Alzheimer-Früherkennung, Phonebot

Alzheimer-Früherkennung: Phonebot „Mili“ testet Kognition am Telefon

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie prüfte den Telefonassistenten mit 234 Teilnehmenden; Fachleute betonen Datenschutz, wiederholte Einwilligung und menschliche Begleitung.
Ein heller, moderner Flur in einer medizinischen Forschungseinrichtung mit sanftem Tageslicht und minimalistischem Design. Illustration mit AI erstellt.

Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen betonen zunehmend die wachsende Bedeutung einer rechtzeitigen Früherkennung bei Demenzerkrankungen. Um diagnostische Abläufe künftig zu entlasten und Betroffene früher zu erreichen, werden innovative technologische Ansätze erprobt. Im Fokus stehen dabei unter anderem automatisierte Telefonassistenten, sogenannte Phonebots, die sprachbasierte Screenings durchführen können.

Erprobung automatisierter Sprachtests in Studien

Einen konkreten Einblick in diese Entwicklung gab Dr. Stefanie Köhler vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Rostock/Greifswald im September 2026, als sie auf dem DGG/DGGG-Kongress in Frankfurt das System „Mili“ präsentierte. Der Phonebot wurde speziell für die Unterstützung der Alzheimer-Früherkennung konzipiert.

Grundlage bildet eine in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Untersuchung. An der Studie nahmen 234 Personen teil, darunter sowohl gesunde ältere Menschen als auch Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Über einen Gesamtzeitraum von 15 Monaten erhielten die Probanden alle drei Monate einen automatisierten Anruf.

Die Telefonate dauerten jeweils rund 15 Minuten und umfassten drei definierte Aufgaben zur kognitiven Überprüfung. Bei der Bewertung der Benutzerfreundlichkeit erzielte das System eine solide Resonanz: Auf der Skala des System Usability Scale (SUS) erreichte der Phonebot einen Wert von 70,4 von 100 Punkten.

Wachsender Bedarf durch steigende Fallzahlen

Die Notwendigkeit niedrigschwelliger Diagnosewege ergibt sich aus dem demografischen Wandel und aktuellen epidemiologischen Daten. Nach Angaben von Alzheimer Europe lebten im Jahr 2025 rund 12,1 Millionen Demenzkranke in Europa; bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf 19,9 Millionen prognostiziert.

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Weltweit liegt die Zahl der Betroffenen derzeit bei über 55 Millionen und könnte bis 2050 auf 139 Millionen klettern. Der Anteil von Alzheimer an allen Demenzerkrankungen beläuft sich auf 60 bis 70 Prozent.

Zugleich erhöht die Verfügbarkeit neuer Therapien den Druck auf eine frühzeitige Abklärung. Die Europäische Kommission genehmigte im Jahr 2025 die Wirkstoffe Lecanemab (Leqembi) und Donanemab (Kisunla) zur Behandlung der frühen symptomatischen Alzheimer-Erkrankung. Da solche Therapien vor allem in frühen Stadien ansetzen, gewinnt eine frühzeitige Identifikation von Risikopatienten an Relevanz.

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Ethische Vorgaben und Datenschutz im Fokus

Trotz der methodischen Potenziale verknüpfen Experten den Einsatz automatisierter Phonebots für kognitive Sprachtests mit strengen ethischen und methodischen Auflagen. Zu den zentralen Anforderungen zählen eine fortlaufende Einwilligung, ein verlässlicher Datenschutz, faire Testbedingungen sowie eine kontinuierliche menschliche Begleitung.

Gerade bei Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder beginnender Demenz kann die Entscheidungsfähigkeit im Zeitverlauf schwanken. Eine einmalige Zustimmung zu Beginn einer Testreihe reicht daher oft nicht aus, weshalb Fachleute wiederkehrende Zustimmungsverfahren befürworten.

Zudem werfen die Sprachaufnahmen datenschutzrechtliche Fragen auf, da akustische Daten sensible private Details offenlegen können. Regelmäßige, automatisierte Anrufe bergen zudem das Risiko, bei Betroffenen Gefühle der Überwachung hervorzurufen.

Darüber hinaus können automatisierte Tests Verwirrung oder Leistungsangst auslösen. Zeigen sich während des Screenings Anzeichen für einen fortschreitenden kognitiven Abbau, gilt eine persönliche, menschliche Unterstützung als unverzichtbar, um Betroffene medizinisch und psychologisch aufzufangen. Technologische Werkzeuge werden daher primär als ergänzendes Hilfsmittel und nicht als vollständiger Ersatz für ärztliche Diagnostik gesehen.

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