Alzheimer-Früherkennung: Bluttest p-Tau217 zeigt Risiko 10 Jahre voraus
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 06:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Bluttests können das Risiko für Alzheimer deutlich früher erkennen als bisher. Besonders der Biomarker p-Tau217 zeigt erstaunlich präzise, wer in den kommenden Jahren erkranken könnte. Forscher sprechen von einem Durchbruch – doch es gibt auch kritische Stimmen.
Blutmarker verrät Risiko mit hoher Trefferquote
Eine Studie von Mass General Brigham, veröffentlicht im Fachmagazin JAMA, wertete Daten von 2.684 kognitiv gesunden älteren Erwachsenen aus. Das Ergebnis: Personen mit sehr hohen p-Tau217-Werten haben ein 38-prozentiges Risiko, innerhalb von fünf Jahren kognitive Beeinträchtigungen zu entwickeln. Nach zehn Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit auf 78 Prozent.
Zum Vergleich: Bei niedrigen Werten liegt das Fünfjahresrisiko nur bei zwölf Prozent. Die Korrelation gilt unabhängig von anderen Faktoren wie Amyloid-PET-Befunden oder dem APOE4-Genstatus.
Was ein negatives Testergebnis wirklich bedeutet
Forscher aus Madrid liefern ergänzende Zahlen. Ihre Studie, publiziert in Alzheimer's & Dementia, zeigt: Ein niedriger p-Tau217-Wert schließt eine Progression zur leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) mit 92,1-prozentiger Sicherheit aus. Hohe Werte dagegen deuten auf ein 71-prozentiges Risiko für MCI und 41 Prozent für Demenz hin.
Die Kehrseite: Ein positiver Test ist keine Diagnose. „Er ist lediglich ein Indikator für ein erhöhtes Risiko“, warnen Fachleute. Die Interpretation bei asymptomatischen Patienten bleibe komplex.
Ein Bluttest könnte Ihr Alzheimer-Risiko bis zu zehn Jahre vor den ersten Symptomen anzeigen. Die neue Forschung zu p-Tau217 ist vielversprechend – aber was bedeutet das für Sie? Unser Ratgeber erklärt die wichtigsten Test-Optionen, ihre Aussagekraft und wie Sie Ihre Risikofaktoren aktiv beeinflussen können. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern
RNA-Marker als nächste Generation?
Die Forschung geht bereits weiter. Eine NIH-Studie in Nature Medicine identifizierte 34 zirkuläre RNAs (circRNAs) im Blut, die Symptome zwei bis vier Jahre vor ihrem Auftreten ankündigen können. Erhöhte Werte verdreifachen das Erkrankungsrisiko – eine möglicherweise noch präzisere Vorhersage als p-Tau217.
Auch spezielle Patientengruppen rücken in den Fokus. Eine Studie in Communications Medicine testete die Bluttests bei Erwachsenen mit Down-Syndrom, die genetisch bedingt ein höheres Alzheimer-Risiko tragen. Bei 39 Probanden stimmten die Ergebnisse der Tests Lumipulse und PrecivityAD2 in 90 bis 92 Prozent der Fälle mit Amyloid-PET-Scans überein.
Warum der Test nicht für alle geeignet ist
Unsicher, ob Sie selbst gefährdet sind? Die neue Generation von Bluttests liefert frühe Hinweise – doch die Interpretation ist komplex. Unser Leitfaden hilft Ihnen, die Ergebnisse richtig einzuordnen und zeigt, welche präventiven Schritte wirklich sinnvoll sind. Ratgeber zur Alzheimer-Früherkennung anfordern
Trotz der Fortschritte bleibt der Einsatz in der Praxis umstritten. Australiens Gesundheitsbehörde TGA hat die Tests zwar zugelassen, empfiehlt sie aber nur für Menschen mit bestehenden Symptomen. Für gesunde Personen ohne Beschwerden gibt es keine Empfehlung – und die Kosten übernimmt das staatliche Gesundheitssystem nicht.
Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) sieht ein grundsätzliches Problem: Ein flächendeckendes Screening gesunder Menschen sei wenig zielführend, solange es keine präventiven Therapien gibt. Zwar können Medikamente wie Lecanemab oder Donanemab den Krankheitsverlauf verlangsamen – das setzt aber eine frühe Diagnose voraus. Ohne Behandlungsoption birgt das Wissen um ein statistisches Risiko vor allem ethische und psychologische Herausforderungen.
