimer's Platform Foundation initiiert wurde.
Genutzt wird hierfür ein im Bundesstaat New York zugelassener plasmabasierter Test, der eine nachträgliche Bestimmung aus archivierten Proben ohne erneute Blutentnahme erlaubt.
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Das Allel APOE-?4 gilt als primärer genetischer Risikofaktor für die spät einsetzende Alzheimer-Demenz und liefert essenzielle Erkenntnisse für das Studiendesign sowie für die Risikoeinschätzung von Amyloid-assoziierten Bildgebungsanomalien (ARIA) unter Anti-Amyloid-Therapien.
Die Studie vergleicht blutbasierte sowie digitale Biomarker mit Amyloid-PET-Untersuchungen und kognitiven Tests über verschiedene Stadien hinweg und legt einen Schwerpunkt auf traditionell unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen.
Dass bei der Interpretation blutbasierter Marker demografische Faktoren berücksichtigt werden müssen, unterstreicht eine in JAMA Neurology am 12.10.2026 veröffentlichte Untersuchung. Demnach fielen die Werte für %p-tau217 bei asiatischen, schwarzen und hispanischen Teilnehmenden niedriger aus als bei weißen und nicht-hispanischen Personen.
Ein vorhandener APOE-?4-Status war jedoch über alle Gruppen hinweg mit höheren %p-tau217-Werten assoziiert (APOE-?4 × Race: F(2,14973)=10,06, P<.001; APOE-?4 × Ethnicity: ? 0,042, 95%-KI 0,017–0,067, P=.005).
Während der Zusammenhang zwischen %p-tau217 und dem kognitiven PACC5-Score keine Differenzen nach Race aufwies, zeigten sich Unterschiede nach Ethnicity (? -0,53; 95%-KI -0,85 bis -0,21; P=.008) sowie bei der Interaktion APOE-?4 × Ethnicity (? 0,78; P=.02).
Ähnliche Muster ergaben sich für die Assoziation von %p-tau217 mit PET-Befunden (Ethnicity-Unterschied: ? -6,30, P<.001; APOE-?4 × Ethnicity: ? 7,12, P=.01). Die Autoren sehen darin eine Bestätigung für den Einsatz von Plasma-Screenings vor einer PET-Bestätigung, mahnen hinsichtlich der ethnischen Differenzen jedoch weiteren Forschungsbedarf an.
