Alzheimer-Früherkennung: Gehirnmuster zeigt sich schon ohne kognitive Symptome
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Normales Altern und Alzheimer-Demenz hinterlassen unterschiedliche Spuren in der funktionellen Vernetzung des Gehirns. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Lund, die mithilfe von Bildgebungsdaten von mehr als 1.000 Menschen untersuchte, wie sich die Kommunikation zwischen Hirnregionen im Lauf des Lebens und im Krankheitsverlauf verändert. Die Ergebnisse wurden in Nature Neuroscience veröffentlicht.
Unterschiedliche Muster der Konnektivität
Laut der Lunder Forschungsgruppe folgen Veränderungen der funktionellen Konnektivität bei normalem Altern und bei zunehmender Alzheimer-Pathologie klar unterscheidbaren Mustern.
Bemerkenswert dabei: Das für Alzheimer typische Muster ließ sich bereits bei kognitiv unbeeinträchtigten Personen nachweisen, die nur eine niedrige Pathologielast aufwiesen. Das deutet darauf hin, dass sich Veränderungen im Gehirn messbar machen, lange bevor sich Symptome zeigen.
Die Forschenden betonen jedoch, dass es sich bisher um Muster handelt, die auf Gruppenebene beobachtet wurden. Ob sich diese Erkenntnisse auch auf einzelne Personen übertragen lassen und ob sie tatsächlich vorhersagen können, wer später einen kognitiven Abbau erleidet, muss nach Angaben der Studienautoren erst noch in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.
Einordnung in ein größeres Forschungsfeld
Die Lunder Ergebnisse reihen sich in eine Reihe aktueller Arbeiten ein, die versuchen, Alzheimer von normalem Altern molekular und funktionell abzugrenzen.
Eine in Nature Genetics veröffentlichte Analyse von rund zwei Millionen Hirnkernen aus 379 postmortalen Gehirnen identifizierte beispielsweise mehr als 30.000 sogenannte Polyadenylierungsstellen – Abschnitte, die bestimmen, welche Variante eines Gens abgelesen wird.
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Bei fortgeschrittenem Alzheimer fanden sich demnach mehr als 3.000 veränderte Polyadenylierungsereignisse, wobei many betroffene Gene keine gleichzeitige Veränderung ihrer Gesamtexpression zeigten.
Genetische Varianten waren bei 4.288 Genen mit der Wahl der entsprechenden Genabschnitte verbunden, und 168 genetische Loci standen mit dieser Regulation bei 17 Hirnmerkmalen und -krankheiten in Zusammenhang. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Studie Zusammenhänge zeige, aber keine ursächliche Wirkung einzelner Veränderungen beweise.
Auch über die Sprache lassen sich offenbar Unterschiede zwischen gesundem Altern und neurodegenerativen Prozessen erfassen. Eine in Science Advances veröffentlichte Untersuchung analysierte Sprachaufnahmen von 2.928 spanischsprachigen Teilnehmenden aus fünf lateinamerikanischen Ländern – darunter gesunde Erwachsene sowie Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, Alzheimer und frontotemporaler Demenz. Eine künstliche Intelligenz kombinierte akustische und sprachliche Merkmale zu einer sogenannten Sprachalter-Lücke.
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Größere Abweichungen zwischen biologischem und sprachlich geschätztem Alter gingen demnach mit kognitiven und strukturellen Gehirnveränderungen einher; bei Alzheimer-Betroffenen korrelierte der Wert zudem mit einem erhöhten Blutmarker namens p-tau217. Die Autoren betonen, dass das Verfahren noch kein klinisch einsatzfähiger Diagnosetest sei und weitere Langzeitstudien sowie Prüfungen in anderen Sprachen nötig seien.
Bedeutung für Früherkennung
Die Befunde aus Lund fügen sich in einen Trend der Alzheimer-Forschung, der stärker auf Früherkennung setzt – also darauf, Veränderungen im Gehirn zu erfassen, bevor kognitive Symptome auftreten. Dass das Alzheimer-typische Konnektivitätsmuster bereits bei Menschen mit niedriger Pathologielast und ohne erkennbare kognitive Einschränkung sichtbar war, unterstreicht dieses Potenzial.
Gleichzeitig machen die Forschenden deutlich, dass der Weg von einem auf Gruppenebene beobachteten Muster zu einem individuell nutzbaren diagnostischen Marker noch nicht zurückgelegt ist. Erst künftige Studien sollen zeigen, ob sich aus den beobachteten Mustern verlässliche Vorhersagen für den einzelnen Menschen ableiten lassen.
